Donau-Impressionen – von Passau in die Wachau

Flusskreuzfahrt auf der Donau, Bericht 1

Geruhsam, beschaulich, vertraut, traditionell, ein wenig zum Staunen – eine Flusskreuzfahrt auf der Donau ist so ein wenig auch eine Reise in die Vergangenheit.

Von Passau aus unterwegs nach Budapest sehen wir vor allem barock geprägte Städte und Dörfer. Am Flussufer und oben auf den Hügeln liegen die berühmten barocken Klöster. Eher beschaulich zeigt sich all das, was entlang der Strecke zu sehen ist. Mehr mondän und prunkvoll sind dagegen die von der Habsburger Monarchie geprägten Städte, in denen sich von Gotik über Barock bis hin zu Klassizismus, Neogotik, Jugendstil und vielseitiger Moderne alle Stile spiegeln.

Unsere Flusskreuzfahrt mit der MS Heidelberg von nicko cruises beginnt in Passau; von hier aus starten so ziemlich alle Donaukreuzfahrten, die donauabwärts gehen. Mittlerweile sind es von hier aus so viele Schiffe, dass nicht nur direkt bei der Drei-Flüsse-Stadt gestartet wird, sondern zusätzlich auch in Lindau, einem neuen Hafen etwas außerhalb, der vor einigen Jahren neu gebaut wurde.

Wir sind ziemlich gespannt, was uns erwarten wird, da Flusskreuzfahrten auf der Donau immer noch ihr besonderes Image haben – gerade die Donau wird gerne in Verbindung gebracht nicht nur als Angebot für die ältere Generation, sondern noch mehr für sehr gehobenes Alter. Auf unserer Reise werden wir feststellen, dass es dieses Angebot so gibt – was durchaus in Ordnung ist. Es gibt aber ebenso auch die „moderne“ Donaukreuzfahrt, mit vielfältigen Möglichzeiten für Aktivitäten und Entdeckungen, in den Städten ebenso wie in landschaftlich attraktiven Gebieten.

Fast unverzeihlich ist es, eine Reise in Passau zu beginnen und sich keine Zeit für Passau zu nehmen. Passau wird gerne auch Drei-Flüsse-Stadt genannt – die Stadt wurde direkt im Mündungsbereich der Flüsse Inn und Ilz in die Donau erbaut. Ein Spaziergang durch die Altstadt vermittelt den Eindruck eines Ausflugs in die Vergangenheit. Enge Gassen und Winkel, mittelalterliche Fassaden, noch viel mehr die Häuser und Kirchen im schwelgerischen Barock versetzen Besucher schnell in vergangene Zeiten. Massiv eisenbeschlagene große Fensterläden, steingefasste Tore, holperige Flusssteinpflaster und schmale Durchgänge künden aus dem Mittelalter.

Großflächige Fenster, Häuserfronten, über und über mit Stuck verziert, und geschwungene Giebel verweisen mehr auf die Barockzeit. Immer wieder ist ein Blick durch offene Türen in Flure und Innenhöfe hinein möglich – man staunt, mit welchen Zugängen zu Wohnungen heute noch gewohnt wird. Unübersehbar sind die vielen Kirchen, mitten drin in der Stadt, hoch über dem Mündungsbereich der Flüsse, thront über der Altstadt der Dom – ein teilweise noch spätgotisches Gebäude, aber insgesamt ein riesiger Barockbau, mit dem größten Kirchenschiff nördlich der Alpen.

Eine ideale Szenerie für einen interessanten Spaziergang vor Beginn der eigentlichen Kreuzfahrt – man sollte sich nicht gleich vom Bahnhof mit verlockendem Transferangebot des Kreuzfahrt-Anbieters zum vor den Toren von Passau gelegenen Kreuzfahrtanleger verfrachten lassen, und nur die Koffer mitgeben. So entscheiden wir uns für ein paar Stunden Passau, und genießen unbeschwert die Atmosphäre der Stadt. Auf einem der Plätze trinken wir einen Kaffee, und vergessen dabei gerne, dass die ganze Stadt vor allem von kleinen und größeren Souvenirshops übersäht ist. Gefüllt mit lauter Dingen, die wirklich kein Mensch baucht …

Zum Schiffsanleger kommen wir mit dem Taxi. Die MS Heidelberg von nicko cruises, mit der wir auf die Donaukreuzfahrt gehen, liegt am Anleger Lindau. Nach dem Abendessen fahren wir los, in Richtung Krems. Bis nach Budapest, wo wir wenden und wieder nach Passau zurückfahren werden, gibt es 11 Schleusen zu überwinden, die meisten mit etwa 10 bis 15 Metern Höhenunterschied, eine deutlich höher mit 20 Metern. Die Donau hat in Österreich ein Gefälle von immerhin 43 cm auf den Kilometer. Über die Staustufen, die es zu überwinden gilt, wird die Donau für die Kraftwerke einreguliert – Österreich produziert immerhin etwa ein Drittel des Strombedarfs über Wasserkraft. Ziemlich schnell gleitet unser Schiff stromabwärts dahin, dem Motorengeräusch nach so schnell wie irgendwie möglich. Etwa 225 Kilometer sind es nach Krems, eine Strecke, die an Linz vorbei führt, später durch die Wachau, vorbei an weltberühmten Klöstern wie Melk, Dürnstein oder Göttweig.

