Praia – mitten im Leben

Kaufhaus auf afrikanisch, Essen beim Bodyguard, Familienfischerei

Kanaren und Kapverden, Reisebericht 5

Für uns geht es heute weiter durch die Straßen und Gassen von Praia, der Hauptstadt der Kapverden. In der Nähe des hinteren Ausgangs der Markthalle scheint sich ein Künstler niedergelassen zu haben.

Die Wände und Zäune sind bemalt; beim näheren Hinsehen bemerken wir auch, dass die Treppenstufen, die hinunter zu einem weiter unten liegenden Stadtviertel führen, auch bunt bemalt sind.

Die Treppe ist gut belebt; viele Menschen gehen auf uns ab, auch ein paar Händler haben sich auf den Stufen niedergelassen. Dort unten scheint nochmals ein Markt zu sein – und wir steigen hinunter.

Vor der Halle sehen wir zuerst einmal einen Schuster; der repariert Lydias kaputten Schuh. Nebenan werden von einigen Frauen Hühner, Enten und Schweine verkauft, die Frauen recht schlapp in der Sonne sitzend, die Tiere gefesselt und ebenso schlapp in der Sonne liegend.

In der Halle dahinter erwartet uns zunächst all das, was auch bei uns Zuhause auf Jahrmärkten zu finden ist – Unmengen billige Unterwäsche, Schuhe, Socken, T-Shirts, Hemden, Hosen, Kleider, die Kleinwaren im Mehrfachpack, alles ziemlich bunt. Dazwischen ist immer mal wieder ein Obst- oder Gemüseverkäufer zu sehen; es scheint die Billig-Importware zu sein.

Und dann ein riesiger Bereich mit Second-Hand-Kleidung; hier kommt sicherlich ganz vieles von dem an, was bei uns Zuhause in den Containern landet und auf welchem Wege auch immer kommend dann auf den Kapverden in den Verkauf gelangt. Und was denjenigen das Leben schwer macht, die im letzten Drittel der Halle versuchen, ihr Geschäft zu machen.

Hier sind unzählig viele Schneider. Jeder von ihnen hat ein paar Quadratmeter Halle, eine Nähmaschine, manchmal manuell, manchmal elektrisch. Um sie herum hängt all das, was sie produziert haben; irgendwo liegt immer ein Stapel mit Stoffen. Alles ist herrlich bunt; sie verarbeiten allesamt die typischen afrikanischen Stoffe. Wenn wir es richtig beobachten, arbeiten sie auch in Auftrag. Aber auf Dauer werden sie bei all der asiatischen Billigware und der europäischen Second-Hand-Ware kaum eine Chance haben, zu überleben.

Aus dem Markt heraus, der sich, wie uns später „maps“ sagt, Mercado de Sucupira nennt, geht es wieder in Richtung Stadt, aber nicht die Treppe hoch, sondern auf einem kleinen Umweg. Wir wollen noch eine Kleinigkeit essen, möglichst dort, wo auch Einheimische essen, wissen aber nicht recht wo.

Mehr versehentlich stolpern wir an einem kleinen Restaurant vorbei, als solches nicht direkt von außen erkennbar. Aber durch die offene Tür sehen wir ein paar Leute vor Tellern sitzen, etwas weiter hinten im Raum eine Bar mit Durchblick in die Küche, alles sehr einfach und rustikal. Wir schauen rein – und werden gleich per Handschlag von einem Zwei-Meter-Mann begrüßt, so ein wenig Muskelmann mit Wrestling-Qualitäten. Wir sollen uns doch setzen, es gäbe ein gutes Essen – seine Schwester würde kochen.

Zuerst werden wir mit Getränken und Lebensgeschichte versorgt, über Frau und Kind, den Job als Bodyguard, dass er eigentlich in Nairobi arbeitet und hier sei wegen der Hochzeit seiner kleinen Schwester, und so weiter. Alles nett und unterhaltsam. Das Essen ist ein Hühnerbeinchen mit viel Reis und Pommes; ordentlich gekocht, das Huhn sicherlich für kapverdische Verhältnisse etwas richtig Gutes, bei uns wäre es gerade für eine Suppe durchgegangen. Unserem Bodyguard gefällt unser Gespräch so sehr, dass er uns am liebsten durch die Stadt begleiten würde. Aber so richtig in unserem Sinne ist das nicht, wir ziehen alleine weiter, und wir hoffen, dass er das versteht.

