Budapest – Stadt mit Flair

Flusskreuzfahrt auf der Donau, Bericht 3

Ungewöhnlich, einen Reisebericht mit einer Abendstimmung zu beginnen. Wir sind am Nachmittag in Esztergom abgefahren, und freuen uns darauf, dass unser Schiff etwas früher am Abend in Budapest einlaufen wird. Wir werden an diesem Tag nämlich Budapest gleich zweimal von der Donau aus sehen, bei der Ankunft noch in der Abenddämmerung, und später in der Dunkelheit noch einmal bei einer Nachtfahrt.

Schon von weitem sehen wir die Stadt. Je näher wir kommen, desto mehr zeigt sich ein Stadtbild, das an eine Partitur erinnert – unterschiedlichste Instrumente mit je eigenen Melodien, gut aufeinander abgestimmt für ein besonderes Klangbild, für ein wohlklingendes Konzert. Hier in Budapest ist es anstatt der Instrumente das Zusammenspiel vieler stilvoller Gebäude, ob Parlament, Paläste, Kirchen oder Wohnhäuser, dazu eine gegliederte Landschaft durch die am Fluss liegenden Stadtteile, in der Ebene Pest, auf der Anhöhe Buda, durch die Donau getrennt und über Brücken doch verbunden. Hinzu kommt eine gelungene Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, dominant die Bausubstanz aus dem Jugendstil und dem Klassizismus, dazwischen die modernen Gebäude aus sozialistischer Zeit gut versteckt, die architektonischen Highlights aus neuerer Zeit als Akzente gut platziert.

Wir fahren unter einer der Brücken hindurch und haben das Gesamtbild vor Augen. Am linken, östlichen Ufer der Donau im Stadtteil Pest liegt vor uns das beeindruckende klassizistische Parlamentsgebäude.

Auf der rechten Seite folgen auf den Hügeln in Buda die Altstadt, obenauf die Matthiaskirche, der Burgpalast und die Fischerbastei, auf Uferhöhe das legendäre Gellertbad, eines der typischen, palastartigen Thermalbäder Budapest‘s. Beeindruckt stehen wir in der Abendstimmung beeindruckt auf dem Sonnendeck der MS Heidelberg.

Gerne verzichten wir auf das Abendessen an Bord und machen uns gleich auf zu einem Spaziergang durch die Stadt. Von Vorteil ist wie meist bei Flusskreuzfahrten, dass man ziemlich mitten im der Stadt anlegt – und so steigen wir nur aus und sind mitten drin im Stadtgeschehen.

Vorbei an der alten Markthalle geht es hinein in eine sehr belebte, vor allem von klassizistischen Fassaden und Jugendstilgebäuden gesäumten Einkaufs- und Restaurantstraße.

Auffallend sind die vielen anspruchsvollen Modegeschäfte mit ihren dekorativen Auslagen.

Ziemlich eingeklemmt zwischen zwei Wohnhäuser steht eine Kirche, bei der wir erst beim Betreten erstaunt feststellen, wie groß sie eigentlich ist. Aber richtig begeistert sind wir von einem Chor, der in der Kirche singt; es ist, wie wir anhand einem Plakat feststellen können, die Generalprobe für ein Konzert, das am nächsten Tag stattfinden wird.

Zeit für’s Abendessen. Wir schauen uns um nach einem möglichst traditionell aussehenden Gasthaus oder Restaurant, lesen einige Speisekarten. In einer Seitenstraße entdecken wir ein barockes Gebäude, die Infotafeln am Eingang weisen auf ein Restaurant hin. Wir überlegen, schauen kurz rein, und die Entscheidung ist gefallen – hier bleiben wir.

Im Restaurant spielt eine traditionelle Musikgruppe, typisch ungarische Wirtshausmusik. Wir lassen uns etwas empfehlen – und genießen ein hervorragendes ungarisches Gulasch bei bester Unterhaltung. Auf der Speisekarte lesen wir, dass wir uns im ehemaligen Palais Péterffy aus dem Jahre 1755 befinden, in dem sich seit 1831 das das älteste Restaurant der Stadt befindet, das Százéves Étterem.

Spät in der Nacht geht es mit dem Schiff noch einmal durch die Stadt. Wir kommen an all den bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei – ein strahlendes Lichtermeer.

Wieder beeindruckend ist das jetzt prachtvoll beleuchtete Parlamentsgebäude, auf der anderen Seite die Altstadt mit ihren imposanten Gebäuden.

