Mumbai – indische Bürokratie und erste Eindrücke

Kontraste: Dubai, Oman, Indien – Reisebericht 4

„Incredible India“ – dieser Schriftzug begrüßt uns am Terminal.

Ja, irgendwie schon ein wenig unglaublich, das ziemlich demolierte Terminal mit einer sicher schon vor langer Zeit stehengebliebenen Uhr, dahinter die ganzen Militärschiffe einschließlich eines Flugzeugträgers. Wer an so etwas Interesse hat, kann mit dem Tele selbst kleinste Details fotografieren.

Die Luft dick, es riecht nach Abgasen. Nicht ganz so heiß ist es wie befürchtet, aber in Verbindung mit der hohen Luftfeuchtigkeit doch noch recht gewöhnungsbedürftig. Angekommen in Mumbai – nach langen Prozeduren, die eine Einreise erst erlauben.

Schon die Beantragung für das Visum für Indien, mehrere Wochen vor der Reise, eine besondere „Spezialität“ – besonderes das Foto, erstellt nach einer dreiseitigen Vorschrift, quadratisch 5,1 x5,1 cm, dazu ein langer Fragebogen mit allem, was man sich an Fragen so einfallen lassen kann, bis hin zum Namen des Großvaters.

Wer dann das Visum im Reisepass kleben hat und glaubte, das wäre es gewesen, hatte sich getäuscht. Auf dem Schiff dann für jeden Hafen in Indien, der angelaufen wird, erneute Formalitäten. Für Mumbai eine Passkopie, ein Einreiseformular und eine Art Tagesvisum – alles auszufüllen entsprechend der Passdaten zwei Tage vor Ankunft in der Kabine. Dann am Mumbai-Tag antreten im Theater – zunächst Kontrolle der Unterlagen von TUI Cruises Mitarbeitern, wir erhalten auch unseren Reisepass wieder, der vorher einbehalten worden war. Dann oben auf der Bühne eine Reihe uniformierter Inder – Passkontrolle, Gesichtskontrolle, Stempel auf die Unterlagen. Pass bei Mitarbeitern von TUI Cruises wieder abgeben.

Ab zum Schiffsausgang. Bordkarten kontrolliert, ein Stück des Weges weiter den visum-ähnlichen Zettel abgegeben, am Ausgang die Einreisekarte kontrolliert. Wir sind draußen. Auf dem Schiff bekamen wir überdies die Info, dass das Schiff nur dann wieder in Mumbai ablegen und weiterfahren dürfe, wenn alle diese Eintrittskarten nach Rückkehr an Bord wieder abgegeben seien. Unglaubliches Indien – da wurde anscheinend englischer Bürokratismus auf indische Weise perfektioniert, verbunden mit deutscher Gründlichkeit, wo immer die hier herkommen mag.

Aber nun doch noch ein wenig über Indien. Ich (Bernd) gehe vor der Gruppe an Bord – wir sind 10 Personen, und ich möchte mich nach einem Fahrzeug für uns umsehen. Irgendwie wollte ich den ganzen Formalablauf nicht wahrnehmen. Zu Fuß heraus aus dem Schiff. Ein freundlich winkender indischer Offizier. Fahrzeug organisiert. Zurück aufs Schiff zur Gruppe. Es wird nur ein kurzer Blick auf meinen noch stempellosen Zettel geworfen, alles kein Problem. Info an die Gruppe: Einfach rausgehen. Dann der indische Offizier, und alle wieder zurück, Stempel einholen. Mal so, mal so. Unglaubliches Indien …

Wir sind draußen und stehen vor dem Terminal. Der Kleinbus, der uns zugesagt war, natürlich noch nicht da. Nach einiger Wartezeit kommt derjenige, der die Busse organisiert, mit Motorradhelm unterm Arm an. Winterzeit in Mumbai. Wir schwitzen, er trägt einen Pullover, und schwitzt auch. In nur wenig indisch eingefärbtem Englisch erklärt er mir, dass das mit dem Bus nicht klappen würde, er habe nur zwei Pkw’s geordert, dazu zwei Guides – ich bekomme mit, dass das alles etwas sehr eng für uns wird, und nach einigem hin und her kommt ein dritter Pkw dazu. Diese Autos bräuchten noch etwas Zeit, seien aber auf Strecke, ginge aber alles sehr schnell.

Wir warten vor dem Terminal, im Schatten sitzend. Ich (Lydia) beobachte eine Frau, die vor uns den Steinboden fegt – ein eher hoffnungsloses Unterfangen angesichts all dessen, was hier so herum liegt. Sie hat einen kurzen Besen, selbstgemacht aus Naturfasern. Da der Stil so kurz ist, muss sie 90 Grad nach vorne gebeugt fegen, was ihr anscheinend keine Schwierigkeit macht. Während ich noch überlege ob man davon nicht krumm und buckelig wird stellt sie sich aufrecht und ich bewundere ihre excellente Haltung. Und dann kommt noch etwas typisch, was uns noch einige Male als typisch für Indien begegnen wird: Alles was sie weggefegt hat (und das war nicht wenig), wird am Ende des zum Terminal gehörenden Bereichs einfach dem „Nachbarn“ untergeschoben.

