Praia – Menschen und Marktleben

am

Qualität an Marktständen, stilvolle Einheimische, abschreckende Touristen

Kanaren und Kapverden, Reisebericht 4

Wirklich beeindruckend ist wie so oft wieder einmal der Markt. Es heißt immer wieder, die Kapverden seien karg, das Angebot sei begrenzt. Aber was auf diesem Markt an Vielfalt, Qualität und Frische zu sehen ist – da wäre man hoch begeistert, wenn man so etwas Zuhause irgendwo finden würde.

An den Marktständen sieht man Bananen, und zwar unterschiedlichste Sorten, daneben Orangen, Zitronen, Grapefruits, die nach dem aussehen, was die Natur freiwillig heranwachsen lässt. Äpfel, Avocados, Granatäpfel, Chirimoya, Passionsfrüchte, Melonen, Birnen – kaum etwas, was man vermissen könnte.

Beim Gemüse fallen Tomaten in großer Vielfalt auf, in Gartenqualität, sonnengereift, daneben Paprikas, die schon beim Vorbeigehen duften. Karotten gibt es in allen möglichen Formen und Farbschattierungen; sie sehen aus wie früher die aus Opas Garten. Süßkartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Spitzkohl, Weißkohl, Brokkoli, Zucchini, Kürbisse, Sauergurken, Auberginen, Radieschen, Zwiebeln und Kräuter sind zu sehen, natürlich auch die für uns eher ungewöhnlichen Dinge wie Yams oder Maniok. Bunte und weiße Bohnen stehen getrocknet in Säcken zum Verkauf. Mais gibt es als weiße oder gelbe Körner, auch als Maisgrieß in unterschiedlichster Körnung.

Eine ältere Dame hat einen Verkaufstisch mit einer Auswahl wie frisch aus einem großen Bauerngarten. Als sie bemerkt, dass ich mich interessiere, freut sie sich, zeigt mir verschiedene Gemüse, lässt mich daran schnuppern, sagt mir den kreolischen Namen dafür, ist dann erfreut, wenn ich ihr den Namen in Deutsch sage. So geht es ziemlich lange hin und her – und ich weiß wieder, dass Karotten riechen, dass verschiedene Tomaten oder unterschiedliche Paprikas auch am Geruch erkennbar sind, und so weiter.

In einem kleinen Marktbereich wird Fisch verkauft, auf der gegenüberliegenden Seite ist der Fleischzerleger. Hier geht es im Verkaufsraum nicht um kleine Stücke, hier werden mit der großen Axt richtige Teile zerlegt. Vor dem Verkaufsraum stehen Verkäufer, die für diejenigen sorgen, die keine Möglichkeit haben, das gekaufte Fleisch zu kühlen – hier werden Fleisch- und Speckstücke dick mit Salz gepökelt und angeboten. Mitten im Markt wird gegessen. Was man in den Töpfen und auf den Tellern sieht, scheint deftige Hausmannskost zu sein.

Nach einem solchen Gang über den Markt hat man den Überblick über all das, was auf den Inseln wächst und gegessen wird. Mais und Bohnen, die Grundlage für das Alltagsgericht Cachupa, den Eintopf; Brotfrüchte, die gekocht und gebraten werden; Yamswurzeln, die nur als Brei oder Fladen zubereitet gegessen werden können, weil sie sonst toxisch wirken; Maniokwurzeln, die aufgrund eines hohen Blausäuregehalts giftig sind, aber wenn das davon gewonnene Mehl in der Sonne getrocknet wird, essbar werden; Kochbananen als stärkehaltige Mahlzeit, andere Bananen als süße Alternative; Kohl, Süßkartoffel und Karotten als Gemüse; Tomaten, Paprika, Peperoni, Knoblauch, Kräuter und mehr zum genießen und für den Geschmack. Fisch wird viel angeboten, scheint aber nicht günstig zu sein. Fleisch dürfte, wie wir das Einkaufsverhalten gesehen haben, für besondere Anlässe vorgesehen sein.

Vor dem Markt machen wir noch eine etwas andere Pause – auf einer Treppenstufe, einfach um das Geschehen auf der Straße ein wenig zu beobachten. Unterwegs sind fast schon störend viele Touristen, zumindest für diese kleine Stadt ist selbst so ein kleines Schiff eine große Nummer, und all die Einheimischen.