Nochmals geht es auf eine Runde durch die Stadt. Noch sind wir im Außenbereich; entlang der Straße wird Obst und Gemüse verkauft, auf einem Parkplatz mit ein wenig Grün stehen Autos und auch Ziegen.

Ein mit Planen überdachter Weg, der zur Innenstadt führt, dient auch als Marktplatz. Eine Straße weiter wird frisiert – draußen, vor den Geschäften, auf dem Fußgängerweg.

Weiter geht es für uns über inzwischen altbekannte Straßen und den Markt. Dort wird an den Ständen noch gegessen; aber es sind eher die Nachzügler, die jetzt noch kommen – darauf verweisen zumindest die fast durchwegs ziemlich geleerten Töpfe.

Immer wieder sieht man in der Stadt Schüler, die großen allein unterwegs, die kleinen in Gruppen und in Schuluniformen.

Zu unserer Überraschung entdecken wir mitten in der Stadt noch ein Gebäude, das weitgehend mit chinesischen Schriftzeichen beschildert ist, offensichtlich kein Lebensmittelgeschäft. Wir schauen interessiert die Infotafeln an, und werden sogleich von einem jungen Mann angesprochen, der uns hinein bittet und der einiges erzählt. Zu unserer Überraschung handelt es sich um ein Universitätsgebäude; die Universität in Praia wird anscheinend unterstützt durch China, und man kann auch Mandarin als Fremdsprache studieren.

Noch einmal trinken wir einen Kaffee, im gleichen Cafè wie am Morgen, da nur das an unserem Weg liegt. Die junge Frau im Service ist noch schlechter drauf als am Morgen. Und dann geht es den nicht ganz kurzen Weg zurück zum Schiff.

Vor dem Fischereihafen werden vom Lastwagen herunter noch Fische verkauft. Sie scheinen gefroren zu sein oder sie lagen schon länger auf Eis. Die Frauen um die großen Fischbehälter herum kreischen und schreien und zanken; es ist so in etwa die Stimmung wie an einem Wühltisch beim Schlussverkauf, bei dem es angeblich alles günstiger gibt.

Auch das Tor zum Fischmarkt steht noch offen. Wir schauen hinein – jetzt geht es ohne Eintrittskarte. Alles ist inzwischen sehr aufgeräumt. Vor einem Boot sitzt ein junger Fischer und putzt noch seinen letzten Fang. Er zeigt uns seine verschiedenen Fische und nennt uns deren Namen. Als wir uns weiter umschauen, werden wir von einem anderen jungen Fischer angesprochen.

Auch er zeigt uns seinen Fang; er scheint später zurückgekommen zu sein, da der Bestand noch ziemlich groß ist. Bei ihm steht ein fast voller Behälter voller großer und kleiner Fische in verschiedensten Farben. Die meisten schillern in verschiedenen Rot-Tönen, die farbenfrohesten leuchten geradezu in einem intensiven orangerot mit türkisen, leicht schwarz umrandeten Punkten. Ein Kugelfisch liegt eher unbeachtet auf dem Boden – er ist wohl als unbrauchbar eingestuft.

Eine ältere Dame ist am Putzen von Fischen; er stellt sie uns als seine Mutter vor. Daneben steht die Tante, dann kommt noch der Bruder, und dann erfahren wir noch, dass der Bruder aktuell einen Sohn bekommen hat. Die Mutter stellt uns alle Fische mit Namen vor – leider lässt sich das alles nicht verstehen und merken. Was für uns überraschend war: Viele der Fische werden mit Speer oder Harpune gefangen; der Fischer zeigt uns die Stelle am Kopf, wo er treffen muss. Der andere Teil des Fangs erfolgt mit Angelhaken, die an langen Schnüren hängen, und mit Netz.

So endet unser erster Tag auf den Kapverden – ein Tag mit vielen Entdeckungen, ambivalenten Eindrücken, und einem Abschluss, der noch einmal die schönen Seiten von Praia gezeigt hat.

Am nächsten Tag werden wir in Sao Vicente sein. Dort werden wir schauen, dass wir ein wenig mehr von der Insel mitbekommen, nicht nur von der Stadt. Wir werden einen Ausflug machen.

In unserem nächsten Bericht wird dann um die kleine Inselhauptstadt Mindelo, ein wenig über das Alltagsleben auf der Insel und über die grünen Berge, denen es an Wasser mangelt, gehen.

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