AIDAaura – in die Jahre gekommen …

Lärmende Motoren, wummernde Bässe, liebloses Kantinenbuffet, im Niveau recht bescheidenes Unterhaltungsprogramm, alles vernebelt von dauerfröhlichen Überzeugungstätern … Willkommen auf der AIDAaura. Wir gingen mit dem Schiff auf große Reise, gleich drei Wochen lang, nach Island und Grönland. Viel Zeit, das Schiff kennen zu lernen. Die Route der AIDAaura hätte schöner nicht sein können, wie unsere Reiseberichte zeigten. Die AIDAaura war für einige Wochen unser Zuhause, eine Lebenswelt mit einigen Höhen und vielen Tiefen – auf einem an sich schön gestalteten Schiff, das aber in die Jahre gekommen ist, ähnlich wie das AIDA-Club-Konzept, für das es gebaut wurde, und von dem AIDA sich verabschiedet hat, und das staubig immer noch in den Ecken der AIDAaura schlummert.

Angekommen an der AIDAaura. Erster Eindruck – etwas verhalten. Merkwürdig, denn vorne am Bug, im schönsten Aussichtsbereich, wo andere Schiffe Aussichtslounges und Kabinen haben, ist das Schiff weitgehend fensterlos. Dicke Stahlplatten, fast gepanzert. Aber das gehört irgendwie zum Konzept – nicht rausschauen, sondern drinnen sein. Sich konzentrieren auf das Wesentliche – auf AIDA.

Drinnen im Schiff dann Szenenwechsel – ein angenehmes, freundliches Schiff. Fröhliche Farben, freundliche Kabinen, gut eingerichtete Restaurants, viele gut gegliederte Außenflächen, schöner Wellnessbereich, sogar angenehm gestaltete Treppenhäuser.

Gebaut ist die AIDAaura entsprechend der „AIDA-Ideologie“: man wohnt auf den unteren Decks des Schiffes, die Restaurant- und Freizeitbereiche sind auf den oberen. Und hier beginnt schon das erste „AIDA-Problem“, hausgemacht. Direkt neben und über den Schiffs-Funktionsräumen geht es los mit den Kabinen, schon auf Deck 3 – damit auf Decks, die eigentlich Qualitäten zum wohnen und schlafen haben sollten.

Lärm! Lautes Motorengeräusch, obwohl wir – für ein „kleines“ AIDA-Schiff deutlich weiter oben – auf Deck 5 wohnen, etwas weiter hinten, aber eher der Mitte zu. Schon im Hafen deutlich zu vernehmen, aber in Fahrt etwas später dann richtig laut. Wohnen und noch schlimmer schlafen bei einer Motorenlautstärke, die man sonst vom Benziner beim Rasenmähen kennt! Aber direkt danebenstehend. Grausam: Nicht abstellbar, da der Schiffsmotor ja immer laufen muss. Nur im Hafen, wenn man ja sowieso an Land geht, etwas leiser.

AIDAaura – ein lautes lärmendes älteres Schiff

Andere Reedereien denken da weniger an die „Haus-Ideologie“, oder dass man immer etwas anderes als die anderen benötigt, sondern an die Passagiere und an Schiffsbauweisen. Es dürfte doch jedem eingängig sein, dass die lautesten Bereiche eines Schiffes über dem Motoren- und Antriebsbereich, ebenso über dem Wirtschaftsbereich liegen. Deshalb sind eben bei fast allen Kreuzfahrtschiffen die Küchen über den Motoren angeordnet, darum herum die Restaurants, die nur zeitumgrenzt genutzt werden und bei denen der Geräuschpegel durch Service und Unterhaltung immer höher ist. Ebenso auf diesen unteren Decks ist der Großteil der Freizeit- und Unterhaltungsräume, ob Bars und Lounges, Shoppingareas oder Theater. Auch mit Geräuschentwicklung, aber weitaus niedriger und besser abdämmbar als ein Schiffsmotor. Sind hier unten auf anderen Schiffen Kabinen untergebracht, dann nur in den ruhigeren Mittel- oder Vorderbereichen eines Schiffes. Aber eben nicht so auf einem AIDA-Schiff.

Damit alle gleichbehandelt sind, sorgt AIDA auch von oben für die Beschallung: Auf Deck 8 und 9 sind dann die öffentlichen Bereiche, so dass auch die oberen Wohndecks auf 6 und 7 nicht unterversorgt sind.

Interessant, dass AIDA dieses Problem anscheinend bekannt ist. Aber die Problemlösung ist schon ein wenig typisch. Am zweiten Abend, als sich die Crew vorstellt, gibt es vorab einen längeren Vorspann des locker-unterhaltsam-smarten AIDA-Programmchefs an Bord, dem legeren Thorsten, natürlich im überschwenglichen AIDA=Superlative-Stil. Eingebaut der Hinweis, dass AIDA sich alle Mühe gegeben hätte, die schiffstypischen Geräusche und Vibrationen in die Kabinen zu übertragen – man solle sich nur Sorgen machen, wenn man diese einmal nicht hören sollte, dann gäbe es wirklich ein Problem. „Aha!“ oder „Haha!“.

AIDAaura – noch mehr Lärm und Ohropax

Es ist wirklich sehr laut in der Kabine. Lydia will sich Ohropax im Bordshop kaufen – dort der Hinweis, dass man diese kostenlos an der Bordrezeption erhalten würde. Hatten wir noch nie auf einem Schiff – normalerweise gibt es da kostenlos nur Pillen gegen Seekrankheit. Daher noch einmal: „Aha!“

Eher genervt vom Motorengeräusch Bernd. Die Rücksprache an der Rezeption ergibt zunächst den Hinweis auf schnelle Problemlösung – Ohrstöpsel verbunden mit der „klassischen“ Problemlösungsstrategie, das Ganze eher als Einzelproblem zu behandeln. Ohne die Problematik anzusprechen – man möchte sich ja nicht auch noch beim Essen selbst mit dem Thema konfrontieren – hört man im Restaurant von verschiedenen Seiten, dass andere auch unter Lärmbelästigung leiden.

Alles kann noch gesteigert werden. Von Island nach Grönland muss es wegen der Entfernung schneller gehen. Der Kapitän kündigt über Borddurchsage an, dass man nun mit drei Maschinen fahren würde, um im Zeitplan anzukommen. Gehört im Restaurant, gleich nachher in der Kabine erlebt, was das zu bedeuten hatte. Noch lauteres Motorengeräusch. Leben neben dem laufenden Motor eines LKWs. Irgendwann wieder an der Rezeption angerufen. Zunächst „Kabinenbesichtigung“ durch einen Mitarbeiter – wohl eher zur Beschwichtigung und Ohrstöpsel-Lösung, denn diese werden gleich mitgebracht. Dann doch noch eine AIDA-Dame, die etwas mehr zu sagen hat – aber das Problem natürlich nicht lösen kann. Freundlich, aber ergebnislos.

