Esztergom – erlebbare Vergangenheit

Flusskreuzfahrt auf der Donau, Bericht 2

Unser Schiff fährt los in der Wachau. Spätabends geht es vorbei an Wien, später an Bratislava – Zeit für diese beiden Städte werden wir auf der Rückfahrt nach Passau haben. Vor uns liegt am Morgen das nächste Ziel unserer Reise, Esztergom.

Die Donau, auf der wir unterwegs sind, ist hier die Grenze zwischen Ungarn und der Slowakei; ein breiter Strom, gemächlich und ruhig dahin fließend. Die große Brücke, die wir bei Anreise sehen, verbindet die beiden Staaten.

Esztergom wird gerne als „Wiege Ungarns“ bezeichnet. Die Stadt war vom 10. bis ins 12. Jahrhundert hinein Hauptstadt des Landes, danach für einige Jahrhunderte immer noch wichtigste Stadt der Kultur. Schon von weitem sichtbar, oben auf dem Burgberg in einer Höhe von 100 Metern, steht das Wahrzeichen von Esztergom, die Kathedrale „Unserer lieben Frau und des heiligen Adalbert“, die größte Kirche des Landes.

Vom Schiffsanleger aus geht es durch ein mehr oder weniger verlassenes Gebiet, in dem einmal Handwerker tätig waren, und zerfallenen Sportstätten, entlang eines kleinen Kanals hinein in die Stadt – in der die vielen gut erhaltenen oder frisch renovierten Häuser in unterschiedlichsten Stilrichtungen auffallen, im Barock- und Rokokostil oder auch im Stil des ungarischen Klassizismus.

Mitten im Ort liegt der Széchenyi-Platz mit einem prächtigen barocken Rathaus; hier und in den angrenzenden Straßen gibt es die schönsten Gebäude. In den Straßen sieht man viele kleine Geschäfte – Lebensmittelläden, Bäckereien, Blumenhändler, Cafès.

Über den Fluss geht es in Richtung Kathedrale, auf den Burgberg. Hier am Fuße des Berges stehen die älteren Häuser der Stadt – kleinere Gebäude, ziemlich verschachtelt, kleine Straßen mit Kopfsteinpflaster, der Gesamteindruck so, wie man es von einem älteren, gut gepflegten ungarischen Städtchen erwartet.

Auffallend viele Kirchen sind zu sehen – es gibt beim Schlendern durch die Stadt wohl keine Perspektive, in der nicht eine Kirche ins Blickfeld kommt. Beim steilen Anstieg auf den Burgberg zeigen sich über den Dächern der Stadt sehr prominent die vielen Kirchtürme, die über alles hinaus ragen.

Steht man vor der Kathedrale, wird ihre beeindruckende Größe noch überwältigender. Das klassizistische Bauwerk ist mit 118 Metern Länge und 49 Metern Breite nicht nur die größte Kirche Ungarns, sondern gehört tatsächlich zu den größten in Europa. In der Kirche ist auch das größte Gemälde der Welt, das auf einem einzigen Stück Leinwand gemalt wurde, zu bestaunen, 13,5 x 6,5 Meter groß, gemalt von Michelangelo Grigoletti. In der Dom-Schatzkammer ist unter anderem das Corvinus-Prunkkreuz zu sehen, einer der wertvollsten Besitz Ungarns, gleich nach der Stephanskrone im Parlament.

Schon im Jahre 1001 wurde an der Stelle der jetzigen Kathedrale die erste Kirche errichtet; eingeweiht wurde der jetzige Kirchenbau 1856. Franz Liszt komponierte dafür die „Graner Messe“, die er zu diesem Ereignis auch selbst dirigierte – Gran ist der deutsche Name der Stadt.

Vom Burgberg aus, der wie eine Festung über dem Donautal liegt, genießen wir die Aussicht, schauen uns noch die Burg an, gehen dann nicht die Hauptstraße hinab, sondern steigen über einen schmalen Pfad, der in kleine Gassen der Altstadt einmündet, hinab in die Altstadt.

Unten gibt es noch eine Gulaschsuppe in einem kleinen Gasthaus – wir sind um diese Zeit die einzigen Gäste, der Wirt wirft extra für uns den Küchenbetrieb an.

Zügig geht es für uns zurück zum Schiff, durch die Altstadt. In Kürze soll es schon los gehen, weiter nach Budapest.

Direkt nach Esztergom macht die Donau einen Knick. Auf der Strecke folgt kurz nach der Stadt das sogenannte Donauknie.

Es geht nun einen kurzen Weg die Donau hinunter, nach Budapest. Gegen Abend werden wir die ungarische Hauptstadt erreichen und freuen uns schon auf die hell erleuchtete nächtliche Stadt.

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