Hué bei Nacht und ein Feng Shui Grabmal

Vietnam- und Kambodscha-Reise, Bericht 12

Hue bei Nacht – so ein wenig wollen wir am Abend noch die Stadt entdecken, warum also nicht ab zum Nachtmarkt, auf der anderen Seite des Flusses, und danach ein wenig durch die Stadt schlendern. Vor dem Hotel stehen Rikschas, und so wählen wir den bequemeren Weg und genießen die Aussicht aus der vorderen Reihe, während hinter uns einer die Pedale betätigt.

Der Nachtmarkt, den wir zuerst ansteuern, zeigt sich ziemlich chaotisch und hektisch, ein fast irrwitziges Durcheinander von allem, was man sich denken kann.

Man sieht Obst, Gemüse, Souvenirs, Gewürze, Fisch, Fleisch, Frisör, Schmuck, Kleidung, Leder, lebende Hühner neben Schlachttischen, Haushaltswaren, Blumen, dazwischen ein paar Garküchen, alles etwas ärmlich. Dazwischen einige Händler, Frauen wie Männer, die extrem lästig versuchen, irgendwelche Schals und T-Shirts oder andere Touristenware zu verkaufen – keine angenehme Atmosphäre, eher die Stimmung, dass noch schnell etwas verkauft werden muss, bevor der Tag zu Ende geht, egal wie. Das machte uns wirklich keinen Spaß.

Wir verlassen den Nachtmarkt schnell und gerne wieder, und gehen einfach los, eine der endlos lang wirkenden Einkaufsstraßen lang, die um die Zitadelle von Hué führen.

Hier gibt es nicht nur viele Garküchen, sondern auch eine bunte Mischung an Waren, insbesondere viele Geschäfte mit Unterhaltungselektronik, vor allem riesige Anlagen und Boxen für Karaoke.

Dazwischen liegen natürlich wie immer Läden mit Kleidung, Stoffen, Blumen, dann mal eine Apotheke mit vielen merkwürdigen Dingen in der Auslage, ob getrocknet oder eingelegt, einschließlich einiger Körperteile von Tieren oder Skorpione oder Schlangen. Das alles muss wohl helfen, sonst würde es nicht in den Mengen verkauft.

Zwischendrin entdecken wir einen unscheinbaren kleinen Laden, in dem gerade Körner gemahlen werden – wir dürfen probieren, schmeckt nach Sesam. Einige Hauseingänge stehen offen und lassen einen Blick in die oft direkt dahinter liegenden Wohnzimmer zu.

In einer der Seitenstraßen werden vorwiegend Stoffe verkauft; die Schneiderläden liegen meist gleich nebenan – von einfachster Näherei bis zur hochwertigen Damen- und Herrenschneiderei.

Es scheint auch die Zeit zu sein, zum Friseur zu gehen; es gibt nicht nur auffallend viele Friseur-Läden mit zum Teil abenteuerlich aussehender Ausstattung, sondern in diesen auch rege Betriebsamkeit.

Inzwischen ist es richtig dunkel geworden. An den Hausaltären der Wohnhäuser entlang der Seitenstraße, durch die wir jetzt gehen, zünden einige Leute Räucherstäbchen an, beten auch. Verwundert sind wir, dass aus einigen Häusern Leute kommen, die kleine Feuer auf der Straße anzünden.

Später erfahren wir, dass dies morgens und abends Brauch sei, und dass die Feuer auf der Straße mit besonderem Papier gemacht würden, mit ganz konkreten Wünschen beschriftet für alle, die in der Straße gestorben seien – wer einen der Wünsche brauchen würde, könnte ihn dann aufnehmen.

Um den langen Rückweg wenigstens ein wenig abzukürzen biegen wir in eine kleine Seitenstraße ab, auf der zunächst noch einiges los ist, vor allem Straßenküchen und einige kleinere Ladengeschäfte.