Wäre man nur ein paar Tage auf dem Schiff – na ja. Aber gleich drei Wochen, das ist grausam. Kabinen mit Sichtbehinderung kennt man ja. AIDA hat die neue Kabinenkategorie erfunden, die leider auf den Deckplänen nicht eingetragen ist – die Kabine mit extremer Lärmbelästigung!

AIDAaura – hausgemachter Dauerlärm

Damit man nicht unter Entzug gerät, geht es gleich weiter mit dem Thema „Beschallung“, besser „Dauer-Beschallung“. Es gibt auf diesem Schiff wirklich keinen Bereich, in dem mal Ruhe herrscht. Nicht, weil die Passagiere so laut sind. Nein – überall Lautsprecher, aus denen Disco-Pop-Musik quillt. In unterschiedlicher Lautstärke, aber unausweichlich. Am Pool mit heftig wummernden Bässen. In den Bars etwas getragener, bis am Abend die Band kommt – dann muss man sich in die Ohren brüllen, um eine gepflegte Unterhaltung zu führen. Im Ruhebereich, ob Wellnessbereich drinnen oder mit großen Schildern versehenen Ruhebereich draußen, genießt man sülzige Schwulst-Musik, sehr getragen. Auf den Fluren irgendwelches Gedudel. Am schönsten: Frühmorgens, wenn es zum Beispiel gegen 5 Uhr in den Fjord hineingeht, man die Landschaft genießen und vielleicht Wale entdecken mag, hört man die eine oder andere Möwe nur dann, wenn sie wirklich laut kreischend über den Kopf schwebt. Ansonsten: Getragene Disco-Pop-Musik, ganz oben auf dem Deck, ganz vorne am Bug, weil sich da der erste Lautsprecher befindet, der auch frühmorgens eingeschaltet sein will.

Grausam. Zum Glück ist der Altersdurchschnitt der Passagiere auf dem Schiff und insbesondere frühmorgens am Bug so, dass man davon ausgehen kann, dass die meisten ihr Hörgerät ausschalten können und auf diese Weise Ruhe eintritt.

Schade – die AIDAaura ist doch sonst ein nettes Schiff. Wer es noch nicht so richtig glauben mag, dem wird das bei Borddurchsagen, bei Informationsveranstaltungen, eigentlich bei allen Gelegenheiten, bei denen ein „Offizieller“ von AIDA etwas von sich gibt, in so begeisternder Weise nahegelegt, dass einfach kein Weg daran vorbeiführen kann, das auch zu glauben.

AIDAaura –  Qualitäten im Restaurant mit vielen Fragezeichen

Gehen wir doch zum Restaurant – auf AIDAaura das Marktrestaurant und das Calypsorestaurant. Beide Male Buffet, das ist schließlich AIDA, etwas unterschiedliches Speisenangebot, meist ein Tagesthema, das über ein Land charakterisiert wird. Variationen ja, aber doch sehr einheitlich für den deutschen Geschmack interpretiert. Die Bewohner des Landes, das gerade dran ist, würden sich sicherlich ein wenig wundern und nachdenken, welches Land gerade dran ist – auf das eigene würden sie manchmal auch tippen.

Auffallend bei den Hauptspeisen die große Vielfalt, bei den Fischen gut gemacht und auch in guter Qualität. Über Fleischgerichte ließe sich trefflich streiten; da ist mal das rosa gebratene, leider etwas zähe Steak-Stück, mal die trocken gegarte maschinell geschnittene Fleischscheibe in pampiger Soße, mal Fleischfitzel mit Gemüse verziert, oder auch mal ein leider so trocken gegrilltes Stück Fleisch, dass die relativ stumpfen AIDA-Tischmesser versagen und man nur Chance hat, das Stück Fleisch als gezupfte Fleischfasern zu „genießen“, hinuntergespült mit dem doch recht einfachen Tischwein, der im Buffetrestaurant inklusive ist.

Fast täglich gibt es Rindersteak am Buffet, immer dasselbe Fleisch, immer als Steakfleisch völlig ungeeignet. Zur Tarnung täglich wechselnde phantasievolle Bezeichnungen, orientiert am Tagesthema – ich bin überzeugt, dass diese Steaks trotz wohlklingendem und bezugnehmenden Namen nie und nimmer eine brasilianische Weide oder irische Wiese gesehen haben. Damit es im Warmhaltemodus am Buffet nicht so sehr als zäh eingestuft wird, geht das Stück Fleisch vor dem Braten durch den Steaker. Ein Gerät, das aus der guten Küche längst verschwunden ist, und mit dem die Fleischfasern so zerhackt werden, dass es noch am Stück gebraten werden und als Bratstück durchgewunken werden kann. Wenn schon, dann richtig einsetzen. Nicht so bei AIDA. Da „fliegen“ die Fleischstücke nach Belieben in den Steaker, und so bleiben viele von ihnen einfach zäh, weil falsch gehackt. Da weiß wohl jemand, wie man das Gerät bedient, aber nicht, wofür es eigentlich gut sein könnte. Wir freuen uns mit anderen Tischnachbarn auf den nächsten Tag mit der nächsten Bezeichnung für das Steak – und spülen das Ganze nicht mit dem wirklich sehr einfachen Wein runter, sondern mit Wasser.

Im Gemüsebereich lässt dann der Frostkeller grüßen – das sieht und schmeckt man auch. Salate in guter Auswahl, auch mit allem angeboten, mit dem man Salate verschönern kann, ob Kräuter, Schinkenwürfel oder verschiedene Öle und Essige. Beim Nachtisch die üblichen Verdächtigen, bei denen man die Pülverchen einiger Großkonzerne zu entdecken glaubt. Bei den Vorspeisen schlägt leider nicht insgesamt, aber doch weitgehend die Billigqualität immer mehr zu, wie nebenbei angemerkt auch beim Frühstück. Billigwurst und Billigschinken – Blutwurst, Leberwurst, ein Pressschinken, den man Zuhause nur mit der Pinzette anpacken würde. Obst, so lange der Vorrat reicht – Melone immer, Apfel und Birnenschnitze auch, alles andere ist relativ schnell aufgegessen und wird nicht mehr nachgelegt. Wer später kommt, hat eben Pech gehabt. Das Niveau insgesamt: Eine bessere Betriebskantine, alles so gekocht, dass es für die Warmhalteplatten am Buffet einigermaßen tauglich und ausreichend, nein, in großer Menge vorhanden ist. Vielfältig und viel als entscheidende Kriterien – Qualität eher nachrangig.

AIDAaura – Buffet-Chaos geplant nach Lehrbuch

Und schon sind wir wieder bei einer „AIDA-Spezialität“ angekommen. Der lockere und unbeschwerte AIDA-Stil wird ja auch über die Restaurants symbolisiert. Am Buffet auswählen, was man gerade möchte, die Tischgetränke umsonst mit dazu. So nett das klingt – man ist an diesem Punkt sofort wieder bei Anspruch und Wirklichkeit angelangt, den AIDA einfach nicht einlösen kann, weil ein Schiff eben ein Schiff ist und Menschen einfach ihre Gewohnheiten haben, die dann auch noch sehr komprimiert auftreten, wenn man ausschließlich für deutschsprachiges Publikum anbietet.