Dann geht es richtig indisch weiter. Mit dem Hafenbus geht es zum Ausgang des Hafengebäudes. Keiner wundert sich mehr, dass hier nochmals die Papiere kontrolliert werden. Vor dem Hafen ein größerer Platz, hier könnten unsere Fahrzeuge eigentlich warten. Aber wir wandern los, durch mehrere Straßenzüge bis zu einer Kreuzung, die uns voll die Verkehrsverhältnisse in Mumbai demonstriert. Viele Autos, lautes Gehupe, zwar Ampeln, aber gefahren wird einfach irgendwie. Hier stehen wir und warten – ich glaube, unser indischer Organisator musste einfach ein wenig Zeit gewinnen, bis er die Autos herbekommt.

Ein junger Mann kommt und wird uns als erster Guide vorgestellt, ein zweiter kommt hinzu. Endlich taucht das erste Auto auf. Die weiteren folgen. Es geht los, für unser Zeitgefühl viel zu spät – für indische Verhältnisse wahrscheinlich rasant organisiert. Einer der beiden Guides erzählt uns übrigens später, dass er nicht eingeplant und Zuhause gewesen sei. Er wäre mit dem Regionalzug von Zuhause gekommen, Fahrtzeit eine Stunde, die Fußstrecken hätte er rennend überwunden. Jetzt weiß man auch in etwa die Zeit, die unser indische Organisator mit verschiedensten Techniken überbrückt hat …

Jetzt geht es wirklich los, hinein in das Straßengetümmel von Mumbai. Die Straßen voll, neben dem Motor das meistgenutzte Bauteil am Auto die Hupe, zwischen den Auto Mopeds und Motorroller, und immer wieder Fußgänger, die sich kreuz und quer durch die Autos schlängeln. Die Straße entlang überall kleine Läden, ob mit Lebensmitteln oder mit verschiedensten Bedarfsgegenständen. Töpfe, Stoffe, Schuhe, Taschen, Hemden, Autoteile … Unglaublich viele Menschen unterwegs, auffallend viele Muslime. Aber es ist ja Freitag. Unser Guide meint, dass in Mumbai und in den Vororten etwa 19 Mio. Menschen wohnen würden, aber so genau wisse das keiner. Geschätzt werde, dass 70 % Hindus seien, 13 % Muslims und 5 % Christen.

Überhaupt zeigt sich hier ein unglaublicher Mix an Menschen, schon allein dokumentiert durch die unterschiedliche Kleidung. Viele Frauen aller Altersgruppen, so gekleidet, wie man sich indische Frauen vorstellt – ob eher reich mit prächtigen Stoffen und geschminkt wie auf Festveranstaltung, oft mit dem roten Punkt auf der Stirn. Männer in traditioneller indischer Kleidung, mit knielangem Hemd – aber Männer tragen anscheinend eher „westlich“. Dann diese mehr westliche Kleidung in allen Ausprägungen, von modisch schick bis einfach alltäglich, von modern bis eher traditionell. Muslimische Frauen, wahrscheinlich unterschiedlichen Religionsgruppen angehörend, in vielfältigen Stilen, voll oder teilweise verschleiert, mit schwarzen, weißen oder indisch-bunten Kopfbedeckungen; die meisten der Frauen am heutigen Freitag in Sonntagskleidung, viele davon, vor allem jüngere, so, dass sie einem Modemagazin für muslimische Kleidung entsprungen sein könnten. Einige muslimische Frauen tragen bunte Röcke mit Pellerinenblusen mit angenähter Kopfverschleierung.

An der Straße sehen wir viele der sogenannten „Suppenküchen“. Es wird gekocht und gebraten. Eines der Lieblingsgetränke scheint Zuckerrohrsaft zu sein, ansonsten wären die vielen kleinen Stände, an denen ganz wie in der Karibik frischer Zuckerrohrsaft gepresst wird, nicht zu erklären.

Wir fahren in Richtung Sasoon Dock, dem Fischmarkt, von dem wie im nächsten Reisebericht erzählen.

Beste Grüße
Lydia Häufele und Bernd Jans

 

Unser besonderer Reisetipp:

Wer die Emirate entdecken möchte, ob modernes Dubai oder traditioneller Oman, dann eintauchen will in eine ganz andere Welt, in Indien Mumbai entdecken, dann über Sri Lanka nach Thailand, Malaysia, Kuala Lumpur und Singapur, dazwischen viel Erholungstage – der sollte die Fahrt von „Mein Schiff“ von Dubai nach Singapur nutzen. 17 Nächte vom 5.11. bis 22.11.2017, derzeit inklusive Flüge ab 2.465 Euro zu haben. Wer Lust und Zeit hat, verlängert noch vorher oder nachher.

Gerne bieten wir nähere Informationen. Telefon 02641-205071 oder eine Email schicken auf jans@ft-kreuzfahrten.de.

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