Hội An – Seidenraupen und ein Platschregen

Vietnam- und Kambodscha-Reise, Bericht 16

Seidenraupen, Altstadt mit Marktgeschehen, Japanische Brücke, Tempel – es erwartet uns ein dichtes Programm für den Rest des Tages. Los gehen soll es mit einer Lampion-Produktion, sagt unser vietnamesischer Reiseleiter. Begrenzte Begeisterung, zumindest bei uns, verweist das doch mehr auf so etwas wie eine Verkaufsveranstaltung. Aber wer weiss …

Auf dem Weg dorthin freuen sich einige Kinder in einem Kindergarten noch über die vorbeikommenden „Langnasen“.

Bei der Firma angekommen gibt es doch ein paar interessante Dinge zu entdecken. Die Lampions waren eher Nebensächlichkeit. Ein Mann, der Staken zusammensteckte; eine Frau, die bunte Stoffbahnen darauf aufklebte; an der Decke hängend unzählige Lampions in allen Farben, Formen und Größen.

Weit interessanter dagegen die Präsentation zur Seidenherstellung. Ein großer Korb mit kleinen 10-tägigen Seidenspinnerraupen auf Maulbeerblättern – etwas anderes verspeisen diese Raupen nicht.

Ein weiterer Korb mit großen, 22-tägigen Raupen auf deutlich abgefressenen Blättern, aus dem diese Raupen gerade von einer Arbeiterin abgesammelt und auf ein Bambusgitter umgesetzt werden. Hierauf verspinnen sie sich und bilden die gewünschten Kokons.

Dann ist ein solches Gitter zu sehen, mit mehr oder weniger fertigen Gespinsten, gelb und weiß, die Seiden-Naturfarben. Wird rechtzeitig abgesammelt und die Raupe in heißem Wasser getötet, kann von jedem Kokon ein 500 bis 1000 Meter langer feinster Seidenfaden gezogen werden, der dann verwebt wird, gegebenenfalls gefärbt.

Raupen, die für die nächste Seidenspinner-Generation benötigt werden, entwickeln sich zum Schmetterling, zerstören allerdings beim Schlüpfen den Kokon.

Produziert wird bei diesem Anbieter aus der Seide allerhand, nicht nur Bekleidung, von der Stange oder maßgeschneidert; es gibt fast in Massenproduktion gestickte Seidenbilder, aber auch individuelle Anfertigungen nach Fotovorlagen. Und da es um Verkauf geht, gibt es auch günstigere bestickte Baumwolltücher, kleine Tischdecken, geschnitzte Täfelchen für die Wand und viel mehr …

Verabschiedet wurden wir allerdings mit etwas enttäuschten Gesichter bei denjenigen, die uns ziemlich zackig die Produktion zeigten – husch, husch und durch, weil wir nur ein paar Kleinigkeiten mitnahmen, und und kein sonderliches Interesse an einem Großeinkauf signalisierten.

Für uns geht es weiter durch die Stadt. Inzwischen haben die touristischen Angebote wieder die Oberhand, die Geschäfte sind geöffnet – und man merkt bei jedem Schritt, dass man mitten in der Welt des Tourismus angekommen ist, nicht nur an den vielen Shops mit Standardwaren, sondern auch an all den vielen Verkäuferinnen und Verkäufern, von denen man alle paar Minuten angesprochen wird. Ein paar Knabbernüsse, ein gebackenes Teilchen, ein Plastik-Flatter-Vogel, ein rasender blinkender Kreisel, Tiger-Balsam, eine Ledertasche, irgendwelche Keramikprodukte, und was alles mehr – und dazu noch diejenigen, die sich als Wegweiser zu irgendeinem Laden aufstellen.

Irgendwie gerät bei all dem Rummel die Stadt ein wenig ins Hintertreffen. Von unserem Reiseleiter erfahren wir, dass auch Hoi An im Vietnamkrieg ziemlich zerstört worden sei, und die alten Häuser mit Unterstützung der UNESCO wieder aufgebaut würden. Vor allem die Dächer seien neu. Viele der Häuser sind tatsächlich sehr gut erhalten, haben Stil und Patina – und immer wieder begeistert uns die Versorgungstechnik entlang der Straßen, die aber wie gewünscht zu funktionieren scheint.

Wir hoffen, dass nicht alle Gebäude so schrecklich stillos modernisiert werden wie dasjenige Haus, das uns als beispielhaft gezeigt wird. Dann wäre es um die alte Stadt endgültig geschehen.