Was heißt das? Bis auf einige sehr kleine Schiffe hat kein Kreuzfahrtschiff auf dieser Welt so viele Restaurantplätze wie Passagierplätze – für etwa zwei Drittel der Passagiere sind in der Regel Restaurantplätze verfügbar. Das heißt, jeder Tisch muß öfters belegt werden – bei langen Essenszeiten eigentlich kein Problem. Aber ein deutschsprachiges Publikum will weitgehend pünktlich zum Essen gehen, möchte im Restaurant auch nach dem Essen sitzen bleiben, vor allem dann, wenn es die Getränke umsonst gibt. Schöne neue AIDA-Welt: dahin!

Was macht AIDA? Man führt versetzte Restaurantzeiten ein. In einem der beiden Restaurant gibt es Buffetzeiten – man kann entweder von 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr oder von 20.00 Uhr bis 21.30 Uhr essen. Folgen: Schlange vor dem Restaurant, weil eineinhalb Stunden nicht gerade lange sind. Schlange im Restaurant, weil alle auf einmal reinkommen. Tisch schnell belegen, gut sichtbar, damit kein anderer den Platz wegnimmt, schließlich will man ja mit dem Partner oder gar mit Freunden zusammensitzen, die gerade irgendwo am Buffet herumwuseln. Essen so organisieren, dass immer einer am Buffet ist, während der andere isst oder auf den Tisch aufpasst. Ziemlich aufwendig – man braucht sich auch nicht viel zu unterhalten, weil einer immer unterwegs ist. Eineinhalb Stunden für Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise, vielleicht noch Käse, das verteilt auf zwei Personen, da bleibt nicht viel Zeit zwischen warten und suchen und schnell mal essen. Damit man nicht vergisst, dass man wieder raus muss aus dem Restaurant, kommt bei der ersten Essenszeit spätestens zwischen 19.10 und 19.20 Uhr eine AIDA-Dame oder ein AIDA-Herr an den Tisch und erinnert dran … Nebenbei: Der Buffetbereich im Restaurant ist so eng gebaut, dass einfach Gedrängel entstehen muss.

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Ein Zeitplan, wie er sich für ein deutschsprachiges und deutschbewirtschaftetes Schiff gehört. Könnte ergänzt werden. Zum Beispiel kündigt der Kapitän am Abend vor dem Hafen in Akureyri in Island an, dass man gegen 4.30 Uhr frühmorgens in den Fjord einfahren würde und man in diesem Bereich am besten die Wale beobachten könne. Absehbar, dass ganz viele Passagiere früh am Morgen aufstehen und das sehen wollen. Nicht so ganz flexibel und vorausschauend die Planung bei AIDA – hier hat anscheinend niemand dem Kapitän zugehört. Kaffee gibt’s so früh sowieso noch keinen. Pünktlich wird um 6.00 Uhr Kaffee für das Frühaufsteherfrühstück in der Anyway-Bar bereitgestellt, schließlich steht das so im alltäglichen Plan. Neben den Thermoskannen eine Platte mit Croissants, es werden so 20 bis 30 gewesen sein. Dass nach der Ankündigung ein paar hundert Leute rumstehen, die um wenige Kannen mit noch weniger Croissants „kämpfen“ – das steht nicht im Plan.

Aber das lässt sich noch toppen! Das kleine Restaurant macht nach Plan um 7.00 Uhr für das Frühstück auf. An Bord sind inzwischen so ziemlich alle wach, alle mit Drang zum Frühstück, kommen auch gut „durchgefroren“ von draußen rein. Alles drängt in das Restaurant. Voll, voller, am vollsten. Kaum ein Durchkommen. Man isst das, was man erwischen kann. Im Stehen, da Sitzplätze schon längst keine mehr da sind. Ein freundlicher Ober, der noch lächelt, aber sichtlich schon kämpft, gibt uns noch eine Tasse Stehkaffee in die Hand. Pünktlich um 7.30 Uhr wird nach Plan das andere, größere Restaurant geöffnet. Nur wenige Tische belegt. Klasse.

AIDAaura – Buffet mit Schmuddelgarantie und Infektionsrisiko

Das Hygiene-Thema muss eigentlich gleich jetzt angeschlossen werden, weil das doch etwas eigenwillig bei diesen Buffetrestaurants interpretiert wird. Am Eingang die Desinfektions-Spender, manchmal auch eine AIDA-Mitarbeiterin mit Spray-Flasche, die unterstützt und kontrolliert. Drinnen dann eine übliche Situation, wie man sie von weniger gepflegten Buffetrestaurants kennt. Vorlegebesteck, das jeder anpacken muss, in den Schüsseln und Töpfen. Leute, die in die Hand husten. Hervorragend die Mini-Gabeln bei manchen Vorspeisen, mit denen die Häppchen oder Wurstscheiben kaum geholt werden können. Weil es so schwierig ist, wie zum Beispiel beim Lachs immer wieder zu beobachten, fällt eben mal ein Lachsscheibchen daneben – und die sparsame Oma nimmt das mit der Hand auf, legt es auf den Teller, schleckt die Finger ab, und ab zum nächsten Vorlegebesteck. Nicht nur ein mal beobachtet. Fein! Beim Käse wieder kleine Gäbelchen, kleiner als Kuchengabeln. Das Zeug (= Käse) ist damit kaum zu packen. Hat man es angepackt, bekommt man es von dem Ding (= Gabel) fast nicht wieder weg. Hoffnungslos das ganze Unterfangen, wenn es sich um reifen Gorgonzola handelt. Eigentlich schön, dass der Käse fast immer passend reif ist. Aber Gorgonzola mit dem kleinen Gäbelchen auf den Teller löffeln…

Das ist eine Herausforderung. Und so weiter. Folge: Lecker klebrige oder verschmierte Griffe beim Vorlegebesteck allenthalben. Richtig unappetitlich wird’s beim Eis – drei Sorten Eis zur Auswahl, aus großen 5-Liter-Behältern. Die Eiskugeln darf man sich selbst holen, mit dem Eislöffel, der ganz professionell in einem Wasserbehälter mit leicht laufender Frischwasserzufuhr steht. Der Griff des Eislöffels klebrig. Auf dem Wasser schwimmt eine leichte Schleimschaumschicht – in den Topf kommt schließlich der Eislöffel immer rein mit all den Eisresten, die noch dranhängen. Nächster Passagier. Löffel raus aus der Brühe, hinein ins Eis, die Restwasserbrühe ins Eis tropfend, und zurück in die Brühe – ein Eis, das je später der Abend desto leckerer aussieht.