Verschiedene Attraktionen fallen jetzt noch mehr auf als am Tag, da sie besonders beleuchtet sind. Im Bereich der alten Stadt sind es zum Beispiel das historische Gellertbad, die Friedensbrücke mit ihrer besonderen Stahlkonstruktion und den prunkvollen Brückenpfeilern, oder die Markthalle mit ihren markanten Ecktürmen und dem bunten Ziegeldach.

Etwas donauabwärts, in den moderneren Stadtbereichen, fällt natürlich zunächst das Viertel auf, in dem man auszugehen scheint; es zeigt sich ein buntes Lichtermeer mit vielen Restaurantschildern, und direkt am Flussufer eine Restauranthalle, die anmutet wie ein großer Wal. Dahinter liegen dann die bunt beleuchteten modernen Museen.

Am nächsten Morgen geht’s früh los, wir wollen in die alte Markthalle, ein neogotisches Bauwerk, das wir schon vom Schiff aus gesehen haben.

Von außen sind wie bei vielen Gebäuden in Budapest die vielfarbigen Schmuck-Ziegel beeindruckend, ob an den Wänden kombiniert mit hellem Sandstein oder auf dem Dach mit verschiedenfarbig glänzender Oberfläche. Drinnen zeigt sich ein hoher Stahlbau, aufgebaut fast wie eine mehrschiffige Kirche.

An den Ständen ist viel davon zu sehen, was man in Ungarn erwartet: Paprika und Tomaten, Salami und Schinken, in Gläser sauer eingelegtes Gemüse aller Art, Sauerkraut, überhaupt viel Obst und Gemüse.

Wir schlendern ein wenig durch die Stadt und beschließen dann, mit der Straßenbahn auf die andere Seite der Donau zu fahren, hoch zum Burgberg.

Vorbei geht es an Hotels mit klingenden Namen in imposanten Gebäuden, an der Stephanskathedrale, am Theater, schließlich über die Brücke nach Buda.

An der Strecke liegen die barocken Gärten unterhalb des Burgberges. Nach oben führt die kleine historische Standseilbahn Siklo, die wir leider nicht nutzen können.

Oben angekommen schlendern wir durch die kleinen Gassen mit ihrem Kopfsteinpflaster in Richtung Fischerbastei und Matthiaskirche. Alle Gebäude, um Burganlage, Palais, Kirchen oder Wohnhäuser, erstrahlen geradezu in Hochglanz – alles ist so perfekt restauriert, dass es fast schon wie eine Kunst-Stadtlandschaft anmutet. Die Touristenströme werden hier oben enorm; auffallend oft sieht man asiatische Gesichtszüge. Die Matthiaskirche mit ihren bunten Dachziegeln zählt zu den bedeutendsten Kirchen Budapests; sie ist auch Schauplatz für die österreich-ungarischen Monarchie, da in der Kirche zum Beispiel Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth (Sisi) zu König und Königin von Ungarn gekrönt wurden.

Die Fischerbastei, gebaut gegen Ende des 19. Jahrhunderts im neogotischen Stil, ist eines der begehrtesten Fotomotive; die Selfie-Begeisterten versuchen, ein Foto mit sich selbst, der Bastei und einem Blick hinunter auf die Stadt aufzunehmen, was bei dem Getümmel auf der Plattform und an den begehrtesten Plätzchen nicht leicht fällt.

Im Burghügel gäbe es noch ein Labyrinth unterirdischer Höhlengänge. Eigentlich sind es Kalktuffhöhlen, die durch warme Quellen und Auswaschungen entstanden sind, und die seit erdenklichen Zeiten genutzt und ausgebaut wurden – Wohnhöhlen der der Zeit der ersten Besiedlung, Lagerräume bei den Römern, Weinkeller im Mittelalter … bis hinein in die jüngere Geschichte, als Soldatenunterkunft während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg, einschließlich eines unterirdischen Hospitals, und später in der Zeit des Kalten Krieges als Atom-Bunker … Vieles kann heute noch besichtigt werden. Wir nehmen uns das für eine nächste Budapest-Reise vor, da wir bei schönem Wetter lieber nicht im Untergrund sein wollen.

Noch ein wenig Zeit werden wir oben auf dem Berg verbringen. Aber dann wird es wieder hinuntergehen in die Stadt, um auf der anderen Donauseite auf Entdeckung zu gehen.

Über das bunte Zusammenspiel von Lebensstilen, das wir entdecken werden, wird es im nächsten Bericht aus Budapest gehen.

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