Khasab – Bergwelten des Oman

Kontraste: Dubai, Oman, Indien – Reisebericht 3

Früh am Morgen kommen wir bei strömendem Regen im Norden des Omans an, auf der Halbinsel Musandam. Diese Gegend wird gerne auch die Fjordlandschaft bezeichnet; die Berge des Hajar-Gebirges fallen steil ab ins Meer. Die kleine Hauptstadt der Region, Kashab, in der wir anlegen, war tatsächlich bis vor wenigen Jahren noch nur auf dem Seeweg erreichbar.

Ein Natur-Schauspiel erwartet uns. Mit viel Sonne würde in dieser Region jeder rechnen; aber niemals hätten wir vermutet, dass es hier so stark regnen kann. Vom Schiff aus sehen wir, wie kleine Wasserfälle die steilen Berghänge herunterstürzen. Die Uferstraße ist so überschwemmt, dass schneller fahrende Autos meterhohe Wasserfontänen verursachen; andere Autos fahren so unsicher wie bei uns, wenn der erste Schnee auf den Straßen liegt.

Unsere Anlegestelle steht teilweise unter Wasser; zum Teil fast kniehohe Wasserpfützen zieren das unebene Gelände. Es wird gar ein Steg gelegt, wie bei Hochwasser … Beeindrucken lassen wir uns davon nicht. Wir sind heute sechs Personen und abenteuerlustig. Am Hafengebäude ein netter kleiner Inder, der uns nach unseren Wünschen befragt. Wir wollen in die Berge fahren. Er stellt uns einen großen stattlichen Omani vor, der einen Allradjeep für sechs Personen sein eigen nennt. Vier Stunden durch die Berge, für 180 Euro. Kein wirkliches Schnäppchen, aber doch günstig – ähnliche Ausflüge vom Schiff aus organisiert hätten für alle zusammen weit mehr gekostet. Der Handel ist gemacht, und im Laufe der Zeit stellen wir fest, dass wir einen „guten Fang“ gemacht haben.

Unser Fahrer spricht sehr gut englisch und so können wir viele Fragen zu Land und Leuten beantwortet bekommen. Es geht auf einer Alphaltstraße durch kleine Orte, vorbei an Gehöften, Läden und den typischen Einzelhäusern mit großer Mauer drumherum. Unser Fahrer meint, dass das mit der Straße bald enden würde, die sei neu und erst vor etwa vier Jahren entstanden – zuvor sei man hier auf einer Schotterstraße im Flussbett gefahren.

Wie sich im Gespräch herausstellt, ist das Tal, durch das wir fahren und an dessen Ende Khasab liegt, tatsächlich ein Flusstal. In der Regenzeit in den ersten Monaten des Jahres kommt anscheinend tatsächlich so viel Wasser aus den Bergen an, dass sich ein solches Tal bildet. Das Wasser wird im Tal immer wieder mit kleinen Staudämmen, nur wenige Meter hoch, aufgestaut. Ein solcher kleiner Stausee, an dem wir vorbei kommen, war aktuell komplett trocken – unser Omani meint, sie hätten schon lange auf Regen gewartet, im Januar habe es gar nicht geregnet.

In der Ferne imposante Berge, denen wir immer näher kommen. Dann eine Kurve nach rechts und wir befinden uns in Flussbett auf eine holprigen Schotterstraße, die sich kaum vom riesig breiten Flussbett unterscheiden lässt. Die nächsten Stunden kommen wir aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Man weiß nicht ob man sich zuerst wunder soll, dass es Autos und Fahrer gibt, die solche Straßen bezwingen oder ob man immer wieder den Kopf schüttelt ober der riesigen, völlig unterschiedlichen Gesteinsmassen, die einen umgeben. Immer wieder neue Kurven, Ein- und Ausblicke, ausgetrocknete Flusstäler, aufgetürmte Riesensteinbrocken, bröckelnde Steinplattenplateaus, riesige Geröllfelder, in den Berg gemalte Bilde aus verschieden farbigen Gesteinsschichten.

Dazwischen kleine Häuser, Ziegen, ab und zu ein Baum und zwischendurch neue rot-weiße Strommasten, die den Strom bis in die entlegensten Höhen bringen. Weit verstreut liegen überall in den Bergen kleine Farmen. Selbst wenn ein Ortsschild kommt, muss man eher suchen, bis man die weit verstreuten Häuser entdeckt. Überall bei den Häusern sieht man Ziegen. Unser Fahrer erzählt, dass es hier in der Region keine Kamele gäbe, sondern vor allem Ziegen, Schafe, Kühe und Esel. Vor allem Ziegen würde es in jeder Familie geben – er selbst habe 14, die mit den anderen der Familie im Stall bzw. auf den Felsen unterwegs wären. Womit wir bei unserer kleinen Unterhaltung beim Familienthema angekommen waren.

So etwas wie die Kleinfamilie bei uns mit Eltern und Kindern ist für einen Omani etwas, was er kaum verstehen kann. Familie – das sind alle, die verwandtschaftlich dazu gehören, ob in direkter Generationenfolge mit Oma und Opa, Mutter und Vater, Kinder oder auch Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen und so weiter. Einfach alle. Und diese wohnen auch zusammen, auf einem Gehöft. An einem Gebäudekomplex zeigt er uns, in welchem Gebäude wer wohnen könnte – man sieht es den Häusern anscheinend irgendwie an.

