Hanoi – Garküchen und Altstadt-Leben

Vietnam- und Kambodscha-Reise, Bericht 2

Angekommen in Hanoi. Unser Hotel liegt ideal, mitten in der Altstadt. Nach kurzer Pause machen wir uns auf den Weg, Hanoi erkunden, schließlich haben wir ja nur sehr wenig Zeit, ein paar Eindrücke zu sammeln. Unbestreitbar werden uns ein paar Themen in Hanoi dauerhaft begleiten, das zeigt sich schnell – Straßenküchen und Mopeds, dazu die charmanten, morbiden Gebäude aus der französischen Kolonialzeit.

Schon die ersten Schritte führen aus dem Staunen nicht mehr heraus – eigentlich eine Überforderung, was da alles rundherum passiert und beobachtet werden kann. Erstaunlich, wie sich die Menschen hier mit heiß-schwülem Klima, einfacheren Lebensverhältnissen, Relikten aus einer sehr konfliktbehafteten Vergangenheit und Restriktionen der Gegenwart arrangiert haben – und dabei eine Freundlichkeit ausstrahlen und eine Offenheit zeigen, die begeistern kann. Ob das kleine Gespräch an einer Straßenküche, ein paar Gesten bei der Obstverkäuferin oder beim Fotografieren, einfach ohne Anlass freundlich winkende Kinder, oder die Kontaktaufnahme zweier Studenten, die gerade bei Vorbereitungen zu einer Abschlussfeier waren, was zumindest die „Verkleidung“ signalisierte.

In den Straßen rund um unser Hotel scheint die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein. Französische Kolonialhäuser mit prächtigen Fassaden, Balkonen, Galerien, manchmal Dachterrassen – aber der „Zahn der Zeit“ hat bereits jahrzehntelang heftig daran geknabbert, der Putz bröckelt, einst kräftige Farben blättern ab und bringen bizarre Muster hervor, Ziergitter sind verrostet. Morbider Charme. Man steht davor und ist einfach begeistert. Und stellt sich doch die Frage nach der Lebensqualität hinter diesen Mauern, die eigentlich aber gegeben sein müsste, zumindest weist das bunte vielfältige Leben vor den Häusern und auf den Balkonen darauf hin. Steht eines der oft großen Fenster offen, sind wohnliche Zimmer zu entdecken. Sind Balkone nicht mit Grün überwuchert, sieht man Blumen und kleine Palmen, Tische und Stühle, mal einen Vogelbauer oder auch sonst eine Deko, und fast immer Wäsche.

Kaum ein Haus gibt es, in dem das Erdgeschoss nicht von irgendeinem Ladengeschäft belegt ist. Meist natürlich irgendwelche kleine Restaurants, die den Fußgängerweg gleich mitnutzen, Obst- und Gemüseläden, Reparaturwerkstätten, Küchenartikel, Geschenkartikel, Elektronik, Schneidereien, Kleidung, Möbel, Steinskulpturen für den Garten, Hausaltäre zum Selberbauen, Blumen und Gestecke, Süßwaren – einfach alles, was man sich so vorstellen kann. Die Suppenküchen entlang des Weges duften verführerisch nach frisch gekochten Enten- und Hühnersuppen, gebratenem Reis, süßlich-sauren Soßen und allerlei, was man aufgrund der Gewürzmischungen nicht sonderlich gut zuordnen kann.

Der Bürgersteig, so gut wie nicht begehbar. Wenn keine Geschäfte oder Suppenküchen den Gehweg versperren, dann sind es die Mopeds, die dort – eng an eng – geparkt werden. Zu Fuß gehen ist eigentlich nicht vorgesehen und wird meist auch nur von Touristen gemacht. Der Vietnamese ist äußerst ungern zu Fuß unterwegs, fährt lieber Moped, erledigt vom Moped aus, soweit es geht, auch seine Einkäufe, und stellt es am liebsten direkt neben dem Sitzschemel der Garküche ab, bei der er zum Essen geht. Fußgänger sind am Straßenrand unterwegs, sorgen für weitere Belebung zwischen Mopeds, Autos, Rikschas und Tuc Tuc’s – und für uns heißt es in der doch etwas gewöhnungsbedürftigen Situation, ziemlich aufmerksam und vorsichtig zu sein.

Auf unserem Weg durch die Stadt müssen wir natürlich öfters quer über die Straße – für den ampel- und zebrastreifen-gewohnten Europäer eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Denn der Verkehr rollt und hupt ununterbrochen. Ist es mal kein Auto, das nur von links oder rechts kommen könnte, dann sind es Unmengen an Mopeds, die gefühlt von überall her kommen, und die sich auch von roten Ampeln nicht beeindrucken lassen.

Für den Fußgänger gibt es daher ein sehr begrenztes Bündel an Verhaltensregeln: Unbeirrt und wachsam bei laufendem Verkehr durch das Getümmel zügig über die Straße gehen, Blick nach vorne, nie ein Schritt zurück – dann kann eigentlich nichts passieren, da alle gut aufeinander achten und allesamt gut durchkommen wollen.

Ein paar Straßen weiter, nach vielen Töpfen und Schüsseln, in die am Straßenrand ein Blick geworfen wurde, ist es so weit. Ein kleiner Stand mit ein paar Tischchen auf dem Fußgängerweg. In einem Topf schwimmt eine Ente, wie es sich gehört, mit Kopf und Füßen. Die Suppe duftet lecker. Auf der Auslage nebenan wird gerade eine andere Ente kleingehackt, daneben liegen frische Sojasprossen, Nudeln und Frühlingszwiebeln und ein paar andere Zutaten und Kräuter. Nudeln werden mit der Schere auf die erforderliche Länge gebracht.

Alles sieht lecker aus, der Stand erstaunlich sauber. Der Koch freut sich, dass wir etwas wollen, und stellt unsere Suppe zusammen – und freut sich wieder, als er sieht, dass es uns schmeckt. Er hat etwas Zeit, setzt sich zu uns, und ein paar Brocken englisch reichen aus, uns ein wenig über Essen und Hanoi zu unterhalten. Leckeres Essen, netter Kontakt, 30.000 Dong bezahlt, gerade mal knapp mehr als ein Euro.

Unser Weg führt uns weiter in Richtung Innenstadt, in die Welt von noch mehr Mopeds. Im nächsten Bericht wird es dann noch mehr um Mopeds und um den alten Markt gehen.

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