Athos – die Republik der Mönche

Mittelmeer-Entdeckungen – Reisebericht 7

In Griechenland unterwegs? Ja und nein. Seit mehr als 1000 Jahren gibt es auf Athos, einer Halbinsel mit dem gleichnamigen Berg, an Griechenland angrenzend, die autonome Theokratische Mönchsrepublik Athos – völkerrechtlich zu Griechenland gehörend, staatsrechtlich ein autonomer, eigenständiger Staat, steuerrechtlich auch nicht Gebiet der EU. Alles sehr ungewöhnlich, mit Regelungen, die man in Europa kaum noch vermutet hätte.

Auf Athos leben ausschließlich Männer. Oder es sind, noch präziser formuliert, nur männliche Wesen formal zugelassen, auch bei den Nutztieren. Außer Hühner, denn Hühnereier werden für die Anmischung der traditionellen Farben für die Ikonenmalerei und Abschriften heiliger Schriften benötigt. Schiffe, die Frauen an Bord haben, dürfen an der Halbinsel nur mit einem Abstand von mindestens 500 Metern vorbeifahren. Die Mönchsrepublik ist völlig abgeschottet; es gibt strengste Zutrittsregelungen – Personalausweis oder Reisepass reichen nicht aus. Normalerweise werden nur Pilger orthodoxer Glaubensrichtungen zugelassen, und ansonsten pro Tag nur 12 handverlesene weitere Gäste. Erforderlich ist ein sogenanntes Diamonitirion, eine Art Visum, das nach schriftlichem Antrag ausgestellt wird; man stellt einen Antrag, und mit dem erhaltenen Bestätigungsschreiben und nach Zahlung der Gebühren kann man persönlich am Grenzort nach Athos, in Ouranopoli, dieses Diamonitirion abholen.

Orthodoxe Mönche haben ein Staatsgebilde mit sehr eigenwilligen Regelungen geschaffen, das seit vielen Jahrhunderten in dieser Form existiert. Gelebt wird in Klöstern, die meisten bereits gegründet schon im 10. Jahrhundert, in kleinen Orten oder Einsiedeleien. Die wichtigsten zwanzig Klöster sind autonom; 17 davon sind griechisch-orthodox, eines serbisch, eines bulgarisch und eines russisch. Die Äbte dieser Klöster werden auf Lebenszeit gewählt. Politisch stellen diese Äbte gemeinsam eine religiös-staatliche Regierung mit Sitz in Karyes, dem Hauptort. Das Parlament, die Hierá Koinótis (= Heilige Zusammenkunft) wählt jährlich einen Prótos (= Regierenden). Auf Athos gibt es alle Leistungen eines Staatswesens, es gibt Polizei, Feuerwehr, es gibt Gartenbau, Straßenbau, Holzwirtschaft, ebenso kleine Tavernen, Shops, Cafés – aber alles nur für Männer. Auf Athos leben eben Männer, nicht nur Mönche.

Die Zahl der Mönche wird auf 2000 geschätzt, aber so genau weiß das wahrscheinlich keiner, da es neben den ständig hier lebenden Mönchen immer mehr oder weniger lang anwesende Gäste gibt. Und für diese Männergesellschaft heißt es: „Nachwuchs“ gibt es nur über Zuwanderung von Mönchen oder Arbeitern. Auf Athos wird nur gestorben, nicht geboren.

Athos also unser nächstes Ziel. Unser Kreuzfahrtschiff steuert auf die Halbinsel Athos zu, weit sichtbar der Berg Athos, knapp über 2000 Meter hoch. Mit unserem Schiff umrunden wir im vorgeschriebenen Abstand Athos – es sind ja Frauen an Bord. Am Ufer und an den Berghängen sehen wir viele der Klöster, zum Teil ausgebaut wie Festungen; wie es heißt, mussten sich die Mönche durch die Jahrhunderte gegen verschiedenste Angriffe wehren. Neben großen Klosteranlagen, zum Teil mit Türmen ähnlich unserer Kirchen, noch mehr mit Kuppeln und Zwiebeltürmen wie in Osteuropa, sieht man in den Hängen immer wieder kleine Klosteranlagen, eher wie Bauernhöfe, kleine Berghäuser, manche sogar wie Bergvillen. Immer wieder auch hängen in den steilsten Berghängen auf Absätzen oder wie an die Steilwand geklebt kleine Behausungen, Eremitagen.

Nach einer Sight-Seeing-Fahrt für alle entlang der Küste von Athos geht unser Schiff auf Reede. Mit Sondergenehmigung können wir mit einer etwas größeren Gruppe an Land, natürlich ohne Frauen. An Bord haben wir den griechischen Reeder, dem das Schiff gehört, mit dem wir unterwegs sind, und der hat auf welchem Wege auch immer für die Sondergenehmigung gesorgt. Mit Tender geht es an Land, nicht gestartet von unserem Schiff aus, das natürlich in gehörendem Abstand vor der Küste bleiben musste. Nein – der Tender kam von Athos; irgendwie muss ja sichergestellt werden, dass keine Frauen im Tenderboot versteckt die Halbinsel entern.

Ich selbst war noch für eine Zusatz-Sonderregelung gut – denn ich hatte den Zeitpunkt der Anmeldung verpasst, und die Namen all derer, die nach Athos gehen wollten, mussten 48 Stunden vorher dorthin gemeldet werden, zwecks polizeilicher Überprüfung. So stand ich am Tenderboot und ärgerte mich – nicht dabei. Über die Schiffsorganisation an Bord nichts zu machen. Aber unser Reeder … Hand schütteln, ein paar Sätze wechseln, freundlich schauen, und schon war alles klar – er meinte, er würde schon dafür sorgen, dass es klappt …

Es geht los. Wir fahren mit unserem Boot Richtung Athos und gehen dabei nicht nur auf Strecke, sondern auch auf Zeitreise. Unser „Schiffchen“ ist nämlich auch so etwas wie eine Zeitmaschine. Wir starten vom Kreuzfahrtschiff aus am 20. September und kommen am 7. September auf Athos an. Der Grund? So groß ist inzwischen die Zeitdifferenz zwischen „unserem“ gregorianischen und dem julianischen Kalender, der auf Athos noch gilt. Auch die Uhrzeit verschiebt sich merklich; der Tag beginnt zum Sonnenuntergang, zumindest meistens – in einem der Klöster aber bei Sonnenaufgang. Die Autonomie der Klöster macht auch vor der Uhrzeit nicht halt.

Soweit der erste Bericht über Athos – im folgenden Bericht geht es weiter mit dem Besuch der ersten beeindruckenden Klosteranlage, Xenofontos.

Bis demnächst beste Grüße
Bernd Jans

 

Bei Interesse an einer Kreuzfahrt bitte anrufen – Telefon 02641-205071 – oder eine Email schicken,  jans@ft-kreuzfahrten.de.

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