La Gomera – Natur ziemlich pur

Karge Berge, üppige Täler, geheimnisvolle Wälder

Kanaren und Kapverden, Reisebericht 1

Zuhause bei typischem Novemberwetter gestartet, zu einer Kreuzfahrt mit der AIDAcara, bei der die Kanarischen und die Kapverdischen Inseln im Programm stehen.

Unser Flug bringt uns ein gutes Stück nach Südwest, nach Gran Canaria. Von hier aus geht es nach La Gomera, und anschließend noch weiter gen Süden, dorthin, wo in dieser Jahreszeit die Sonne etwas mehr scheint.

Früh am Morgen kommen wir mit dem Schiff in San Sebastian an. Die Sonne geht auf, der Himmel zeigt sich über La Gomera blau mit einem Mix von Wolken in allen weiß-grau-Schattierungen. Es regnet leicht – und die Insel empfängt uns mit einem intensiv farbigen, bombastischen und gleich doppelten Regenbogen, der untere Bogen intensiv, der obere nur leicht schimmernd, so groß und nah, dass er mit dem Foto nicht mal ganz einzufangen ist.

Einen kleinen Leihwagen haben wir bei einem kleinen lokalen Anbieter gemietet – das ist schneller und unkomplizierter und auch günstiger als bei den großen Anbietern. Straßen gibt es auf der kleinen Insel nicht allzu viele; wir werden La Gomera auf der Rundstraße, die auf dieser Vulkaninsel nicht wie zu erwarten die Küste lang läuft, sondern weit mehr im Landesinneren durch das Gebirge führt, umrunden. Sonderlich groß ist die Insel ja nicht, gerade mal 48 Kilometer von Nord nach Süd, und nur 24 Kilometer von West nach Ost.

Von San Sebastian aus geht es gleich hinein in die Berglandschaft. Enge Kurven und unglaubliche Steigungen erwarten uns; das kleine Auto schnaubt und röhrt. Die Landschaft ist atemberaubend. Man weiss nicht so recht, wie man sie beschreiben soll – eine an sich karge, steinige Gegend, aber doch dicht bewachsen von kleinem Gestrüpp, Blumen und vor allem vielen Sukkulenten und Wolfsmilchgewächsen. Das Wetter zeigt sich launisch, mal dichte Wolken, mal kommt der blaue Himmel raus – auffallend, wie schnell sich die Szenerie ändert. Wo eben noch Sonnenschein war, ist ein paar Minuten später kaum mehr etwas zu sehen. Die Wolken fallen wie luftige kleine Lawinen regelrecht die Berghänge hinunter.

Dazwischen sieht man immer wieder hohe Palmen, die mit ihrer Größe und noch mehr mit den goldgelben Dattelständen Akzente in der Landschaft setzen. San Sebastian liegt im Westen; wir fahren über die Berge zunächst in den Norden, nach Agulo.

In den Tälern und an vielen Berghängen sind Terrassenfelder angelegt, die vor allem in den küstennahen, etwas weniger steilen Gebieten oft noch intakt und bewirtschaftet sind. So wie es aussieht wird vor allem Gemüse angebaut; ganz unten, wo das Tal flacher ist, sind Bananenplantagen zu sehen, die oft wie riesige Zelte überdacht sind.

Vom Berg hinunter geblickt zeigt sich in den engen Tälern eine beeindruckende Terrassenlandschaft.

Je weiter man jedoch in die Berglandschaft hineinfährt, desto mehr sind diese Terrassen verwildert und verfallen – wo früher noch weitläufig landwirtschaftlich genutztes Gebiet war, erobert sich nun die Natur die Hänge zurück. Die Terrassenmauern sind vielfach abgerutscht, und auf den Flächen stehen nur noch vereinzelt Palmen, Feigen-, Avocado- oder Zitrusbäume.

Oben in den Bergen ziehen Nebelschwaden die Hänge hoch, die Gipfel verstecken sich in den Wolken. Je höher wir kommen und je mehr einer der Berghänge in Richtung Norden liegt, desto mehr zeigen sich die Baumstämme nass und feucht, schwarz glänzend, bewachsen mit Moosen und Flechten, von den Ästen herabhängend manchmal fast gespenstisch aussehende Bartflechten. Immer wieder gibt es weite Ausblicke.

