Abendstimmung in Hội An

am

Vietnam- und Kambodscha-Reise, Bericht 14

Wir nähern uns Hội An. Die Straße führt vorbei an Reisfeldern und viele unter Wasser stehende Wiesen und Sumpflandschaften. Die ersten schwarzen Wasserbüffel sind zu sehen, einige davon richtig tief im Modder drin.

In Hội An, angepriesen als die schönste alte Kleinstadt Vietnams, wohnen wir etwas außerhalb in einer sehr idyllisch gelegenen und gebauten Ferienanlage an einem Flussarm, lauter kleinere Gebäude um einen großen Pool herum. Wie es sich gehört, steht in der Hotelrezeption auch der kleine Opferaltar. Vor unserem Zimmer liegt eine kleine Terrasse; wir sehen direkt auf den Flusslauf, die gegenüberliegenden Felder und das Dorf. Auf den Feldern stehen einige Wasserbüffel, auf dem Fluss kommt ein Fischer vorbei, der seine Reusen auslegt.

Es ist zwar schon dunkel, aber wir entschließen uns zu einer ersten Entdeckerrunde ins Städtchen – der Hotel-Transferbus bringt uns hin. Die Überraschung ist nicht gering. Anstatt der vielen alten Häuser sehen wir einen Shop am anderen entlang hell erleuchteter Straßen, mit einfachem Reise-Mitbringsel-Kram bis zum hochwertigen Angebot. Verkauf läuft auch auf den Fußgängerwegen, meist irgendetwas zu essen, dazwischen aber auch Straßenmaler mit kleinen Kunstwerken.

Der Verkauf ist so dominant, dass man das alte Städtchen nur erahnen kann. Zumindest immer dann, wenn Touristen unterwegs sind, leben die Bewohner anscheinend weniger ihr Leben, sondern richten dieses auf den Verkauf aus. Trotz alledem eine angenehme Atmosphäre, auch am Abend ist alles farbenfroh, was den Schaufensterauslagen und vor allem den vielen bunten Lampions zu verdanken ist, die über den Straßen und an Fenstern hängen.

Mehr zufällig entdeckt man zwischen all den Auslagen immer mal einen Eingang zu einem Tempel, auch ohne große Sachkenntnis unverkennbar oft chinesisch. Hat man sich alles angesehen und ist am hinaus gehen, findet man sich mit der Frage nach dem Geburtsjahrgang konfrontiert – und plötzlich hat man eine Medaille mit Pferd drauf in der Hand, sieht dazu eine Hand, die auf ein Spendentöpfchen weist. Spätestens jetzt ist man sicher, dass es sich wirklich um einen chinesischen Tempel gehandelt hat.

Es ist 20 Uhr am Abend. In der eher schummrig beleuchteten Markthalle, die komplett mit Essständen gefüllt ist, sind nur noch wenige Garküchen in Betrieb.

Vietnamesen stehen früh auf und gehen auch früh zu Bett; gegen 21 Uhr wird der ganze belebte touristische Spuk in der Stadt bis auf den Nachtmarkt beendet sen.

Ein kleines Töpfer-Museum, das an unserem Weg liegt, ist gerade am schließen; die Räume sind schon weitgehend dunkel, aber wir dürfen noch rein und ertasten manchmal nur unseren Weg. Uns interessierte weniger die Töpferei, mehr das Bauwerk, und von dem bekommen wir ein wenig mit – die mehr repräsentativen Räume zur Straße hin, der Innenhof, von dem aus eine zweite Etage mit Galeriegang erschlossen wird, die hinteren Räume mit Schlafzimmer und einer noch teilweise ausgestatteten alten Küche.

Ein Stück weiter sitzt ein älterer Herr am Eingang seines Hauses und bietet gegen ein paar Tausend Dong an, es besichtigen zu können. Zwar ist es auch hier schon ziemlich dunkel, aber uns interessiert das. Wir schauen uns um. Hier scheint mal eine Großfamilie gewohnt zu haben, den Bänken im vorderen Bereich und den Schlafstellen im hinteren Bereich nach. Mittels ein paar Brocken Englisch erhalten wir weitere Informationen – wir wundern uns nämlich über ein paar Fotos, die Ehrenplätze an den Wänden haben, und auch darüber, dass bei der einen Seitenwand ein kleiner buddhistischer Hausaltar angebracht ist, auf der Gegenseite aber so etwas ähnliches wie ein Ho-Chi-Minh-Altar.

Der alte Herr erzählt uns, dass sein Vater in der Armee von Ho Chi Minh gekämpft habe, von diesem auch persönlich geehrt worden wäre. Auf einem der Bilder zeigt er uns neben dem kaum zu übersehenden Ho Chi Minh seinen Vater – den Abzeichen nach ein höherrangiger Offizier.

Unser Weg führt weiter durch die Stadt. Irgendwann kommen wir bei einem der Wahrzeichen von Hue an, der Japanischen Brücke, ein Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, mit dem damals der chinesische und der japanische Stadtteil verbunden wurden – jetzt am Abend schön beleuchtet mit vielen Spiegelungen im Wasser.

Über die Gelbe Brücke, die nicht nur einen kleinen Flussarm überbrückt wie die Japanische Brücke, sondern den großen Fluss, gehen wir nun noch dort hin, wo noch etwas geboten ist – der Nachtmarkt mit seinen Streetfood– und Verkaufsständen, Lampions, Musik, Karaoke-Bars und lautem Lärm. Hier halten sich die Touristen auf, und das sind vor allem chinesische Touristen. Damit ist auch die Atmosphäre beschrieben: laut, bunt, schrill, geschäftig, wuselig, chaotisch.

Gegrillter Frosch neben bunten Lampions, merkwürdig duftendes Durian-Eis neben Lederwaren, Suppenküchen neben Straßenmusikanten, Holzkohlegrills neben T-Shirts. Wir probieren ein Durian-Eis – die Eismaschine, aus der es kommt, erkennt man nur als solche weil man weiß, dass es eine ist.

Auf dem Fluss fahren viele Boote, alles romantisch veranlagte Paare, die sich im Schein eines Lampions ein wenig herumfahren lassen. Ältere Frauen verkaufen aus wasserfestem Papier gefertigte Schwimmkerzen, die in Mengen den Fluss hinunter treiben.

Schade, eigentlich wären wir noch gerne ein wenig geblieben, mitten in dem Gewusel. Aber wir haben Termin, unser Shuttle-Bus …

Unser Fahrer erwartet uns schon – wir sind die letzten Gäste des Abends. Zurück im Hotel gibt es noch ein schnelles Abendessen, denn am nächsten Morgen soll es früh auf den Markt gehen …

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