London 1976 – St. Pauls, Regents Park, und ein Rückflug im Oldtimer

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Ein wieder entdeckter Reisebericht – Rückblick Teil 3

Flohmärkte, Pubs und ungewöhnliches Essen. Buckingham Palace, Tower, Tower Bridge und das British Museum. Parkanlagen und eine Speakers Corner, wo ein jeder einfach darüber öffentlich redet, was gerade so in den Sinn kommt.

London 1976, eine unglaubliche Metropole, vor allem wenn man aus dem eher beschaulichen Süddeutschland kommt. Hier kommt der letzte Teil des wiederentdeckten Reiseberichts.

30. Juli 1976:
St. Pauls Cathedral, Parkanlagen und ein Abend im Kino

Wir fuhren mit der U-Bahn zur St. Pauls Cathedral, einer in der Renaissance entstandenen Kirche. Sie ist der Bischofssitz von London.

Am eindrucksvollsten war der Chor. Die gesamte Decke bestand aus Mosaik-Gemälden. Schade, daß man nicht näher an sie herankam und sie genauer unter die Lupe nehmen konnte. Zuerst mußte man einfach mal stehen bleiben und das Ganze auf sich wirken lassen, und erst dann konnte man die Blicke schweifen lassen und die Augen auf Einzelheiten richten. Über der Vierung war eine riesige Kuppel.

Toll war, daß um die gesamte Kuppel herum eine Galerie führte. Durch einen Seitenturm erfolgte der Aufstieg, und dann konnte die Kirche von oben betrachtet werden. Von hier hatten wir einen herrlichen Blick auf den gesamten Innenraum.

Nach einem Rundgang auf der Galerie stiegen wir weiter in die Höhe. Rund um die Kuppel lief außerhalb wieder ein Weg, weiter oben war eine kleine Aussichtsplattform. Von hier aus hatten wir eine Aussicht über ganz London. Die Weitsicht war aber an diesem Tag wirklich gut.

Nach dem Abstieg war mittlerweile ein Chorkonzert im Mittelschiff. Ein Weilchen hörten wir zu, doch dann begaben wir uns auf den Weg zur Gruft. Die ganze Kathedrale ist unterkellert. Hier liegen die Gräber von englischen Berühmtheiten, unter anderem von Sir Christopher Wren, dem Erbauer der Kirche. Außerdem ist ein 18 Tonnen schwerer geschnitzter Totenwagen zu sehen, der zur Überführung des Herzogs von Wellington diente.

Anschließend gingen wir durch die Fleet Street, in der alle bedeutenden Zeitungen gedruckt werden. Am nettesten war das Schaufenster des „Evening Standard“, es war nämlich voll von Olympia-Karikaturen; ein Schwimmer mit Flossen und Haifischgebiss, eine Dreisprungzeichnung mit einem Sportler, der drei Füße hat, und noch viele andere.

Der Temple, der auch in der Fleet Street liegt, gehört zu den älteren Londoner Bauwerken, in ihm ist jetzt die Ausbildung von Rechtsanwälten untergebracht. Danach marschierten wir quer durch den Regents Park.

Dietmar hatte die Idee gehabt, daß wir eigentlich anstatt Denkmäler und ähnlichem doch mal Tiere anschauen könnten. Und so wanderten wir auf den Zoo zu, der sich am nördlichsten Zipfel des Regent Parks befindet. Aus dem Zoo wurde aber nichts, wir ließen uns von den hohen Eintrittspreisen, umgerechnet fast 7 DM, abschrecken.

Als Ersatz betätigten wir uns körperlich, wir ruderten. Im Regents Park ist ein größerer Teich, der durch die schönsten Anlagen führt. Schwierigkeiten hatten wir mit unserem Ruderboot; wenn man sich richtig ins Zeug legte, sprangen die Ruder aus der Führung. Einmal katapultierte michs fast aus dem Boot hinaus. Wie auf den Bildern zu sehen ist, ist der Tümpel sehr belebt, weniger von Menschen, sondern von entenähnlichem Getier. Nach unserer Ruderpartie ließen wir uns mit der U-Bahn ins Hotel zurückbringen.

Für den Abend hatten wir vor, ausnahmsweise nicht in den Pub zu gehen, sondern uns einen Film im Kino anzuschauen. In einem der vielen „Odeons“ wurde „One flew over the cockoo’s nest“ gespielt, den Film hatte ich in Deutschland schon gesehen. Die Sprachschwierigkeiten stellten sich somit weniger ein. Am Kino angekommen, waren wir zuerst einmal von den niedrigen Eintrittspreisen erstaunt.

