Über den Wolkenpass nach Đà Nẵng

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Vietnam- und Kambodscha-Reise, Bericht 13

Für uns geht es weiter in Richtung Hội An, über den Wolkenpass hinweg. Unser Zwischenziel wird Đà Nẵng sein, die Stadt an der Mündung des Han-Flusses in die Đà Nẵng-Bucht – die Stadt, die während des Vietnamkriegs im Mittelpunkt vieler Berichterstattungen stand, und die auch Zentrum der früheren Hochkultur in dieser Region war, dem Reich der Cham.

Vor uns liegen einige Stunden Fahrt mit dem Kleinbus. Entlang der Straße ist viel zu sehen, kleine Städte und Dörfer, abwechslungsreiche Landschaft. Die Häuser stehen meist direkt an der Straße, haben davor oft Verkaufsstände.

Die Dörfer zeigen sich gut belebt; es wird vor den Häusern gegessen, Kinder spielen. Wir sehen Kinder, die in Schuluniform von der Schule zurück kommen.

Auf Feldern wird gearbeitet, vielerlei Gemüse geerntet. Immer mal wieder ist eine Entenfarm zu sehen.

In waldigen Gebieten oder inmitten von Reisfeldern liegen öfter kleine Friedhöfe; manchmal ragen nur Steine zwischen hohem Reis hervor, manchmal sind es kleine, eher exponiert stehende Bauwerke.

Rechts und links der Strecke stehen immer häufiger Eukalyptusbäume, in den Dörfern Shops mit Eukalyptusöl. Das Dorf, durch das wir gerade kommen, scheint von diesem zu leben – entlang der Straße steht eine Destille an der anderen. Einfachste Konstruktion, meist mit ein oder zwei Tonnen, so groß wie Ölfässer – vielleicht waren es ja auch mal welche. Wir sehen, dass die eine oder andere Anlage in Betrieb ist und können unseren Reiseleiter überzeugen, dass wir doch mal anhalten könnten.

Vor der Anlage stehend fragen wir uns schon ein wenig, wie denn auch immer der Prozess abläuft. Unter der ersten Tonne brennt das Feuer, die Eukalyptusblätter und -zweige drin. Sind es drei Tonnen, dann wird auch die zweite erhitzt. Dann noch eine Tonne. Danach führt eine Leitung in ein Wasserbad, sicherlich zur Abkühlung des Dampfes. Nicht sichtbar, aber wahrscheinlich ist auch da irgendwo ein Behälter drin. Außen am Becken gibt es einen Abfüllhahn.

In der Auslage stehen verschiedene Flaschen, auch mit unterschiedlichen Preisen – anscheinend verschiedene Reinheitsgrade, zumindest vermuten wir das, weil auf der teuersten Version auch ein Baby abgebildet ist. Fragen können wir an dieser Destille nicht, es ist Pause, und keiner lässt sich sehen.

Die Strecke geht manchmal etwas ins Land hinein, es wird dann leicht hügelig. Zeitweise führt sie mehr am Meer entlang.

An der Küste sieht man Fischerboote und Anlagen, in denen Muscheln, Schnecken und Austern gezüchtet werden, die Austern vor allem zur Perlenproduktion.

Die Fischerboote weiter draußen haben die „klassische“ Bootsform. Die Boote, mit denen in Strandnähe gefischt wird, sehen eher aus wir große Schüsseln, auf denen die Fischer stehend unterwegs sind.

Dann beginnen die Serpentinen hoch auf den Wolkenpass, in Vietnam auch die Wettergrenze vom subtropischen Norden in den tropischen Süden, wie wir in den nächsten Tagen auch erleben werden. War es im Norden einfach heiß, für unsere Begriffe zu heiß, kommt nun auch die hohe Luftfeuchtigkeit dazu – nach kurzer Zeit draußen ist alles, was man angezogen hat, ob wenig oder viel, einfach nass.

Für Vietnam ist dieser Wolkenpass eine bedeutsame Strecke, so ein wenig ein Mythos, die Verbindung des Nordens mit dem Süden des Landes. Jetzt in Friedenszeit eine für das Land im Vergleich zu anderen Straßen sehr gut ausgebaute, dicht befahrene, wichtige Handelsstraße – in Kriegszeiten war es eine Strecke, die heftig umkämpft wurde.

Das zeigt sich oben auf dem Wolkenpass. Nach einer Reihe von Serpentinen auf der Scheitelhöhe oben angekommen zeigen Zeugnisse aus längst vergangenen Kaiserzeiten ebenso wie aus der jüngeren Kriegszeit, dass hier versucht wurde, mit allen Mitteln Wege zu kontrollieren. Nebeneinander stehen Ruinen einer alten Befestigungsanlage aus Kaiserzeiten und Überreste aus dem Vietnamkrieg, Betonwände und amerikanische Bunker.

Das alles ist Vergangenheit. Jetzt ist die Passhöhe auf knapp 500 Metern eher eine Touristen-Abfertigungsstation garniert mit einem wolkigen Namen, mit Verkaufsständen und kleinen Restaurants, die Küchen dahinter rustikal einfach, mit zwischen den Töpfen spazieren gehenden Hühnern, die sicherlich irgendwann einmal in genau diesen Töpfen landen werden.

Es geht den Wolkenpass hinab, nach Đà Nẵng, die Großstadt, die wir schon von hoch oben vom Berg gesehen haben.