Man könnte einfach endlos weiterschreiben, weil AIDA so viel Stoff bietet – zum Beispiel beim Frühstücksbuffet, bei dem ein freundlicher Koch an einer einzigen Herdplatte mit zwei Pfännchen dafür zuständig ist, für ein paar hundert Gäste Omelett’s herzustellen. Dass viele gerne auf ein Omelett verzichten, das nebenbei angemerkt wirklich gut gemacht wird, dürfte angesichts der Wartezeiten verständlich sein. Ein Omelett dauert drei bis fünf Minuten, und damit sind die Wartezeiten klar – wäre die Warteschlange länger, würde das Restaurant wieder schließen, bevor der letzte dran ist.

Mitten auf den Tischen Besteckständer, ob Löffel, Gabel oder Messer, alles aufgehängt, praktisch, weil die Menge für mindestens einen Abend reicht, dazwischen eingeklemmt Servietten, die man sich „herausfummeln“ darf. Man mag nicht unbedingt wissen, wie viele Finger schon über das Messer gegangen sind, weil eben manche Passagiere älterer Generation nicht zwingend gleich den Griff erwischen. Oder wie viele kleine Keime auf dem ganzen Sortiment schlummern, schließlich muss ja manchmal auch gehustet werden oder manch einer hat eine etwas feuchtere Aussprache. Lecker.

Wer meint, das sei schon alles, täusch sich. Mittagessenszeit. Die wenigen Ober, die für saubere Tische zu sorgen haben, arbeiten im Akkord – so ein wenig scheint es bei AIDA auch darum zu gehen, mit möglichst wenig Personal auszukommen. Pünktlich 12.30 Uhr macht das Marktrestaurant auf, pünktlich um 14.00 Uhr wird es wieder geschlossen. Gäste abgefüttert, Essen durch. In größter Hektik fangen die Ober an, 14.00 Uhr das Buffet abzuräumen und die Tische für den Abend herzurichten. Alle Tische schnell mit einem Tischlappen gewischt, im Akkord. Die Gläser standen für’s Mittagessen umgekehrt mit dem Glasrand auf dem bedingt sauberen Tisch. Jetzt müssen für den Abend Tischdecken aufgelegt werden. Alles muss abgeräumt werden, Besteckständer, Gläser, Deckchen. Wohin? Einziger Platz auf die Stühle. Die Ober stellen die Gläser mit dem Glasrand (nachher am Mund) auf die Sitzfläche der Stühle, zusammen mit dem anderen Kram, legen die Tischtücher auf den Tisch, stellen die Gläser wieder auf. Guten Appetit. Wer weiss, wer mit welch sauberer Hose auf diesem Stuhl saß, einem Stuhl, der ganz gewiss eine längere Zeit schon keine Intensivreinigung erfahren hat. Vielleicht desinfizieren ja die Getränke, die als Tischgetränke ausgeschenkt werden …

AIDAaura – Schlacht am Buffet durch Organisationskompetenz

Oder die Erziehung zur Pünktlichkeit, Methode AIDA. So richtig passend zum lockeren Freizeitstil gibt es ja die eingegrenzten Buffetzeiten. Damit nicht alle einfach währende dieser Öffnungszeiten nach Belieben ins Buffetrestaurant kommen, gilt der alte Spruch „wer nicht kommt zur rechten Zeit muss haben was noch übrigbleibt“. Insbesondere beim Obst, ebenso bei dem, was frisch zubereitet aus dem Grill oder Garer kommt, ob Fisch oder Fleisch, auch beim Käse – eben immer dann, wenn es um qualitativ bessere Dinge geht. Eine Viertelstunde vor Öffnung sammeln sich die Gäste vor der Tür, werden manchmal vor der Tür noch vom Animationsteam bespasst, eher hingehalten, mit meist peinlichen Vorführungen wie z. B. einer Schwulen“parodie“. Dann Ansturm auf’s Buffet. Drängelei und Schlangen an allen „verdächtigen Futterquellen“. Nach einer Viertelstunde die besondereren Dinge, sofern vorhanden, leergefressen. Nachgelegt gibt’s beim Obst dann eben keine Ananas, Passionsfrüchte, Kaktusfeigen, Mango, Passionsfrüchte oder was auch immer mehr – wer später kommt, für den gibt’s eine, vielleicht zwei Melonensorten, dazu Apfel- oder Birnenschnitze und Bananenschnippel. Endlos verfügbar Pasta, Hühner-Unterbeine oder Flügel, Geschnetzeltes, Braten in dicker Soße, Brei und durchgegartes Gemüse. Meist in dicker Pampesoße. Fisch ist, wenn er frisch kommt (Achtung – pünktlich sein) meist richtig gut, und dann warmgehalten eben immer trockener. Es gibt wirklich viel und wirklich große Vielfalt – aber so wirklich getroffen wird der Geschmack selbst eingeschworener AIDA-Gäste wohl kaum, blickt man auf all das, was bei Buffet-Ende noch übrig ist und hört man auf viele Kommentare. All das so als Beispiel. Super. Auch so kann Buffet organisiert werden. Wer nicht kommt zur rechten Zeit …

Abgesehen davon hat anscheinend bei AIDA noch niemand über den Aufbau eines Buffets nachgedacht – vielleicht gibt es ja auch niemanden an Bord, der/die dafür eine Ausbildung genossen hat. Nimmt man mal das Marktrestaurant. Buffetaufbau: Gleich am Anfang die Brotstation. Dann die Hauptspeisen. Daran vorbei gerade aus weiter ein paar Vorspeisen, danach sehr versteckt die Salate. Man kommt eigentlich erst daran vorbei, wenn man schon Essen „gefasst“ hat – klingt vom Begriff her schräg, entspricht aber leider dieser Buffetsituation. Gegenüber den Hauptspeisen in einem relativ engen Flurbereich, in dem gerade beim Buffetstart kaum ein Durchkommen ist, noch einmal Vorspeisen. Im Zugangsbereich zu diesen Stationen noch mitten im Raum dazwischengestellt eine kleine Theke mit zwei Suppen und Schälchen mit Garnitur dafür. Ist man durch diese Enge hindurch, kommen rechts die Käsetheke und links die Theke mit den süßen Nachspeisen. Im Zwischenbereich zwischen Nachspeisen und Hauptspeisen das Eis – ein Anlass für weiteren Stau. Noch schöner: Das beliebte Obst ganz hinten in einer Ecke, die mit der Tür zur Spülküche abschließt, so dass sich andauernd Gäste und gut bepackte Ober einen schmalen flurartigen Bereich teilen müssen. Das alles nicht für eine kleine private Gesellschaft ausgedacht sondern für ein Restaurant, in dem jeden Tag hunderte von Gästen „durchgeschleust“ werden müssen – mit Blick darauf, was hier passiert, könnte man gut und gerne auch „abgefüttert“ schreiben.

Wundert sich jemand, dass alle nur nach den besten Stücken rennen? Und in der Regel mit einer Hauptspeise starten? Und irgendwie sicherstellen, etwas vielfältiges Obst zu bekommen? Ja, AIDA. Steht doch in einer Bordinformation, als Gesundheitstipp, dass man doch zur Vorspeise einen Salat essen könne. Wahrscheinlich welkt dieser in den Vorratsräumen so vor sich her, weil alle, die für das Buffet zuständig sind auch dafür sorgen, dass dieser nicht gegessen wird.

