La Gomera – Vulkane und Wälder

am

Traditionelles Essen, verbrannter Lorbeerwald, verschlafene Hauptstadt

Kanaren und Kapverden, Reisebericht 2

Mittagszeit auf La Gomera. Über Serpentinen geht es hinunter zu einem kleinen Städtchen, das unter uns in einem Taleinschnitt liegt. Für das Mittagessen haben wir uns von unserem Autoverleiher ein typisches Restaurant empfehlen lassen – nachgefragt haben wir nach einem Restaurant, in das er selbst auch gerne zum Essen ausgehen würde.

Mitten im kleinen Städtchen Vallehermoso zwängen wir uns geradezu durch die engen Straßen und landen in einem ziemlich rustikalen Restaurant namens El Carraca, in dem viele Einheimische und auch ein paar wenige Touristen sitzen und essen. Empfohlen werden uns Steak und Fisch von der Tageskarte – und das bestellen wir auch, dazu eine kleine Vorspeise und ein Salat.

Was zur Überbrückung der Wartezeit kommt, knuspriges Brot und Mojo, das sind Saucen, die richtig gut schmecken – einmal grün, kräuterig und ziemlich verknoblaucht, dann cremig weiss, aromatisch, zitronig, und dann noch rot, feurig und scharf. Die frittierten Bällchen als Vorspeise sind schmackhaft, aber nicht so richtig einzuordnen – ist es Kartoffelteig mit Mandelstückchen? Sicher ist nur, dass das außen rum Sesam ist. Dann der Hauptgang – unglaublich.

Der Tisch wird vollgepackt. Ein geradezu riesiges Rindersteak, bestens gebraten, nur ein wenig Salz drauf, und vor allem einem Geschmack, den man nur als hervorragend, kaum zu übertreffen bezeichnen kann. Ein ganzer großer Fisch, lecker vom Grill, auf den Punkt genau zubereitet – was für ein Fisch es war, keine Ahnung, aber äußerst schmackhaft. Dazu Patatas Arrugadas, kanarische Kartoffeln, mit Schale im Meerwasser oder zumindest mit Meersalz so gegart, dass sie von einer leicht salzigen Kruste überzogen sind, eine Schüssel Salat, und für Super-Hungrige waren wahrscheinlich die Pommes gedacht, die dann auch noch aufgetischt wurden. Ein wirklich ausgezeichnetes Mittagessen, und das alles nicht zum Touristenpreis …

Von Meereshöhe aus geht es auf wenigen Kilometern hinauf zum Garanjonay Nationalpark, ein Naturschutzgebiet mit einem der größten Lorbeerwälder Europas. Der Park umfasst die Inselmitte, somit den Vulkankegel, mit 1487 Metern die höchste Erhebung der Insel. Die Passstraße führt uns hinauf auf über 1300 Meter über Meer, auf der Landkarte angesehen eine Luftlinie von nicht mal 10 Kilometern – an Straßenkilometern unglaublich viele, vor allem kurvige.

Irgendwann stellen wir fest, dass wir mit unseren vielen Stopps, weil eben die Aussichten so begeisternd sind, gerade mal auf einen Stundendurchschnitt von 10 Kilometern kommen – wenn es so weitergeht, müssen wir uns gegen Ende des Tages noch auf der Rückfahrt beeilen.

Im Nationalpark zeigt sich uns ein fast undurchdringbarer Dschungel von jüngeren Bäumen und Büschen.

Weiter oben angekommen ist alles sehr nass und feucht, sogar die Straße, obwohl es nicht regnet, sondern nur wolkenverhangen ist. Aber genau diese Wolken sind es, die im Nationalpark für diese hohe Feuchtigkeit sorgen. Immer wieder ragen bizarre große Bäume über diesen Buschwald, zum Teil schwarz wie verkohlt, zum Teil grau wie ausgebleicht.

Im Nationalpark wütete 2012 ein großflächiger Waldbrand, der die Lorbeerwälder ziemlich zerstörte. Was wir jetzt sehen, ist der junge Lorbeerwald, der sich von selbst nach dem Waldbrand entwickelt hat, und von dem es heißt, es würde etwa 100 Jahre dauern bis zur vollständigen Regeneration des Waldes bis zum Zustand wie vor dem Brand. Zwischendurch sehen wir einige große, mächtige und merkwürdig zerzauste kanarische Kiefern; diese überstehen auch größere Waldbrände und treiben aus verkohlten Stämmen und Ästen wieder aus.

