Hội An – Markt für Frühaufsteher und die alte Stadt

Vietnam- und Kambodscha-Reise, Bericht 15

Frühmorgens aufstehen ist angesagt, wir wollen das so – wenigstens ein mal die Stadt erleben, wenn sie nicht die Atmosphäre eines großen Touristenshops in alten Gemäuern ausstrahlt. Am Abend war ja von einer der schönsten ältesten Städte Vietnams kaum etwas zu sehen außer einem Ladengeschäft an das andere gereiht, die Straßen vor allem mit Lampions hell und bunt beleuchtet, am Fluss der große Nachtmarkt, eine wilde Mischung aus Verkaufsständen mit allem erdenklichen Kram und Streetfood.

Die ersten beiden aktiven Stunden des Tages, von morgens sechs bis acht Uhr, gehört Hội An mehr den Einheimischen. Unser Taxi bringt uns für den atemberaubenden Preis von 52.000 Dong in die Innenstadt, zum Zentralmarkt. Für gerade mal knapp mehr als 2 Euro fahren wir die paar Kilometer vorbei an den ersten Straßenständen, an denen schon gefrühstückt wird, das zu allen Tages- und Nachtzeiten anscheinend wichtigste Grundnahrungsmittel, die Suppe. Jetzt um diese Uhrzeit sehen wir vor allem Schülerinnen und Schüler beim Suppe-Löffeln. Die ersten Straßenverkäufer sind unterwegs, mit Salaten und Gemüse und verschiedenen Früchten. Die Schule scheint sehr früh zu beginnen – wir sehen schon kurz nach sechs Uhr Kinder auf dem Schulhof beim Sport.

Die kleinen Straßen, durch die wir in Richtung Markt gehen, sehen völlig anders aus als am vorhergehenden Abend. Anstelle der bunten überbordenden Verkaufsauslagen und den um Gäste werbenden Restaurants gibt es jetzt zu den Häusern passende, geschlossene hölzerne Tore und Fensterläden.

Man sieht tatsächlich die kleinen, zum Teil sehr alten Gebäude mit ihren kräftig geschwungenen, manchmal mit Mustern versehenen Dachziegeln; auf den Dachfirsten oder entlang der Traufe sind oft Drachenfiguren oder andere Symbole oder Figuren angebracht, über den Türen Zeichen, mit denen Geister abgewehrt werden sollen.

Auf dem Markt herrscht geschäftiges Treiben. Einige Stände werden noch aufgebaut, allerlei Grünzeug oder Obst mit dem Fahrrad oder Moped angeliefert. Es sieht nach sehr vielen kleinen Erzeugern aus; in dem Bereich, in dem wir ankommen, gibt es eine unglaubliche Vielfalt von all dem, was in Hausgärten geerntet werden kann.

Reihenweise sieht man frisches Obst – einige haben eine bunte Auswahl, andere sind eher spezialisiert auf Mangos, Bananen, Ananas oder Zitrusfrüchte. Orangen sind hier nicht nur orange, sondern auch tiefgrün oder gefleckt; Pomelos werden hellgrün angeboten, nicht gelb – aber allesamt sind sie reif.

Dazwischen immer wieder viele exotische Früchte, ob Rambutan, Mangostane, Drachenauge, Durian, weiße und lila Drachenfrucht, Cherimoya, Guave, Jackfruit, der Rosenapfel, der gar kein Apfel ist, oder die Buddhas Finger genannte, ziemlich zerfleddert aussehende Zitrus-Zitrone.

Dazwischen immer wieder einmal auch ein Stand mit den Bethelnüssen, meist sind es ältere Leute, die diese verkaufen, mit knallrotem Mund, ebenso roten Zähnen, oder häufig dunkelbraun gefärbten Restzähnen, sofern überhaupt noch welche da sind, also typisch für diejenigen, die diese Nüsse nutzen.

Zwischendrin auch der eine oder andere Stand mit Fischen, Tintenfischen, allen erdenklichen Größenordnungen von Shrimps, die am Stand noch sortiert werden, oder auch Körbe mit den kleinen Jungfischlarven. Die Shrimps sind allesamt so frisch, dass sie auf den Auslagekörben hüpfen, manchmal auch raushüpfen. Verkauft wird von Jung und Alt. Vom Fluss aus oder mit dem Moped wird Ware nachgeliefert.

Auf dem Weg probieren wir an einem Straßenstand frisch gebackene Banane, die zu einer Art Fladenkuchen verarbeitet wurde, eher salzig, etwas süß durch die Banane selbst.