Tröstlich, aber eigentlich lächerlich. Das Marktrestaurant hat den Vorteil der zwei Öffnungzeiten – also zwei mal frisch aufgelegt. Das Calypsorestaurant ist durchgängig geöffnet – also nur ein mal die Chance auf Eroberungen in der ersten Buffet-Viertelstunde.

AIDAaura – ein unvergleichliches Frühstück im Rossini

Frühstück im Rossini, dem „Gourmet-Restaurant“ an Bord. Ein Frühstück, das keine Wünsche offen lässt, so der Flyer auf der Kabine. Gegen Zuzahlung, Kaffeespezialitäten wie ein Capuccino nicht im Preis enthalten. Ein erster Blick auf das Buffet in der Mitte des Raumes: All das kommt einem sehr bekannt vor, steht so auch im Buffetrestaurant. Hier alles etwas kleiner und feiner präsentiert, leicht ergänzt. Frischer Orangensaft wird geboten, dann kommt eine Etagere. Ob man will oder nicht, man kann nur grinsen oder lauthals lachen – untere Etage Billig-Schlabber-Wurst wie am Buffet, mittlere Etage Billig-Salami und einfachster Press-Schinken, bei dem die Fleischstrukturen nur zu erahnen sind, und eine Putenwurst. Auf der oberen Etage eine Eckchen Ziegenfrischkäse, ebenso zerpflückt wie oben am Buffet – anscheinend schafft die Küche auch nicht, diesen ordentlich am Stück anzurichten, dazu ein Schälchen Hüttenkäse und zwei wellige Scheiben einfacher Hartkäse – der liegt anscheinend schon länger und durfte sich trocknend verbiegen.

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Das kann ja heiter werden – nett übrigens, dass die doch sehr freundliche Dame im Service, nicht nur deutschsprachig, sondern deutsch, unsere diesbezügliche Anmerkung mit dem Nebensatz, dass all das, was auf der Etagere liegt, „nicht unserem Beute-Schema“ entsprechen würde, zwar sprachlich, aber anscheinend nicht inhaltlich verstand. Zur Sprache im Rossini: Hat man nicht zufällig den Ober, der leider nicht für unseren Tischbereich zuständig war, gibt es kaum eine Chance, sich zu verständigen. Anscheinend werden ein paar Brocken deutsch und englisch gesprochen, aber verstanden wohl nicht. Statt Obst am Stück für zwei Personen bestellt zwei mal „Senioren-Hack“ – kleinst geschnippelste Stückchen Mango, Melone und was auch immer, eher zum schlürfen als zum beißen. Noch mal für jeden einen Obstteller bestellt – aber nur einen bekommen.

Zwei mal Omelette bestellt, Lydia bekommt ein gekochtes Ei, Bernd zwei Spiegeleier. Das Ganze nicht abwehrbar – der Ober versteht offensichtlich nicht, dass wir ihm mit allen Regeln der Kunst versuchen klar zu machen, dass wir das nicht bestellt haben, es vielleicht an einem anderen Tisch erwartet würde. Nein, es wird uns vor die Nase gestellt. Sehr freundlich, aber bestimmt. Dafür kommen nach einiger Zeit die bestellten zwei Mini-Steaks, zusammen mit zwei Omeletts. Warum auch immer. Schmecken erstaunlich gut. Alles zusammen auf den Tisch, zu den beiden schon leer gegessenen Tellern, den Schüsselchen mit dem Senioren-Hack, den zwei kleinen Tellern mit den Brötchen, dem Brotkorb, der begeisternden Etagere, den Kaffeetassen, dem Orangensaft. Der Platz geht aus. Es sieht aus wie bei einem Frühstücks-Gelage einer Großfamilie. Etwas Lachs nachgeholt, lecker. Eine etwas bessere Obstauswahl wie oben am Buffet, auch lecker. Käse Fehlanzeige, gehört zum Bereich wenig genießbar.

Lydia macht einige Male auf sich aufmerksam; irgendwann merkt’s einer. Sie fragt nach Ziegenkäse, eine kleine Portion. Nach einer Weile kommt ein wirklich leckerer Ziegenkäse, eine richtig große Portion. Nett. Wir sind fertig, trinken den letzten Schluck Kaffee. Der Ober fragt noch, ob wir noch einen Capuccino wollen. Nein, wir wollen nicht. Sagen ihm, dass wir fertig sind mit dem Frühstück. Er versteht‘s nicht. Wir gehen trotzdem.

AIDAaura – der immerfröhliche verkaufsfördernde Entertainment-Manager

Irgendwann muss man aufhören mit dem Restaurant-Thema, obwohl endlos. Wandern wir thematisch weiter zum Show- und Unterhaltungsbereich. Größten Unterhaltungswert hat der Entertainment-Manager Torsten, immer fröhlich im lautstarken Animationsstil die Gäste anheizend, schließlich ist man ja auf AIDA. Auch wenn das Showteam eine Gesangsshow abliefert, bei der Dieter Bohlen sehr passende Kommentare absondern würde; dann doch lieber Karaoke singende Passagiere, das hört sich ähnlich an, ist aber unterhaltsamer, weil da der überschwengliche pseudoprofessionelle Stil nicht dauerhaft übergestülpt wird.

Zum AIDA-Showteam gehören sechs Sängerinnen und Sänger, die sich nicht nur im Singen, sondern auch im Tanzen versuchen. Dazu ein professionelles Tanzpaar, das etwas deplaziert wirkt und nicht so wirklich zum weiteren Animations-Rummel passt. Und dann noch ein Akrobat, der es gut versteht sich in sich selbst zu verknoten – aber doch ein einsamer Vertreter seiner Zunft. Dazu ein paar Gastkünstler – ein Comedian, der sich über Beziehungen auslässt, ein Motivations-Coach, wer immer unter den Passagieren den benötigen wird, ein Lektor, der Grundkenntnisse über Island und Grönland vermittelt. Man bemüht sich.

Vielleicht einfach so zum Anspruchsniveau. In einer Anmoderation stellt der AIDA-dauerbegeisterte Programmchef Torsten die AIDAstars vor. AIDAstars sind diese sechs Vertreterinnen und Vertreterinnen hoher Gesangskunst, die immer überschwenglich auf der Bühne mit heroischer Musik und Aufforderung zum Applaus begrüßt werden. Peinlich nur, dass diese großen Stars, wie Torsten irgendwann mal verkündet, auf AIDA ihr erstes Engagement, weitgehend direkt nach der Ausbildung angetreten hätten. Bei allen Shows, ob an Deck oder im Theater, wird mehrfach vorgebetet, dass das Stars sind, vom Entertainment Manger, dem immer-fröhlichen Torsten. Vielleicht ist bei AIDA schon ein Star, der sich auf ein Engagement an Bord eines AIDA-Schiffes einlässt? Vielleicht sollte unser Torsten einmal die Vielfalt des Managerangebots an Bord dieses Schiffes ernst nehmen. Zum Beispiel zur Edutainment Managerin gehen, die sehr professionell sein soll, wie er immer wieder mal ankündigt. Und das Ganze gleich von der Foto Managerin ablichten lassen, zur Dokumentation. Es gibt ja so viele Manager an Bord. Vielleicht dann auch noch den Docu-Manager konsultieren, der das alles fein säuberlich in einer Akte abheftet.