Wir sehen sogar hinüber nach Teneriffa, das nur etwa 24 Kilometer entfernt ist; oben aus einer Wolkenschicht ragt Teneriffas Vulkan, der Teide heraus – leider ist die Weitsicht nicht sonderlich gut.

Die Fahrt hinunter auf Meereshöhe führt wieder vorbei an bewirtschafteten, aber noch mehr an aufgelassenen Terrassenfeldern. Noch ziemlich oben am Berg wird in einem der Täler in erstaunlichen Steillagen vor allem Wein angebaut.

Unten in der etwas flacheren Talebene stehen traditioneller bewirtschaftete Bananenplantagen, die nicht wie diejenigen, die wir auf der anderen Inselseite gesehen haben, komplett zum Schutz gegen Insekten oder Witterungseinflüsse mit Zeltdächern ummantelt sind.

In einem der kleinen Orte entdecken wir eine Cooperative, in der Bananen für den Vertrieb angeliefert und gepackt werden. Gerade laden zwei Männer die ziemlich großen Bananenstauden mit den noch grasgrünen Bananen von einem Lastwagen ab, hängen diese auf ein Förderband. Ein freundliches Winken, ich soll doch in die Verarbeitungshalle hinein kommen. Dort gehen die Bananenstauden durch ein Reinigungsbad – da sie hoch glänzend wieder herauskommen und diesen Glanz auch behalten, wird wohl auch Konservierungsmittel drin sein. Zwei Mann zerlegen die Stauden in Einheiten, wie sie dann auch bei uns zu kaufen sind; sechs Mann packen alles in die bekannten Bananenkisten; alles kommt auf Paletten in eine Lagerecke. Bei den „Zerlegern“ stehen große Container mit all dem, was auf dem Kompost landen wird – zu kleine Bananen, Bananen mit Flecken, aufgeplatzte Bananen oder auch die dicken Staudenstiele.

Überall auf der Insel zeigt sich eine erstaunliche Vegetationsvielfalt, ob in den eher kargen oder den regenreichen Gebieten. Sogar jetzt im Dezember ist es – mit Ausnahme der sehr trockenen Bereiche im Süden – überall noch ziemlich grün. Überall blühen noch Pflanzen, Geranien, Rosen, Aloe, Sukkulenten, Passionsfrüchte, natürlich auch ein Winterblüher wie die Mispel. Rote Weihnachtssterne setzen Farbtupfer in den Gärten.

Unterwegs kommen wir auch an einer Aloe-Farm vorbei; auf den Feldern stehen schön gepflegt Aloe-Pflanzen, einige blühen. Was zunächst ausschaut wie ein kleiner Betrieb, zeigt sich beim kurzen Stopp als ein Betrieb, der sich auf Busgruppen spezialisiert hat – also Präsentation und Verkauf für Touristengruppen.

Wir schauen und ein wenig um und fahren weiter. Kurz vor Agulo halten wir wie schon so oft wieder einmal an, um etwas ausgiebiger die Landschaft anzuschauen.

Anlass ist dieses Mal ein merkwürdig aussehender Bergklotz; es ist ein Vulkanschlot, gebildet aus Gestein. Das Material, das dieser Vulkan einst ausstieß, war weit fester als das Material, aus dem der Vulkankegel bestand. Dieses Material erkaltete, der umliegende Vulkankegel wurde von Wind und Wetter abgetragen. Übrig blieb ein Berg in Form eines Vulkanschlots. Zusammen mit dem am gegenüberliegenden Hang liegenden kleinen Bergdorf zeigt sich ein idyllisches Bild inmitten der vulkanischen Landschaft.

Ins Tal hinunter geht es in einen kleinen Ort – Mittagessen ist geplant. Empfohlen wurde uns ein kleines traditionelles Restaurant.

Darüber, über den Lorbeerwald und mehr geht es im nächsten Bericht.

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