Und in einer der Markthallen, die man eher als Streetfood-Halle bezeichnen sollte, da sie „nur“ über und über mit Mini-Ess-Ständen gefüllt ist, genehmigen wir uns noch eine Frühstücks-Suppe mit Ente. Nicht schlecht, gut gewürzt, die Brühe wie immer etwas glibberig, mehr gewöhnungsbedürftiger eher die darin schwimmenden Entenstücke – die Ente wie immer mit Knochen kleingehackt und reingeworfen, für den Koch einfach, für den die Suppe essenden Europäer eine kleine Herausforderung.

In der Fleischhalle werden vor allem Schweinestücke zerlegt. Es riecht nach frisch geschlachtet.

Auffallend: Die ganze Arbeit wird von Frauen erledigt – bei uns findet man in diesem Arbeitsbereich meist die Männer. An einem der Stände wird Hackfleisch von Hand gehackt und so etwas ähnliches wie Fleischkäse produziert, der in Vietnam als Suppeneinlage verwendet wird, wie wir in der Ess-Halle schon gesehen hatten.

Wir kaufen uns ein kleines Stück zum probieren. Schmeckt wie Wurst, ähnlich dem Fleischkäse, ist aber ungleich schärfer.

Die Zeit rennt davon, wir machen uns auf den Rückweg, vorbei an Ständen, die entlang des Ufers stehen. Der Boden überall nass, große Pfützen – wir kommen zu den Fischen.

Der große Fischmarkt liegt mittlerweile ziemlich weit außerhalb von Hoi An, hier in der Stadt ist es mehr das kleinere Angebot für den täglichen Bedarf.

Vorbei geht es an den ersten Ständen, an denen Taschenkrebse sehr kunstvoll verschnürt, damit sie sich nicht auf Abwege begeben, verkauft werden. Verschiedenste Tintenfische werden angeboten; wer möchte, dem werden diese nach Kauf fein säuberlich küchenfertig geputzt und zugeschnitten.

Hinten in der Ecke der Dreh- und Angelpunkt für alles, was gekühlt werden soll – der Eishändler: Lange Eisblöcke werden kleingehackt und geschreddert und an die Fischhändler verkauft. Neben Fischen und Shrimps und Krabben zeigt sich in Körben zwischendurch auch manch merkwürdiges Getier – schlangenähnliche Meeresbewohner – Aale sind es nicht, sehen aber so ähnlich aus, daneben verschiedene Krabbeltiere, die wie große Asseln ausschauen, andere scheinen aus der Familie der Skorpione zu kommen …

Liegen frisch geschlachtete Hühner an Verkaufsständen, wird darauf acht gegeben, dass immer noch alle Merkmale dran sind, die auf Frische hinweisen, ob Füße oder Köpfe mit den Kämmen. Oft sind die Tiere aufgeschichtet wie skurril aussehende Kunstwerke, die die Beine in eine Richtung strecken, meist himmelwärts.

Ungewöhnlich anzusehen, diese Stände mit dem „gerupften Federvieh“ – die einen ziemlich komplett, auf dem Rücken liegend, die anderen fein säuberlich zerlegt, für die Verwertung von fast allem, einschließlich der Hühner- oder Entenfüße.

Eine Straße führt vor zum Fluss. Hier wird weiter für den Markt angeliefert. Ein Fischer-Paar sammelt die letzten Fische aus dem Netz. Etwas weiter stehen die bunten Ausflugsboote, die am Vorabend zwischen Lampions und Schwimmkerzen auf dem Fluss unterwegs waren.

Vorbei geht es weiter an Obst und Gemüse, und noch an ein paar Ständen, an denen frische Nudeln produziert und verkauft werden. Hier gab es noch ein nettes kleines Erlebnis. Frage an eine Vietnamesin, die gerade Nudeln produzierte, ob man sie fotografieren dürfe; großes Desinteresse ihrerseits. Aber wir durften ein Bild machen.

Zu ihrer Nachbarin merkte sie an, soweit wir das mitbekommen haben, dass sie am Abend eine reiche Frau wäre, wenn sie von jedem, der sie fotografieren würde, einen Dollar bekommen würde. Wir gaben ihr einen Dollar; sie höchst verwirrt, danach hoch erfreut. Damit hatte sie nicht gerechnet.

Dann geht es zurück zum Taxi und zum Hotel – um nach einer kurzen Pause zur nächsten Runde mit der Gruppe zu starten.


Verspätetes Frühstück ist angesagt, auf der Terrasse unseres Hotels. Und danach geht es noch einmal mitten hinein in das alte Hội An. Dazu mehr im nächsten Bericht.

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