Teneriffa – zerklüftet, farbig, schneebedeckt

am

Buschige Kiefern, karge Vulkane, weißer Teide
Kanaren und Kapverden, Reisebericht 9

Teneriffa – viele Menschen, Würstchen und Sauerkraut, Strände, Wohnblöcke, große und oft hässliche Hotelanlagen, mehr oder weniger öde Vergnügungsparks in Touristenzentren, manchmal ein Schiff mittendrin, im Hintergrund immer Berge, oft der Teide, der mit seinem meist schneebedeckten Gipfel alles überragt.

Das ist Teneriffa, die beliebteste Kanaren-Insel. Alles sehr begrenzt begeisternd, fährt man nur durch die Touristenorte, die sich vor allem entlang der Küste aufreihen. Aber es gibt auch das andere Teneriffa – grün, bergig, vielfältig, ursprünglich und abwechslungsreich.

Unser Schiff, die AIDAcara, liegt im Kreuzfahrthafen von Santa Cruz. Das Schiff neben uns kommt uns vor wie ein Riese – es ist die Ventura von P&O Cruises. Aber nach heutigen Maßstäben gehört es auch zu den kleineren Kreuzfahrtschiffen, für maximal etwa 3.600 Passagiere …

Wir machen uns nach Ankunft in Santa Cruz auf zu „Cicar“, dem Autoverleiher auf den Kanaren, und schnappen uns wie immer schnell und völlig unkompliziert ein Fahrzeug, und dann geht es auf ins „grüne Teneriffa“. Auf kleinen Nebenstraßen soll es zunächst zum Teide gehen, dann durch die zerklüfteten Bergketten im Norden, in den Parque Rural de Anaga. Ziemlich schnell steigt das Gelände ab dem Stadtrand bergauf. Zunächst sieht man hinunter auf Santa Cruz. Kurz darauf schon liegen unter uns bereits die kleinen Städte und Orte entlang der Küste und an den Berghängen.

Dann führt die Straße in Richtung Inselmitte, zum Monte de la Esperanza. Entlang der Straße und verstreut in den Kieferwäldern stehen mächtige Eukalyptusbäume, die Stämme aufgrund dessen, dass sie ständig ihre Rinde abwerfen, ziemlich zerfleddert und scheckig aussehend.

Vielen der kanarischen Kiefern sieht man an, dass sie schon Waldbrände überstanden haben; von diesen Kiefern verbleiben nach Waldbränden nur die verkohlten Stämme, aber diese wachsen weiter und treiben neu aus. So stehen zwischen „normalen“ Baumformen viele Büschelbäume, bei denen neue kleine Äste aus den verkohlten Stämmen ausgetrieben haben.

So ein wenig schauen diese Bäume aus, als würden sie aus lauter grünen Knäueln bestehen. Die Baumstämme wirken wie Kunstwerke – die neu gebildete, rissige Baumrinde in allen erdenklichen Brauntönen, die oberste Schicht fast zu einem Weiß ausgeblichen, aufliegend auf brauner oder schwarz verkohlter Grundlage.

Die Kiefern schildern geradezu ihre Lebensgeschichte – neben der typischen Gestalt dieses Baumes sieht man unterschiedlichste Formen, wie sie sich nach Waldbränden, Wind und Wetter ergaben, ob Jungbäume, die aus verkohlten Baumstümpfen heraus wachsen, extrem schräg stehende Bäume, Zweige als Nadelbüschel oder kleine Äste, die Schlingen bilden. Erstaunlich, der Überlebenswille dieser Kiefern; ob aus Baumresten oder aus Wurzelstöcken, die nach dem Fällen eines Baumes stehen blieben – sie treiben weiter aus.

In farblich schönstem Kontrast zeigen sich die intensiv grünen Bäume, der strahlend blaue Himmel und bei Felsabbrüchen oder Straßeneinschnitten das Gestein in allerhand Brauntönen. Je mehr wir in die Höhenlagen kommen, desto öfters sieht man den Bäumen an, dass sie eigentlich in einem eher nass-kalten Gebiet wachsen. Die Baumstämme sind voller Flechten, von den Ästen und Zweigen hängen Bartflechten herunter, oft meterlang.

Aber all das ist ziemlich vertrocknet – die Kanaren leiden unter einer großen Trockenheit. Die sonst in der Winterzeit üblichen Regenfälle sind weitgehend ausgefallen. Die Straßen sind voll von herunter gefallenen, trockenen Fichtennadeln und Flechten, die vom Wind zu kleinen Anhäufungen zusammengetragen werden.