Aber dann wird die Straßenbeleuchtung immer spärlicher, der Fußgängerweg holperiger und auch vermüllt, und viele Gebäude entlang der Straße haben nicht nur Werbung als Karaoke-Bar außen dran, sondern sind auch anders als sonst beleuchtet, oft ziemlich schummerig. Alles leicht zwielichtig …

Etwas müde vom langen Gehen nehmen wir gerne eine der Rikschas, die vorbei kommen, um zum Hotel zurückzufahren. Es ist tatsächlich eines der Fahrzeuge für zwei Personen, auf denen man hintereinander sitzt. Wir schauen uns den kleinen schmalen Fahrer der Rikscha an – und wollen nicht mitfahren. Er besteht drauf, und so muss er dann wohl mit nicht ganz kleiner Last auf der Fahrt durch die Stadt heftig arbeiten.

Unser Fahrer steuert merkwürdigerweise an „unserer“ Brücke zum Hotel vorbei, möchte uns noch etwas zeigen – es ist der mit einem lila Lichterkranz umgrenzte beleuchtete Haupteingang zur Zitadelle.

Wie zu erwarten dann das Angebot für eine abendliche Lichterfahrt, rund um den Komplex. Eigentlich wollen wir nicht, aber lassen uns dann doch überreden. Es geht noch auf eine abendliche Fahrt durch das teilweise bunt beleuchtete Hué.

Die Mauern der Zitadelle sind rundherum mit Lichterketten umgrenzt. Büsche und Bäume strahlen in neongrün. Über den Straßen hängen Lichterketten, Sterne und Leuchtblumen.

Unser Fahrer hält immer mal wieder an, um uns etwas zu zeigen – und um das eine oder andere Foto von uns zu machen.

Über die Brücke geht es zum Hotel; auf dem Fluss sehen wir noch Ausflugsboote, auf denen gesungen und gefeiert wird.

Inzwischen ist es ziemlich spät am Abend – und wir haben noch nicht zu Abend gegessen. Wir entscheiden uns für ein kleines Abendessen im Hotel, darunter kleine Frühlingsrollen an einer Leucht-Ananas, Reis-Waffeln, Sesam-Zitronengras-Spießen, Wasserspinat und Röstfleisch mit Cashew-Kernen.

Nächster Tag. Nach dem Frühstück geht es weiter, mit unserem Kleinbus in Richtung Südvietnam – der Wolkenpass ist zu überwinden, die Wetterscheide zwischen dem Norden und dem Süden Vietnams – und davor ist natürlich noch eine Tempelanlage anzuschauen.

Zunächst fahren wir wieder einmal durch eine typischen Außenstadtbereich mit einem bunten Durcheinander an Ladengeschäften, Wohnhäusern, Tempeln, Handwerksbetrieben und Restaurants.

Dann kommen schnell wieder landwirtschaftliche Flächen – Felder mit Reis, Zuckerrohr, dazwischen auch mal Erdnüsse, und einige kleine Bananenplantagen.

Bei Huè können wir uns noch ein imposantes Mausoleum von Minh Mang ansehen, einem Kaiser aus der Ngyen-Dynastie, gebaut zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Unser vietnamesischer Reiseleiter erklärt viel – aber es ist auch ziemlich anstrengend, da er ein ziemlich seltsam betontes Deutsch spricht, dem man kaum mehr anhört, dass er einige Jahre in der DDR gelebt hat.

In der komplett nach Feng Shui Prinzipien erstellten Anlage führt der zentrale Weg über mehrere Hügel, auf denen kleine Tempel stehen, treppauf, treppab, direkt auf das Grabmal zu.

Links und rechts des Weges befinden sich Gartenanlagen mit sehr altem Baumbestand und Lotusteichen, in der Form alles aufeinander abgestimmt. Würde man die Anlage aus Vogelperspektive betrachten, würde man einen Körper mit Flügeln erkennen – von den Hügeln aus kann man das zumindest erahnen.

Am Busparkplatz sehen wir noch ein kleines Restaurant mit gleich drei der typischen Hausaltäre – Rohbau-Versionen zum selbst bemalen kann man an vielen Straßenverkaufsständen sehen.

Unser Busfahrer hat Pech – er fährt nur einen Kleinbus. Andere Busfahrer verbringen die Wartezeit an ihrem Lieblingsplatz – der Hängematte im Gepäckraum des Busses.

Im nächsten Reisebericht wird es um unsere Fahrt hoch zum Wolkenpass gehen, und von dort nach Da Nang, eine der modernsten Städte Vietnams. Wir freuen uns auf alle, die uns weiter begleiten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s