Irgendwann sehen wir vom Auto oben auf einem Hügel eine riesige Marmorfigur, es sei die „Frau Buddha“, wie uns gesagt wird, also ein Buddha auf weiblich. Auch das scheint es zu geben – das mit den Religionen wird hier in Vietnam nicht so sehr ernst genommen, gerne auch ein wenig gemischt, Hauptsache ein jeder weiß für sich selbst, was er glaubt oder nicht …

Angepriesen wird Đà Nẵng als eine der modernsten Städte Vietnams, mit neuen Wohn- und Geschäftshäusern, vielen Hochhäusern – letztlich das Resultat der Zerstörungen aus dem Indochinakriegs mit den Franzosen und dem Vietnamkriegs. Sowohl wirtschaftlich wie strategisch günstig an der Bucht gelegen wurde die Stadt schon Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Franzosen besetzt und von diesen genutzt. Im Vietnamkrieg gingen hier 1965 die ersten Truppen der Amerikaner an Land; in Folgezeit war hier einer der größten und wichtigsten Militärstützpunkte der Amerikaner im Vietnamkrieg – heute noch sind die riesige Brachflächen mit Rollbahn-Resten und Flugzeughangars zu sehen. Erst 1975 wurde die heftig umkämpfte Stadt von den nordvietnamesischen Truppen eingenommen.

Die Außenbezirke, durch die wir kommen, sind eher noch gemixte Baulandschaft mit Brachland, Baustellen, halbfertigen und fertiggestellten Gebäuden. Dann die Stadt, mit unterschiedlich breiten Fußwegen, vielen breiten Straßen, einfachen, höheren Gebäuden, wie man sie überall auf der Welt finden kann. Wie in anderen Städten auch fast überall in den Erdgeschossen Ladengeschäfte, aber irgendwie scheint das Straßenleben verloren gegangen zu sein. Mopeds und Autos sind unterwegs – aber auf den Fußwegen fehlt weithin das geschäftige Treiben, das andere Städte so lebendig gemacht hat.

An einer Straße steht ein großer Supermarkt; anscheinend verschwinden damit nach und nach auch die kleinen Läden und Straßenhändler. Das Alltagsleben verlagert sich von der Straße hinter die Fassaden der Bauwerke. Über den Fluss führt eine lange Spannbrücke, deren Aufhängung gestaltet ist wie ein großer gelber Drachen, samt Kopf.

Im Cham-Museum in Đà Nẵng gibt es noch einige Zeugnisse aus der Cham-Zeit zu sehen – Đà Nẵng lag im Zentrum des Gebietes der Volksgruppe der Cham. Vom 7. bis zum 15. Jahrhundert war nur der Norden des heutigen Vietnams von Vietnamesen bewohnt und beherrscht – im Süden waren es die Cham, eine indisch geprägte, buddhistische Bevölkerung. Erste Annäherungen ergaben sich über eine Heirat der Herrscherhäuser, später über kriegerische Auseinandersetzungen, in denen die Cham unterlagen.

Heute sind die Cham eine Minderheit in Vietnam, die zum Teil in eigenen Dörfern lebt. Die Zeugnisse aus dem Cham-Zeit sind weitgehend zerstört; Bauwerke aus der Cham-Zeit sind keine mehr vorhanden, nur einige wenige Relikte, vor allem Sandsteinskulpturen und Altäre, sind in Đà Nẵng im Cham-Museum, das wir nun besuchen, ausgestellt. So sind wir schon wieder mit der von Auseinandersetzungen geprägten Geschichte Vietnams konfrontiert.

Für uns geht es in Đà Nẵng entlang der mehrspurig ausgebauten Strandpromenade, die für asiatische Verhältnisse recht wenig belebt ist, hinaus aus der Stadt.

Zum Meer hin entsteht eine riesige Hotelanlage nach der anderen, einige sind schon fertiggestellt – kaum eine namhafte Hotelgesellschaft ist nicht vorhanden. Prunkbauten für den Tourismus … Dazwischen stehen auch einige Wohnanlagen, ausschauend wie die Hotels, sicherlich für sehr wohlhabende Bevölkerungsgruppen.

Einen ganzen Straßenzug entlang reiht sich eine Steinmetz-Fabrik an die andere. Unmengen an Figuren unterschiedlichster Größe, von Kleinstgegenständen bis zur monumentalen Größe.

Die Motive bunt gemischt – da findet sich ein Buddha neben einer heiligen Maria, daneben ein Drache oder ein Löwe oder was auch immer.

Wir besuchen noch eine solche Fabrik, schauen uns die Vielfalt an und bekommen die ernsthaft gemeinte Frage gestellt, ob man die Figuren nicht schön finden würde, da wir nicht einkaufen würden – aber beim besten Willen: Was soll man mit so etwas tun?

Ein wenig hat es den Anschein, als wäre hinter einer ein paar Kilometer langen Plakatwand nur Brachland verborgen. Aber es ist die ehemalige amerikanische Militärbasis; Da Nang war zentraler Stützpunkt der amerikanischen Truppen im Vietnamkrieg, da der Ort über große Hafenanlagen verfügte. Die Plakatwand überragend sieht man immer mal wieder den oberen Teil eines Flugzeughangars.

Ein sehr erlebnisreicher Tag ist noch nicht zu Ende – es geht weiter nach Hoi An. Wir freuen uns auf alle, die uns anhand unserer Reisebereichte auf unser Reise weiter begleiten werden.

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