Leider fällt es uns erst später ein, dass man zur folgenden Beobachtung gezielt einige Fotos anfertigen sollen hätte. Daher gibt es hier nur einige mehr oder weniger gute Bildausschnitte, mit Eindrücken davon, was zufällig auf Fotos gelandet ist, die mit ganz anderer Motivwahl angefertigt wurden.

Auffallend waren zunächst vor allem zwei Dinge. Zum einen fallen unter den Einheimischen die Männer so gut wie gar nicht auf. Gut, es sind nicht ganz so viele unterwegs wie Frauen und Kinder – aber die Männer sind im Straßenbild so unscheinbar als wären sie gar nicht vorhanden.

Aber die Frauen, auch die Mädchen. Allesamt sehr schick, elegant, auffallend, irgendwie modisch angezogen, vor allem auch sehr körperbetont. Die Haare in unterschiedlichen Frisuren, hoch gesteckt, geringelt, geflochten, mit Bändern oder Perlen verziert. Einfach von Kopf bis Fuß gestylt oder zumindest gut angezogen – und so bewegen sie sich auch durch die Straßen. Wie auf dem Laufsteg. So ziemlich alle Altersgruppen. Auch die Frauen, die im Markt arbeiten, aber die sind nicht in „Ausgeh-Kleidung“, sondern mit „Arbeits-Kleidung“.

Leider ist uns etwas nicht in den Sinn gekommen, was man auch tun sollen hätte – nämlich ausnahmsweise Touristen fotografieren. Was wären da für herrliche Fotos entstanden. So gibt es nun leider nur Bildausschnitte von all dem, was sich versehentlich auf unseren vielen Bildern verirrt hat.

Kommen nämlich Touristen vorbei, ob Frauen oder Männer, ist das eher zum „Fremdschämen“.

Schlabberige T-Shirts mit Ringelfalten oder gar sogenanntes Axel-Shirt; kurze Hosen, die den Blick auf bleiche und ältere Beine verschönern; relativ durchsichtige weiße Hosen, die zwischen den Backen klemmen; „oben ohne“ – bei dem, was zu sehen sein könnte, „zum Glück“ nur bei Männern; Radlerhosen, die das Überquellen verschiedener Dinge auch nicht verhindern können; Blusen, die offensichtlich demonstrieren, dass man sich als „Michelin-Mädchen“ bewerben möchte; dazu Schlabberschuhe oder Wanderstiefel, auf jeden Fall der Rucksack.

Da bleibt nur die nicht weiter zu kommentierende Aussage: Reiche Touristen, arme Bevölkerung. Die einen haben Stil, die anderen nicht.

Unser Spaziergang führt durch so ziemlich alle Straßen des Städtchens. Wirklich viel gibt es nicht zu sehen. Ein wenig exemplarisch ist das sogenannte Ethnologische Museum. Das lässt sich kurz und knapp so zusammenfassen: Ein Stadthaus mit ein paar einsamen Exponaten – gut gemeint, braucht aber noch Zeit, bis das wirklich so etwas wie ein Museum ist. In so ziemlich jedem Wohnhaus der Frauen, die auf dem Markt verkaufen, dürften ältere, typischere und interessantere Gegenstände zur Kultur der Kapverden versammelt sein.

Irgendwie merkwürdig – wenn man durch die Straßen von Praia geht hat man den Eindruck, als hätten die Menschen die Mimik abgeschafft, sich einen starren Gesichtsausdruck antrainiert. Wo man hinsieht, ob jemand spazieren geht, mit anderen spricht, irgendetwas einkauft, eine schwere Last auf dem Kopf trägt, selbst wenn heftig diskutiert wird, verändern sich die Gesichtszüge kaum und stehen mehr auf „ernst“. Auch die Wahrnehmung anderer scheint „im Alltagsbetrieb“ etwas ausgeblendet zu sein.

Eigentlich hatten wir eher afrikanische Lebensfreude und Überschwenglichkeit erwartet – nicht unbedingt gegenüber Touristen, sondern untereinander. Etwas anders zeigen sich vor allem die älteren Frauen. Grüßt man, ändern sich die Gesichter – es wird gelächelt und ein Gruß kommt zurück. Wie vorher auf dem Markt: Zeigt man Interesse, wird Kontakt aufgenommen

Weiter auf dem Weg durch die Stadt kommen wir an eine Treppe, die hinunter führt in den unteren Stadtbereich.

Ziemlich viele Leute gehen auf und ab – sehen wir also mal nach, was es da zu entdecken gibt. Darüber geht es im nächsten Bericht.

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