Wir machen einen kurzen Spaziergang im Lorbeerwald – ein dichter Wald mit vielfältigster Vegetation, vor allem natürlich Lorbeerbäume. Überall am Boden sprießen Lorbeerbäume und -büsche. Ein zerknülltes und verriebenes Blatt von einem der Bäume bringt intensivsten Lorbeerduft.

Im Wald herrscht eine enorme Luftfeuchtigkeit; es ist richtig nass-kalt, was uns noch mehr auffällt, weil wir aus der trockeneren Region an der Küste kommen. An den meisten Bäumen sieht man Flechten, einschließlich der ziemlich gespenstisch aussehenden Bartflechten.

Die Luft ist so feucht, dass die Blätter der Bäume nass sind und es von den Bäumen tropft. Es verbleibt bei uns bei einem nur kurzen Spaziergang.

Die Wege sind einfach zu nass und glitschig – es ist alles interessant und abenteuerlich, aber auch ein wenig ungemütlich.

Der Rückweg nach San Sebastian bringt uns ein echtes Kontrastprogramm. Wir kommen aus einem feuchten, kühlen und nassen Lorbeerwald, fast so etwas wie ein kleiner Regenwald, und sind nach wenigen Kilometern in Richtung Süden in einem Inselgebiet, das schon sehr lange keinen Regen mehr gesehen hat.

Fast der komplette Bewuchs ist struppig-braun und niedrig; die Disteln ragen ein wenig darüber, und streuen ihre Samen aus. Ganz vereinzelt sieht man eine Kanaren-Kiefer oder eine Palme, die ein wenig grünen Akzent liefert. Alles, was am Boden ein wenig Grün liefert, sind Wolfsmilchgewächse – aber auch die haben sich in die wenigen schattigen Nischen verzogen.

Unglaublich, wie eine kleine Nebenstraße, die wir fahren, in den Fels eingeschnitten ist – auf der einen Seite fällt der Hang so steil ab, dass anscheinend die Straße manchmal abrutscht, auf der anderen Seite ebenfalls steil und voller Geröll, das sich in größeren Brocken auch auf der Straße wiederfindet, und immer wieder ist die Straße direkt in die Felswände eingeschnitten.

Zurück im San Sebastian machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die größte Stadt La Gomera’s, ein eher verschlafenes kleines Örtchen mit ein paar Geschäften. Zwischen eher hässlichen Neubauten sieht man vor allem in den Seitenstraßen noch die kleinen Wohnhäuser aus der Kolonialzeit im portugiesischen und spanischen Stil.

Vieles ist verfallen, aber man sieht auch an den vielen Baustellen, dass sich die Stadt wieder auf ihre Vergangenheit besinnt. Es wird renoviert. Im Zentrum steht noch eine sehr alte Kirche, die schon im 15. Jahrhundert errichtet worden sein soll; ein Portalstein weist auf das Baujahr 1648 hin. In einem Seitenschiff fällt ein uraltes Wandgemälde aus der Mitte des 18. Jahrhunderts auf – mit Segelschiffen, die offensichtlich heftig in eine Seeschlacht verwickelt sind.

Am meisten beeindrucken im Stadtbild tatsächlich die riesigen Ficus-Bäume in der Ortsmitte und der Platz vor dem Rathaus.

Die Fahrzeugabgabe zeigt sich wie immer bei den kleinen lokalen Verleihern höchst einfach – wir kommen eher versehentlich am Büro von „gomeracar“ vorbei und übergeben den Schlüssel; abgesprochen war, das Auto einfach im Hafen abzustellen und den Schlüssel unter die Matte am Fahrersitz zu legen.

Am Hafenbereich vorbei, in dem einige wenige Fischerboote und ziemlich viele Segelyachten liegen, geht es nun zu Fuß vorbei zu unserem Schiff.

La Gomera hat uns sehr begeistert – vor allem die vielfältige Landschaft. Auch hier hat sich sicherlich im Laufe der Jahrzehnte viel verändert. Aber dadurch, dass La Gomera zwar über sehr schöne Küstenabschnitte, aber nicht über die von Touristen so beliebten Sandstrände und auch nicht über einen Flughafen verfügt, konnte die Insel ihren Charakter bewahren.

Jetzt sind erst einmal zwei Seetage angesagt bis zu den Kapverden, über die wir im nächsten Reisebericht erzählen.

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