Mumbai – Sasoon Dock, der Fischmarkt

Kontraste: Dubai, Oman, Indien – Reisebericht 6

Weiter unterwegs in Mumbai. Unser Weg führt in Richtung Sasoon Dock, dem lokalen Fischmarkt. Hier wird von etwa 3400 traditionellen Fischerbooten täglich Fisch angelandet; weitere 1000 seien auf See, meist für eine Woche, meint Aysin, unser Guide, der uns durch die Stadt führt.

Hier am Sasoon Dock und der zugehörenden kleinen Siedlung lebt eine Gruppe von etwa 10.000 Menschen, alles Fischer, alle in der Religionsgemeinschaft mit Namen Khodi, einer Religion, die es nur hier für das Sasoon Dock und sonst nirgendwo gibt. Versorgt wird von hier aus so gut wie ganz Mumbai mit Fischen, wie unser Guide erklärt, ob Hotels, Krankenhäuser oder Privathaushalte.

Wieder kommt eines meiner Lieblingswörter in diesem Bericht: unglaublich. Schon im Zufahrtsbereich alles eng und ziemlich chaotisch. Unser Guide weist darauf hin, dass es hier verboten sei, Fotos zu machen – das Gelände läge direkt am Militärhafen, und es gebe Wachtposten, die aufpassen würden, offensichtlich und versteckt. Fotoapparate würden, wenn es auffällt, abgenommen oder Speicherkarten gelöscht. Merkwürdig, das alles. Weit und breit nichts militärisches zu sehen, was sich abzulichten gelohnt hätte – etwas früher am Morgen hätten wir mit Tele fast das ganze Militärgebiet und die hier stationierte Seeflotte aufnehmen können. Vorsichtig nehme ich den Fotoapparat, und mache ganz schnell, wenn ich mich unbeobachtet fühle, doch die eine oder andere Aufnahme.

Es geht hinein ins Sasoon Dock Gebiet. Links und rechts der Straße auf dem Boden viele Frauen, die Shrimps pulen, dazwischen Männer mit Tragekörben, die Nachschub bringen. Entlang der Straße zum Abtransport bereitgestellt Tragecontainer mit fertig ausgepellten Shrimps. Dann links des Fahrwegs schon ein Hafenbereich mit großen bunten Holzbooten, an denen gearbeitet wird, und auf der anderen Seite kleine Schuppen und Werkstätten, dazwischen Lagerstätten. Offensichtlich kein Schrottplatz, sondern die Stelle, an denen die Schiffe repariert und für den nächsten Einsatz vorbereitet werden – allgegenwärtig das schwarze Öl, ob an den Körpern der arbeitenden Männern, an den verschmierten Geräten oder als Ölpfützen auf dem Boden. An einer Tankstelle, die ihresgleichen sucht, vermutet man aufgrund der Rostlöcher und geflickten Schläuche weit mehr Öl im Erdreich als in den Tanks, die befüllt werden wollen.

Überall schwarze Fässer – die Ölfässer. Später sehen wir einige bunt bemalte Fässer – das sind diejenigen für Wasser.

Weiter geht es mit unseren Fahrzeugen in dieses Gebiet hinein.

Überall für unser Verständnis wildes Gewusel von Menschen, die irgendetwas arbeiten – hier alles nur Männer. Aber anscheinend alles doch auf etwas eigene Weise wohl organisiert. Fische werden angelandet und auf dem Schiff oder direkt beim Schiff nach Qualitäten sortiert; niedrigste Qualität sind diejenigen, die irgendwie beim Transport gequetscht oder beschädigt wurden. Mit Schwung werden Schüsseln oder Körbe voller Fische von den tiefer im Hafenbecken liegenden Schiffen ein paar Meter hinauf zur Weitersortierung oder zum Abtransport befördert. Kreuz und quer liegen die Schiffe, und doch weiß ein jeder, wo etwas hinkommen soll und wie es zuzuordnen ist. Wohlgeordnetes Chaos.

An einigen Fischerbooten wird nicht nur sortiert, sondern auch filetiert und der Fisch zum Trocknen aufgehängt. Sieht ein wenig aus wie aufgehängte helle Socken, wenn sich der Fisch in der heißen Sonne kringelt. An uns vorbei wird eine Karre voll mit schwarz-tintigem großen Calamari geschoben – eine hiesige Spezialität, wie wir hören, der Mumbai-Calamar.

Eis, um alles zu kühlen, wird in großen Blöcken in kleinen bunten Lastwagen herangefahren. Abgeladen und in eine Crasher geworfen kommt alles klein gehackt wieder raus, fertig zum weiter verteilen in den Docks, natürlich per Handkarren. Aber auch die Luken in den Schiffen, die hinausfahren, werden mit Crasheis gefüllt. Hierzu werden dünne Baumwolltücher von den Crashstationen zu den Luken gespannt, auf denen das Eis dann direkt in die entsprechenden Luken „rutscht“.

Ein wenig weg von den Schiffen ein paar Männer, die Netze reparieren, und hinter einer kleinen Halle dann Netze aufgespannt wie auf einem Feld – hier werden Fischernetze repariert und produziert. Auf unserem Rundgang hören wir, dass alles in Sasoon Dock sehr arbeitsteilig organisiert ist, gundlegend unterschieden nach Frauen und Männern. Bei den Männern gibt es eine Gruppe, die auf Fischfang geht, Fische entlädt und sortiert. Eine Gruppe ist zuständig für die Organisation der Verteilung. Eine Gruppe Männer ist für die Netze zuständig. Eine weitere Gruppe sorgt „natürlich“ für Schiffe und Motoren. Bei den Frauen gibt es die große Gruppe derer, die Shrimps auspellen. Eine weitere Gruppe sorgt für die Verteilung der Fische in ganz Mumbai, trägt dafür die Fische in einem großen Korb auf dem Kopf.

Auf dem Weg aus dem Sasoon Dock heraus kommen wir an dem Bereich vorbei, wo die Fischerfamilien wohnen. Alles etwas ärmlich, aber zwischendrin immer die fröhlichen indischen Farben.

Unser nächstes Ziel: die Dabbawallas. Was da dahinter steckt, dazu mehr im nächsten Reisebericht.

Beste Grüße
Lydia Häufele und Bernd Jans

 

Unser besonderer Reisetipp:

Mumbai entdecken, bei einem Aufenthalt von frühmorgens 4 Uhr (also früh genug, um das Erwachen des Sasoon Docks mitzumachen) bis abends 21 Uhr (also spät genug für die abendlichen Suppenküchen in der Straße – zum anschauen, fotografieren, probieren), kann das kann man mit “Mein Schiff 3“, bei etwas längerfristiger Planung, im Herbst 2018 – auf der Transferreise von Dubai nach Singapur. Preis ab 2.708 Euro pro Person inklusive Flüge und der üblichen TUI Cruises-Leistungen ab 18.11., 17 Nächte. Wir finden die Reise so gut, dass wir Plätze für unsere Gäste auf dem Schiff jetzt schon reserviert haben!

Gebucht werden kann über uns. Gerne bieten wir nähere Informationen. Telefon 02641-205071 oder eine Email schicken auf jans@ft-kreuzfahrten.de.

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