Nach solchen Anmerkungen bleibt mir in Richtung „Stars“ nur eine Anmerkung: Die wirklichen „Stars“ an Bord – das sind die Ober, die wirklich keinen leichten Job haben und diesen bravourös erledigen.

AIDAaura – Unterhaltung als niveau-arme Verkaufsshow

Am meisten Unterhaltungswert haben interessanterweise der Kapitän und seine Offiziere. Gute Informationen, und zum Beispiel am Anfang der Reise bei der Vorstellung der Offiziere in einer Mischung dargeboten, die durchaus auf einer Comedy-Bühne Erfolg hätte. Einfach unterhaltsam, sollte man öfters auftreten lassen. Weniger Show sind die doch ständigen, als Information getarnten Verkaufsveranstaltungen – schließlich muß die „Faszination AIDA“, wie immer so schön beworben wird, auch in Form von verkauften Landausflügen, bezahlten Workshops, auf Kleidungsstücken aufgenähten Logos, an Bord direkt verkauften weiteren Kreuzfahrten und mehr dauerhaft in den Köpfen verfestigt werden.

Und schon sind wir angekommen bei der AIDA-typischen Unterhaltung, zu überwiegenden Anteilen eher Verkaufsveranstaltungen. Meldet sich der immer-fröhliche Torsten, immerhin mit zwei Streifen am Hemd bzw. an der Jacke, damit im Offiziersrang und seines Zeichens „Entertainment Manager“ über die Bordlautsprecher zu Wort, dann kann man sicher sein: Ein paar mehr oder weniger belanglose Informationen, dann ein paar Hinweise auf das Bordprogramm, mit Schwerpunkt auf all das, wofür man noch Geld ausgeben kann – ob Workshops oder Massagen, Getränke oder Souvenirs, AIDA-Lagerkauf oder Sonderaktionen, Landausflüge oder was auch immer …

Nur so zum Beispiel. Torsten moderiert voll von sich und allem um sich herum begeistert einen Barkeeper-Wettbewerb auf dem Pooldeck. Die Barkeeper treten gegeneinander an – nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, wer den besten Cocktail mixt. Nein. Das Publikum soll abstimmen, wer bei seinen Mix-Aktionen unter Anfeuerung des Entertainment Managers besser rüberkommt. Und wie wird abgestimmt? Indem man einen Chip für einen Cocktail erwirbt, diesen bei einem der beiden abholt und den Chip in einen hohen Behälter wirft. Von den beiden hat derjenige gewonnen, der mehr Chips gesammelt hat. Gewonnen hat vor allem AIDA, weil mit Blick auf die beiden Behälter eine ziemliche Menge Cocktails getrunken worden sind. Was haben die Barkeeper dafür? Ist die Barkeeperin die Verliererin, muss sie in einem Strampelanzug seine Kabine putzen. Ist der Barkeeper der Verlierer, muss er das in einem Tütü-Kleidchen tun. Am Schluß einigen sich beide darauf, dass sie sich verkleiden und beide die Arbeit tun. Wie zu erwarten. Die Reinigungsaktion wird mit der Kamera aufgezeichnet und am nächsten Tag im Theater vorgespielt. Wir sind uneingeschränkt begeistert, ebenso wie von vielen anderen Aktionen, die sich auf ähnlich hohem und anspruchsvollen Niveau bewegen.

Oder in der Kabine, Fernsehprogramm. Verständlich, dass das Fernsehprogramm auf einigen Strecken der Route nicht funktioniert. Viele Tage lang. Wie man dann auf vier Unterhaltungsfilme für Kinder, drei Wochen lang unentwegt eingespielt, reduzieren kann, als Bonus für die Erwachsenen nach etwa zwei Wochen einen James Bond Film, das versteht ganz sicherlich AIDA. Vielleicht ist man ja so sehr von sich überzeugt dass man glaubt, die AIDA-Werbung, die dauerhaft auf den ersten Kanalplätzen des Fernsehers eingespielt wird und selbstverständlich immer funktioniert, sei völlig ausreichend.

Überhaupt das AIDA Bordfernsehen. Interview mit einem Mitarbeiter, schließt direkt an der Hochqualifikation der präsentierten AIDAStars. Dieser Mitarbeiter macht sicherlich keinen schlechten Job – aber irgendwie scheint keiner in dem Filmchen, das den Reisenden dauerhaft präsentiert wird zu merken, dass AIDA sich selbst nicht zwingend ernst nimmt – unser allseits-fröhlicher präsentiert den Mitarbeiter. Der darf erzählen, dass er vom Zeitpunkt der Bewerbung bis zur Tätigkeit auf dem Schiff zwölf Tage gebraucht hätte, und während dieser Zeit noch das spezielle fünftägige AIDA-Training absolviert habe, um gut auf die Tätigkeit auf dem Schiff vorbereitet zu sein. Kommentar? Nicht erforderlich. Wie an vielen anderen Stellen auch die Preisfrage nach Produkt- und Qualitätssicherung. Aber angenehm – zumindest die AIDA-Leute scheinen das nicht mehr zu bemerken. Das beruhigt zumindest im internen Kreis.

Wenn sich nicht der Kapitän immer mal wieder mit wirklich guten Informationen zu Wort melden würde, käme man sich vor wie auf einer „Butterfahrt“. Ich könnte mir jemanden aus der AIDA-Crew vorstellen, der hervorragend auch Heizdecken, Gehhilfen, Thermomixer und ähnliches an eine Busladung zwangsverpflichteter Billigreisender verkaufen könnte.

AIDAaura – die „Stars“ sind die Ober

Somit angekommen beim Thema Personal. Immer präsent der immer-fröhliche Torsten, seines Zeichens Entertainment Manager und Verkäufer, öfters schon erwähnt, sehr positiv auffallend das nautische Team. Immer höflich und zuvorkommend ist das Personal in den Restaurants, soweit erkenntlich alle aus dem asiatischen Raum, aber so spärlich vorhanden, dass allein schon deshalb Reibungspunkte auftreten – geschweige denn, dass Zeit wäre, einen höflichen Satz mit einem der Ober zu wechseln. Formal zuvorkommend die „mittleren Etagen“, soweit gesehen alle aus Deutschland und Österreich; oft scheint die angelernte Freundlichkeit durch, die wirkliche Kundennähe nicht ausstrahlt. Die anderen wissen anscheinend, um was es geht – aber sehr oft entsteht der Eindruck, dass hier ein wenig das Qualitätsmanagement gefragt wäre. Arbeit erledigen, Pflichten erfüllen, Regeln einhalten, nicht zu viel wissen, wofür andere zuständig sein könnten. Hauptsache ein Titel, der schmückt, egal was er zu bedeuten haben mag, ob Manager, Director oder Supervisor. Einige Male war beobachtbar, wie jemand „abgefertigt“ wurde – sicher formal richtig, aber so richtig wohl fühlen war für diese Personen nicht angesagt.