Der Westeuropäer kommt man kaum auf die Idee, dass die Japanische Brücke aus dem 16. Jahrhundert nicht nur von einem Stadtviertel ins andere führt, sondern tatsächlich zwei historisch gewachsene Stadtviertel verbindet, auf der einen Seite das Japanische Viertel, auf der anderen Seite das chinesische Viertel. Heute noch leben diejenigen japanischer Herkunft auf der einen, diejenigen chinesischer Herkunft auf der anderen Seite – was sich auch im Baustil der Gebäude zeigt.

Ist einmal ein Blick in eines der Häuser hinein möglich zeigt sich, dass die zur Straße hin ziemlich schmalen Bauwerke ziemlich weit nach hinten führen, nach den vorderen Räumen einen Innenhof haben, der zugleich auch Lichthof ist. Eines der Häuser ist zu besichtigen, drinnen auch eine alte Apotheke – das zurecht schnippeln der Eintrittskarten scheint eine ziemlich ermüdende Tätigkeit zu sein …

An einer Straßenecke bietet eine ältere Dame einige kleine vietnamesische „Snacks“ an; rundum stehen jüngere Leute, die alle eine kleine Tüte mit kleinen Shrimpsnudeln und anderem in der Hand haben. Ich bekomme ein paar davon zum probieren.

In diesem Stadtviertel direkt am Fluss fallen auch die vielen Hochzeitspaare auf, die sich festlich gekleidet hier zum Fototermin eingefunden haben.

Schnell wird noch ein Tempel angeschaut, derjenige für die Mutter des Meeres, die Schutz vor Stürmen bietet. Der Weg führt uns nochmals zum Markt, der inzwischen weit weniger auf die Einheimischen ausgerichtet ist, sondern weit mehr auf die herumschlendernden Touristen. An den Essständen wird offensiv jeder angegangen, dass er doch hier essen solle, es werden Speisekarten mit Abbildungen verteilt.

Zwischendrin ein Stand, an dem einige Einheimische essen – für uns Anlass, ein paar der gefüllten Teigtaschen, die in der Auslage stehen, zu probieren. Für unseren Geschmack nicht sonderlich begeisternd – Reispapier mit ein Shrimps-Schnippel oder ein wenig Fleisch, in süßlich-scharfer Soße und in Bananenblättern gedämpfter Reis.

Frauen mit den am Tragebalken hängenden Körben haben weniger den Verkauf des im Korb schön dekorierten bunten Obstes im Sinn, sondern sind mehr interessiert, dass sie gegen Bezahlung eines Dollars fotografiert werden. Möchte man sich noch etwas Obst am Obststand kaufen, soll man die Preise für die „Langnasen“ bezahlen – völlig unrealistisch überhöht.

Es wird Zeit für das Mittagessen. Zum Glück sind wir noch bei der Markthalle, als wir in Richtung Restaurant starten wollen, haben ein Dach über dem Kopf – es gibt einen Platschregen, als wären wir noch mitten in der Regenzeit.

Längeres Warten. Um uns herum werden Verkaufsstände umgebaut, Fahrrad- und Mopedfahrer vermummen sich. Irgendwann entschließen wir uns auch, ein paar Plastik-Regenumhänge zu kaufen – schließlich wollen wir endlich hinsitzen und zu Mittag essen.

Das genießen wir mitten im Viertel, und interessanterweise erhalten wir tatsächlich in Zusammenstellung und Würze kein typisches Touristenmenü – ob Pilz-Tofu-Suppe, Reiskruste mit leckerer Gemüseauflage, Wasserspinat mit irgendetwas Geröstetem und viel Knoblauch, geschmortes Hühnchen mit Zwiebeln, Ingwer, Tomaten und einigem anderen, gegrillter Fisch in würzig-brauner Sauce oder Bananenblütensalat.

Müde, Schluss für heute, es geht zurück ins Hotel. Unterwegs noch Handwerkern zugeschaut, die Metallgefäße und Schmuckgegenstände anfertigen.

Am nächsten Tag wird uns ein Regionalflug nach Ho Chi Minh-Stadt bringen.

Im nächsten Bericht wird es um die Stadt gehen, die lange Zeit Hauptstadt Südvietnams war, und heute von der Bevölkerung immer noch Saigon genannt wird.

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