Mit unserem Fahrzeug sind wie mittlerweile auf etwa 1500 Metern Höhe angekommen. Er erzählt uns, dass die Temperaturen in dieser Höhe von Januar bis Juli gut wären. In den kleinen Landwirtschaften könnte allerhand angebaut werden. Danach würden die Temperaturen oft bis fast auf 50 Grad steigen, und die Bewohner würden dann nach unten ins Tal umziehen. Wir staunen.

Überall rundherum eine Gesteins- und Geröllwüste. Und immer mal wieder ein Bauernhof, bei dem man einen Gemüsegarten, einige Bäume, zum Teil gar Dattelpalmen sieht. Andere Bäume sehen eher struppig aus. An einer Stelle, von der es eine gute Aussicht auf einen der Höfe gab, hält er kurz an und zeigt uns inmitten der Gesteinswüste ein frisch-grünes Feld – da sprießt gerade der Weizen (bei fehlendem Wortschatz beiderseits helfen wir uns mit Umschreibungen – hier erklärt er einfach, dass da etwas wächst, aus dem Brot gebacken wird).

An der Strecke zeigt er uns zwei unterschiedliche Bäume – der arabische Namen, den er nannte, ist natürlich längst vergessen. Der eine Baum sei gut für die Ziegen und für Feuerholz, und der andere würde kleine Früchte tragen, die man essen könne. Später hält er kurz an und holt ein paar dieser Früchte; grün, ein Aussehen wie zu klein geratene Kirschen, großer Stein, wenig Frucht, Geschmack wie grün geerntetes Obst.

Hoch oben auf dem Berg geht es über eine Kuppe, und wir stehen vor einer Aussicht wie in einem norwegischen Fjord – Khor Sham, 16 Kilometer weit ins Landesinnerer hinein, umgrenzt von bis zu 900 Metern, steil aufsteigenden Felsmassiven. Vor uns ein riesiger Meeresarm, eingeschlossen von hohen Bergen. Unten am Ufer eine kleine Bucht mit Booten. Etwas entfernter am Ufer ein kleiner Ort. Unser Omani erzählt uns, dass dieser Ort keine Straßenverbindung habe, sondern nur mit diesen Bootchen erreichbar sei. Kinder, die zur Schule müssen, oder Erwachsene, die zur Arbeit gehen müssten mit dem Boot übersetzen und dann tatsächlich die „wilde“ Bergstraße, die wir gekommen sind, nach Khasab hinunterfahren.

Wie man merkt – wir haben uns gut unterhalten. Beim Thema Arbeit merkt er an, dass die Arbeitszeiten doch sehr unterschiedlich seien. Bei den Behörden würde man von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags arbeiten. Die anderen hätten normalerweise eine Arbeitszeit von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends.

Auf Rückfrage, wie das mit der Schule sei, meint er, dass es eine Vorschule gäbe, Altersgruppe bis 6 Jahre, für Jungen und Mädchen gemeinsam. Dann wäre der Unterricht getrennt. Vier Jahre Primary School sei Pflicht für alle; die Secondary School würde bis zum zwölften Lebensjahr gehen, und würde normalerweise auch besucht. Danach käme das College, aber dafür müsse man in die Großstadt gehen, zum Beispiel nach Muscat. Khasab sei ja nur eine Kleinstadt mit etwa 4000 Einwohnern.

Nebenbei – er hatte sich noch nie Gedanken gemacht über die Größe eines Kreuzfahrtschiffes. Als ich ihm erzählte, dass unser Schiff, Passagiere und Crew zusammen, etwa 3500 Personen fasse, merkte er staunend an, dass da ja in etwa so groß wie Khasab sei. Schnell zückte er sein Mobiltelefon, zeigte mir die Schiffsankünfte der nächsten Wochen und fragte ab, wie groß denn diese Schiffe seien.

So weit der erste Teil unseres Berichtes aus Kashab – die Fortsetzung folgt.

Beste Grüße
Lydia Häufele und Bernd Jans

 

Unser besonderer Reisetipp:

Wer die ursprüngliche Natur und die Abgeschiedenheit dieser Landschaft (noch) erleben möchte, sollte sich bald auf eine Kreuzfahrt begeben, die Khasab anläuft. Heute noch geht es durch kleine Dörfer und über Schotterstraßen – aber die Entwicklungsprogramme für die Region haben zu ersten gut ausgebauten geteerten Straßen, einigen befestigten Bergstrecken und auch modernen Supermärkten geführt.

Eine schöne Route wird von einem kleineren Anbieter geboten, von Celestyal Cruises, mit der Celestyal Crystal – mit Abu Dhabi, Dubai, Sir Bani Yas Island, Doha, Muscat und auch Khasab. Verschiedene Termine, Preis inklusive Flüge ab 1.200 Euro pro Person.

Gerne bieten wir nähere Informationen. Telefon 02641-205071 oder eine Email schicken auf jans@ft-kreuzfahrten.de.

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