Vom deutschen oder österreichischen Personal abgesehen, durchwegs soweit erkennbar in der Leitungsebene tätig, ist es mit der deutschsprachigen AIDA nicht weit her. Kaum jemand aus der sonstigen Crew spricht einigermaßen deutsch, höchstens ein paar Brocken, die ganz unmittelbar mit der Arbeit zusammenhängen. Deutschsprachig bedeutet, wie bei vielen internationalen Anbietern, dass an der Rezeption deutsch gesprochen wird, und bei AIDA zusätzlich, dass fast ausschließlich nur Deutsche an Bord sind – auf unserer Tour wurden diese sogar ausdrücklich im Theater begrüßt, es waren vielleicht gerade mal 20. Das Programm ist durch diese sprachlich einheitliche Gästeschar entsprechend ausschließlich in deutscher Sprache, viele Programmpunkte sind auf diese Struktur, besser auf die Zielgruppe, die AIDA erreichen möchte, abgestellt.

AIDAaura – deutschsprachig, zwischen Schein und Wirklichkeit

Irgendwie hat man den Eindruck, dass AIDA einfach noch von der Vergangenheit zehrt. Das AIDA-Publikum auf dem Schiff erzählt von AIDA-Fahrten vergangener Zeiten, als AIDA noch richtig AIDA war – da klingelt so ein wenig Nostalgie der damals 55-jährigen AIDA-Erstfahrer mit Cluburlaubs-Ambitionen durch. Für andere, die eher als typischere Pauschaltouristen ohne große Produktbindung eingeschätzt werden dürften, zählt einfach die Sprache an Bord. Es wird deutsch gesprochen,  zumindest in der Schiffsleitung und an der Rezeption – aber in anderen Bereichen, ob im Restaurant-, Bar- oder Kabinenservice geht oft ohne englisch nichts. Eher nachdenklich machen Urlauber an Bord, die Probleme mit internationalen Schiffen haben, weil andere Nationen sich nicht richtig am Buffet verhalten könnten, Berge auf die Teller schaufeln würden, Zeitvorgaben nicht einhalten würden, laut wären und so weiter, wie man zu hören bekommt. Also Essen wie ein Amerikaner, laut wie ein Italiener, betrunken wie ein Russe, wählerisch wie ein Franzose, unorganisiert wie ein Grieche, und so weiter. Nach ein paar Tagen auf dem Schiff fragt man sich, ob man das alles nicht direkt genau so vor Augen hat. Eben nur deutschsprachig, und alles auf einmal.

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Jetzt höre ich einfach auf zu schreiben – sonst entsteht anstelle eines inzwischen schon viel zu langen Blogbeitrags ein dickes Buch. Stoff gäbe es noch unendlich viel. Aber es wird auch irgendwann einmal wieder eine Reise mit einer AIDA geben, von der ich berichten werde.

Die fast letzte Aussage lasse ich AIDA – da heißt es „AIDA sorgt für unvergessliche Momente“.

Ich füge noch dazu: Stimmt!

Bis zum nächsten Bericht beste Grüße

Bernhard Jans

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. annyschi sagt:

    Ohjemine! Das hört sich ja nicht sehr entspannt an. So möchte ich meinen Urlaub nicht verbringen. Erschreckend! Danke für die ehrlichen Worte. Ich war noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff, aber genau so hab ich mir das immer vorgestellt.
    Das einzige was das ganze wohl ein bisschen mildern kann, waren die schönen Erlebnisse die ihr außerhalb des Schiffes gemacht habt.

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    1. Hallo Anny,
      das mit der AIDAaura war schon ein wenig heftig – aber so ist Kreuzfahrt nicht immer. Wir haben auf Schiffen schon viele schöne Tage verbracht. Allerdings organisieren wir uns immer alles so, wie wir es brauchen – egal, ob man zu Zweit oder mit kleineren Gruppen unterwegs ist. Gerade bei den Ausflügen kommt es drauf an, dass man einigermaßen unternehmungslustig ist. Und dann wird das Schiff zum bequemen Hotel-Transportmittel, meist ganz in Ordnung, manchmal aber auch mit Macken (die man in Kauf nimmt, wenn man es vorher weiss – wie die Berichte einer folgenden Tour zeigen werden; aber bei der aura war das doch etwas unerwartet). Bis bald mal beste Grüße Bernd

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  2. Hartmut sagt:

    Warum erinnert mich dieser sehr gut geschriebene, mit anschaulichen Beispielen unterfütterte und von einem ausgewiesenen Kreuzfahrtexperten verfasste Erlebnisbericht zu fast 100% an unsere eigenen Erfahrungen während einer Mittelmeerkreuzfahrt mit einem Schiff dieser Reederei im Mai 2016?

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    1. Leider überhaupt kein Einzelfall, nicht nur die vier Buchstaben betreffend, bei denen keiner mehr an eine Oper denkt … Reisen hat etwas mit Qualität zu tun, und die Kreuzfahrt verkommt leider immer mehr zur billig-reißerischen Massenware. Zum Glück gibt es noch Ausnahmen – und oft arrangiert man sich einfach aufgrund der schönen Routen.

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  3. AIDAFAN_war_mal sagt:

    Ich bin seit 16 Jahren AIDA-Gast mit teilweise vierwöchigen Auftenthalten p.a. und könnte auch sehr viel über die AIDA-Urlaube schreiben.

    Ihr Bericht ist in großen Teilen korrekt, doch bei der musikalischen Beschallung und beim Showensemble muss ich widersprechen. AIDA war als Clubschiff konzipiert und sollte jüngere Gäste ansprechen, was auch in weiten Teilen gelungen ist. Bis AIDA erkannte, dass v.a. Senioren finanzkräftig sind und sich von ihrem Clubcharakter (wie z.B. Bordsprache Du) verabschiedete. Wenn einem dieser Clubgedanke nicht zusagt(e), ist bzw. war er auf schlicht und einfach auf dem falschen Schiff.

    Erst vor 6 Wochen war ich auf der AIDA BELLA und erneut von dem professionellen Showensemble begeistert.
    Das war mitunter einer der ausschlaggebenden Punkte, warum ich mich (inzwischen auch mit Kind und Kegel) fortwährend für eine AIDA-Reise entschieden habe.

    Die heute genannten „Gastgeber“ sagen mir ebensowenig zu wie das jährlich gesunkene Preis-/Leistungsverhältnis, inbesondere im kulinarischen Sektor (Meeresfrüchte, exotische Früchte seit Monaten Fehlanzeige) und das ständig auf Kommerz (riesige Schiffe, die an kleinen Häfen nicht mehr anlegen können, Theatrium mit ständig störendem Kommen und Gehen, um Verzehr der Drinks wird mehr als gebeten, extrem teure Ausflüge, die unter 39 € – auch für Kindergartenkids! – nicht zu haben sind) ausgelegte Prinzip.