Am nächsten Morgen erwartet uns links und rechts der Donau eine hügelige Landschaft. Etwas erstaunt sind wir über ein paar schneebedeckte Berge, die wir am Horizont entdecken – die Sicht ist gut. Dann geht es hinein in die Wachau. Am Tor zu Wachau geht es vorbei an der großen Klosteranlage von Melk, ein prachtvolles Benediktinerkloster, gebaut im 18. Jahrhundert.

Etwas weiter der Ort Weissenkirchen, inmitten eine mächtige Wehrkirche, rundherum eines der größten Weinbaugebiete der Wachau. Vorbei geht es auch an Dürnstein, der kleinsten Stadt Österreichs, überragt von der Kueringerburg, in der der Sage nach Richard Löwenherz im 12. Jahrhundert gefangen gehalten wurde; direkt an der Donau der blau-weiße Barockturm des Augustiner-Stifts.

Wer an die Wachau denkt, dem fallen vor allem die Weinberge ein, die die Donau hier säumen, sowie die großen barocken Klosteranlagen. Immer wieder an den Ufern kleine Orte mit meist großen Kirchen mittendrin. Unsere Reisezeit passt hervorragend: Die Marillenbäume, zuständig für besondere Spezialitäten der Region, stehen in voller Blüte. Später werden wir die Erzeugnisse der vergangenen Ernte verkosten: Marillenbrand, Marillenlikör, Marillenprosecco, Marillensaft, Marillenmarmelade. Einfach lecker. Alles.

Wir kommen an in Krems – die Altstadt ist ebenso wie die Wachau und einige der Klöster Weltkulturerbe. Das Schiff legt im Stadtteil Stein an, ein älterer, ruhiger Stadtteil mit vielen Bauten aus der Barockzeit; einige Straßenzüge schauen wir uns im Schnellverfahren an, da dafür kaum Zeit ist. Bevor es in Krems selbst auf Entdeckung geht, gehen wir nämlich auf organisierten Ausflug mit dem Bus zum Benediktinerstift Göttweig, das wir bereits hoch oben auf dem Berg stehend schon von weitem gesehen haben.

Bereits seit dem 11. Jahrhundert befindet sich ein Kloster an dieser Stelle. Die jetzige Anlage entstand nach einem Klosterbrand als monumentales, riesiges barockes Kloster im 18. Jahrhundert.

Bei unserem Spaziergang durch die Klosteranlage sehen wir an verschiedenen Stellen, dass das Bauwerk nicht vollendet wurde – trotz einem enormen Ausmaß ist es, wie wir nachlesen, nur zu zwei Drittel fertig gestellt.

Draußen wie drinnen dominieren Pastellfarben, vor allem ein gedecktes rosa. Wie immer bei Barockbauten zeigt sich die Kirche etwas prunkvoll überladen. Bekannt ist das Kloster vor allem für den Kaisertrakt, mit einer ausladenden Kaiserstiege, darüber ein Deckenfresko.

Es heißt, dass dieses Treppenhaus eines der schönsten und größten barocken Treppenhäuser in Europa sei – wir haben schon detailreichere, sorgfältiger gemalte, schmuckvollere Treppenhäuser und Fresken gesehen, vielleicht nicht immer so groß.

Weit mehr beeindruckend sind in der Anlage die Fürsten- und Kaiserzimmer, vor allem die Wandverkleidungen aus Bezugsstoffen mit ihren detailreichen Motiven oder in anderen Bereichen die Wandvertäfelungen und Wandmalereien, ebenso auch die Ausstattung der Räume.

Noch beeindruckender sind die alten Handschriften, die in einem der Räume ausgestellt sind.

Nicht zu vernachlässigen: Im Kloster werden Marillenprodukte hergestellt, vom Hochprozentigen bis zur Marmelade; wir verkosten einiges im Klosterladen, alles tolle Produkte, voll im Geschmack. Aber zwischen all den Marillen fast versteckt noch Honiglebkuchen, nach Klosterrezept aus Mariazell – die sind im Geschmack einfach unübertrefflich, und das versteht man wenn man liest, dass der Lebkuchenteig zu mindestens 50 % aus Honig und weiteren 30 % aus Nüssen besteht, und bei den gefüllten Lebkuchen zum Beispiel noch Datteln, Feigen, Pflaumen und weitere Nüsse drin sind.

Vom Berg hinunter hat man einen schönen Blick auf das Donautal. Es geht zurück in Krems.

In den Ort hinein geht es durch das Steiner Tor, dem Wahrzeichen der Stadt, mit seinen spitzen Dachhüten. Drinnen erwartet wieder die Barockzeit, ein ziemlich geschlossenes Ensemble, selten unterbrochen von noch älteren oder moderneren Gebäuden.

Überall viele kleine Geschäfte, ziemlich stark auf den Tourismus ausgerichtet. Immer wieder bietet sich ein Einblick in kleine, verwinkelte Innenhöfe. Ein Städtchen, völlig unaufgeregt, ohne riesige Highlights, durch das man einfach schlendern kann. Wer eher auf Kunst und Ausstellungen aus ist, findet außerhalb der Altstadt die Kunsthalle oder das Karikaturenmuseum.

Für uns geht es nach kurzem Aufenthalt wieder zurück auf Schiff, wieder auf landschaftlich schöne Etappe durchs Donautal.

Die nächsten Ziele stehen an – zunächst geht es an Wien vorbei nach Ungarn, zuerst in die ehemalige Hauptstadt Esztergom, dann in die heutige, Budapest.

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