Immer weiter geht es in Richtung Pico de Teide, mit 3.718 Metern nicht nur der höchste Berg der Insel, sondern Spaniens, der alles überragt und der immer wieder in Sicht kommt, sobald sich der Wald lichtet. Obenauf liegt Schnee. Immer höher hinauf geht es auf den kleinen schmalen Straßen, mitten durch den Wald. Entlang der Strecke gibt es immer wieder das Schild „Mirador“ – und somit endlich wieder eine Gelegenheit, an einem befestigten Aussichtspunkt anzuhalten und etwas ausgiebiger die Landschaft zu schnuppern.

Schon bald haben wir die ungewöhnliche Situation: Über uns der blaue Himmel, und am Hang unterhalb von uns eine geschlossene Wolkendecke, wie man sie sonst nur aus dem Flugzeug sieht.

Unglaublich, wie schnell es auf kürzester Strecke hoch hinauf in die Berge geht – wir sind am Mirador Montaña de Limón, auf etwa 2.000 Metern angekommen; von hier aus haben wir einen herrlichen Blick auf den Teide und die Lava- und Aschefelder ringsum.

Man ist regelrecht auf den Teide fixiert, der mit seiner weißen von Schnee bedeckten Spitze aus den sattgrünen Wäldern und den braun-dunklen Lavafeldern herausragt, darüber der strahlend blaue Himmel. Weiter unten am Berg sieht man die schmalen Straßen, über die man gekommen ist, weit unten die Städte und die Küste, und über den Wolken ragen die naheliegenden anderen kanarischen Inseln heraus.

Die Straße ist immer wieder einmal in den Berg eingeschnitten. Dabei zeigen sich unglaubliche Farbmuster. An einem Straßenstück, das wir durchfahren, sind es schräg liegende Streifen von hellstem Beige bis zu intensivem Schwarzbraun.

Oben auf dem Teide, aber noch vor der schneebedeckten Bergspitze, steht auf etwa zweieinhalb tausend Metern Höhe das größte und modernste Sonnenobservatorium der Welt.

An den Hängen des Teide sieht man schon aus der Entfernung die verschiedenen Gebäude, alle glänzend weiß, ein enormer Kontrast mit den dunklen Berghängen und blauem Himmel. Eine irgendwie futuristische Szenerie, könnte auch die Kulisse für einen Film sein. Unsere Straße führt an diesen Gebäuden vorbei, die etwas verstreut in den Hängen liegen.

Das nächste Mal, wenn wir auf Teneriffa sind, werden wir auch Zeit für eine Besichtigung dieses Observatoriums einplanen – was fast täglich nach Voranmeldung möglich ist. Bei dieser Besichtigung kann man unter anderem über zwei Sonnenteleskope Sonnenflecken und Sonnenstürme betrachten. Nebenbei: Im Observatorium von Teneriffa wurde zum Beispiel entdeckt, dass die Sonne einen eigenen Puls hat, der ähnlich wie ein Herz alle 5 Minuten schlägt.

Hier oben in den Bergen gibt es längst keine höheren Bäume mehr. Insgesamt zeigt sich niedriger Bewuchs, zwischendurch stehen einsam einige baumhohe Agavenblüten, und was sich sonst als Baum entwickelt, sind niedrige, verholzte und nur selten grüne Büsche. Verstreut in dieser Landschaft sind wie eingestreut kleine und größere Vulkankegel zu sehen.

An der Straße steht irgendwann ein Hinweisschild, dass wir 2.330 Höhenmeter erreicht haben; kurz darauf überholen wir einen Radfahrer, der zügig den Berg hoch strampelt. Je höher wir kommen, desto häufiger liegen rechts und links der Straße Schneeflecken. Zum Observatorium geht es weiter bergauf.

Oben vom Berg hat man einen herrlichen Rundumblick, hinein in die Berglandschaft und ebenso hinunter zur Küste. Auf einer engen, in die Hänge oft hineingeschnittenen Serpentinenstraße geht es wieder hinunter in Richtung Küste.

Die Felsen zeigen jetzt ganz andere Abbrüche und Farben als vorhin. In den Berghängen sind öfters Aushöhlungen und Eingänge zu sehen.

Einige der Höhlen und Ausbuchtungen sehen aus wie Unterstände für Tiere; die Eingänge in die Felsen, die zum Teil mit massiven Holztüren verschlossen sind, weisen eher auf Aufbewahrungs-, wenn nicht auf Wohnzwecke hin.

Am Straßenrand stehen Kakteen, einige sind über und über voll mit reifen Kaktusfeigen – schade, alle sind natürlich viel zu stachelig, und ohne irgendein Besteck oder einen Schutzhandschuh ist nicht an ein schnelles Naschen zu denken. Die Weihnachtssterne, die überall zu sehen sind, haben bei uns das Format einer Topfpflanze – hier sind es meist riesige Büsche.

Es geht weiter den Berg hinunter, Richtung Santa Cruz, um zum Parque Rural de Anaga zu kommen; dazwischen ist noch ein Mittagessen vorgesehen – aber dazu mehr im nächsten Reisebericht.

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