    Anmaßend wie AIDA mit der – übrigens zweiten – Umstellung des Clubmodells mit langjährigen Gästen umgeht, obwohl gerade diese treuen Gäste die AIDA mitunter groß gemacht haben und ihnen viele neue Gäste beschert haben.

    Darum werde ich konsequent sein und mich ab sofort bei der Konkurrenz umsehen.

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    1. Da bin ich voll mit Ihnen einig, dass AIDA mit einem völlig anderen Ansatz, nämlich dem Clubgedanken, angetreten ist – und sich formal vor nicht allzulanger Zeit davon verabschiedet hat, und inzwischen mehr oder weniger auch konzeptionell. Übriggeblieben sind Schiffe, die noch für den Club gebaut worden sind, und viel Personal, das auch noch diesen Gedanken lebt. Uns so geht es mit dem nun doch massentouristisch und auch günstig ausgerichteten Produkt AIDA derzeit noch sehr in eine ambivalente Richtung.

      Animation und Show waren auf der aura tatsächlich unterirdisch – aber das weicht ja bekanntlich immer von Schiff zu Schiff ab. Auch im Vergleich mit MSC oder Costa, die ja hier nicht zu den wirklichen Verdächtigen auf herausragende Shows gehören oder auch zu TUI Cruises, NCL oder Royal Caribbean war das auf der AIDAaura Gebotene einfach mehr als daneben, oft plump und niveaulos.

      Leider wird die Kreuzfahrt immer mehr zum billigen Massenprodukt, außerhalb der Saison sogar oft weit günstiger als ein Urlaub in einem einfacheren Hotel. Gut wäre es, wenn sich Kreuzfahrtgesellschaften wieder mehr auf das besinnen würden, was Kreuzfahrt einmal war: Nicht die großartige Bespaßung wie im Freizeit-Erlebnispark, sondern die Möglichkeit, Land und Leute zu erfahren und entdecken. Mit kleineren Schiffen, auf schönen Routen.

      Ich finde es auch bedauerlich, dass sich AIDA vom Clubkonzept verabschiedet hat. Nicht, weil ich das besonders „liebe“ – aber es kommt darauf an, die Vielfalt erlebbar zu machen, unterschiedliche Interessen aufzunehmen, andere Urlaubsgewohnheiten anzusprechen. Und da wäre dieses Club-Konzept eine Alternative zu all dem, was in Masse derzeit angeboten wird. Genau so wichtig ist es aus meiner Sicht, dass sich wieder stärker routenbezogene Anbieter etablieren, die abseits der Industriehäfen dort anlegen, wo Menschen leben, wo es etwas zu sehen gibt außer Container.

      Leider gibt es da nicht all zu viele Anbieter. Diejenigen, die für ein solches Angebot stehen, sind doch meist mit sehr ältlichen Schiffen unterwegs, die man oft kaum mehr jemandem zumuten möchte, auch nicht den Orten, an denen diese Schiffe anlegen. Ausnahme natürlich Hapag Lloyd – aber das muss auch erst mal bezahlt werden können.

      Da gibt es nur die FHoffnung: Lange und laut Bedarf anmelden, vielleicht tut sich doch mal etwas.

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  4. Ihr Reisebericht ist der erste über ein Schiff der AIDA, den ich gelesen hatte, bei dem das Urteil über die verschiedensten Aspekte durchaus negativ war. Selber bin ich zwar noch nie mit AIDA gefahren, aber gerade der „Clubgedanke“ war mir immer schon sehr fern und damit ein großer Punkt eine andere Reederei zu wählen.

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    1. An AIDA scheiden sich so ein wenig die „Geister“ – bei vielen, die noch am „alten“ Club-Konzept hängen, wird AIDA oft wie ein Glaubensbekenntnis „gebetet“, obwohl AIDA längst zum allgemeinen Massenanbieter geworden ist. Alternativen gibt es viele. Wir kommen gerade von einer begeisternden Tour mit „Mein Schiff 3“ zurück, Reiseberichte folgen – und diese Schiffe könnte man gut als hervorragend optimiertes AIDA-Konzept ansehen (wurden auch so konzipiert), ebenso wie die NCL-Schiffe. Da geht es auch um ein Massenprodukt, aber qualitativ auf hohem Niveau, und trotzdem bezahlbar.

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  5. ein Kreuzfahrer sagt:

    Wow… geschafft! Hab mich tapfer zur Ordnung gerufen und alles gelesen. Ist ja nun alles in allem für eine kurze Lektüre vor dem Schlafen gehen nur minder geeignet. Mein Problem…
    Da hat sich aber mal einer so richtig den Frust von der Seele geschrieben. Vermutlich war der „ausgewiesene Experte“ nebst Gattin ja nicht zum erstenmal auf einer Aida. Dann überrascht es schon, dass es überrascht. Gibt eben keine vergleichbaren Schiffe auf denen ich so billig kreuzfahren kann. Zahlst nix (im Vergleich), kriegst nix. Das wäre auf der Europa nicht passiert. Wobei der Motorenlärm auf der Europa leider auch nicht ohne ist….
    War übrigens auf der exakt gleichen Tour wie der Verfasser. Ist halt immer auch eine Frage des Anspruchs… unsere Balkonkabine war schön. Wir haben die Tour genossen und verhungert sind wir auch nicht. Das Personal, dass wir um uns hatten war sehr nett und zuvorkommend. Mr. Entertainer hat uns auch nicht gefallen… aber auch der Vertrag läuft ja mal ab.

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    1. Hallo und danke für die Rückmeldung – war selbst überrascht, wie lang der Text doch war, als er stand. Aber super – da hat jemand komplett gelesen! Danke!
      Wir haben schon ganz viele Kreuzfahrten hinter uns, privat und beruflich. Eher günstig, mal etwas mehr, mal weniger. Hochpreis-Niveau muss nicht sein. Die Route ist entscheidend, das Schiff eher Transportmittel zu schönen und interessanten Zielen, wenn möglich, einigermaßen komfortabel.
      Gut, wir hatten eine Außenkabine, Balkon keiner mehr da gewesen, ist halt ein kleines Schiff.
      Die Route war super, hätte schöner nicht sein können. Sieht man ja auch an unseren Reiseberichten, die ziemlich vor Begeisterung strotzen. Essen na ja – man musste nicht verhungern, und die Auswahl war dann immer da, wenn man sich an gewisse Aida-Gepflogenheiten hielt.
      Was mich immer stört ist der mit Hochglanz verkündete Anspruch von Anbietern, der nur bedingt oder wenig eingelöst wird. Lieber ehrlich sein, dann passen die Bausteine zusammen …
      Freue mich auf die nächste Rückmeldung, und vielleicht sieht man sich ja mal auf einer Reise!
      Bernd Jans

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