Die große Überraschung stellte sich jedoch ein, als wir in de Vorführraum kamen. Kein Raum mehr, sondern ein riesiger Saal, vergleichbar mit dem Ulmer Theater; die Leinwand hatte vergleichbare Größe mit dem Vorhang im Theater. Der Witz war, daß im ganzen Raum keine Bestuhlung vorhanden war, nur das, was bei uns Balkon ist, war für Besucher geöffnet und bestuhlt. Die Sitzreihen stiegen so steil an, daß der Vordermann weit unter einem Saß. Weiters war das Publikum recht ungewöhnlich. Ich hatte nämlich bis dahin noch nie erlebt, daß jemand im Kino Beifall klatscht oder einen Schauspieler anfeuert. Unwillkürlich mußte man bei einem Gag mitlachen, obwohl man ihn nicht verstand. Zurück gings mit einer der letzten U-Bahnen ins Hotel.

31. Juli 1976:
Portobello Road, Royal Albert Hall und noch ein Museum

Da wir noch nicht alle Geschenke hatten, gingen wir noch einmal auf den Flohmarkt in die Portobello Road. Hier entdeckten wir schließlich das Gesuchte. Beim Bummel durch die überfüllte Straße entdeckte ich außerdem einige Münzen, die mir noch in der Sammlung fehlten.

Im Gegensatz zum letzten Mal auf dem Markt hatte es diesmal Straßenmusikanten. Einer fiel besonders auf, der er den ganzen Krach alleine machte.

Nachdem wir unsere eingekauften Sachen im Hotel abgeladen hatten, gingen wir quer durch den Hyde Park. Die Gegend genau gegenüber unserem Zugang zum Park hatten wir noch nicht betrachtet. Zuerst gingen wir aber fehl. Der Park ist zu groß, wir landeten an der Hyde Park Corner anstatt an der Längsseite der Anlagen.

Nach dem langen Rückweg sahen wir das Albert Memorial. Am Fuß des Denkmals sind rundherum bedeutende Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst abgebildet. Hier steht auch die Royal Albert Hall, eine Konzerthalle für 8000 Personen. Die Halle ist rundum mit einem Mosaikband, auf dem verschiedene Tugenden abgebildet sind, geschmückt.

Weiter südlich liegt das Geologische Museum. In ihm ist eine vollständige Sammlung aller Arten von Kristallen; Diamanten, Rubine, einfach Edelsteine von sämtlichen Sorten sind im Erdgeschoß untergebracht. Überall schimmert und glitzert es. Manche Steine sind quer durchgeschnitten, so daß ihre Maserung zum Vorschein kommt. Andere sind voll bearbeitet zu bunten Broschen, weitere Edelsteine erhielten verschiedene Schliffe, um die Lichteinstrahlung und -brechung aufzuzeigen. Außerdem sind im Erdgeschoß Versteinerungen ausgestellt von der einfachen Schnecke bis zu Saurierknochen.

Im Museum war die Ausstellung „The Story of the Earth“. Sie beginnt mit einem Blick auf die Erde aus dem Weltraum und veranschaulicht den Ursprung der Erde. Weiters behandelt sie geologische Vorgänge, so war u. a. der Vorgang in einem Vulkan aufgezeigt bis zum Lavaerguß. Unmöglich war die Sammlung im ersten Stock: Steine aus allen Gegenden Englands sind ausgestellt, die sich so ähnlich sehen, daß sie nur vom Fachmann unterschieden werden können. Weiter oben wird’s noch mal interessant. Dort sind Metalle, sogar Gold, Platin, Uran, Thorium anzusehen. Ich war aber froh, Dietmar wenigstens bis jetzt im Museum halten zu können. Dietmar setzte sich auf eine Bank, und ich warf noch einen Blick in das Victoria und Albert Museum.

Das Museum würde, wenn ich alles richtig angeschaut hätte, für mehr als einen Tag gereicht haben. Aber in Zeitdruck durchstreifte ich nur die ersten Räume bei der Eingangshalle. Was ich sah, hat mich fast „narret“ gemacht. Das hätten wir früher wissen sollen, daß hier wirklich so tolle Sachen ausgestellt sind. Sehr viele alte bekannte Künstler waren hier mit ihren Ausstellungsgegenständen vertreten. Und ich hatte nur wenige Augenblicke Zeit. Schade.

Zurück gingen wir wieder durch die Stadt und den Hyde Park. Unseren letzten Abend in London verbrachten wir noch einmal in unserem „Stamm-Pub“.

1. August 1976:
Rückreise – und ein fliegender Oldtimer

Letzter Tag, Abreisetermin. Morgens früh aufstehen, Koffer packen. Mit knapper Not war alles unterzubringen. Da wir noch etwas Zeit hatten, gings noch mal eine Weile ab in den Hyde Park. Um die Mittagszeit herum kam dann unsere Reiseleiterin und bezahlte das Hotel. Schwerbepackt Abmarsch zur Paddington Station, mit der U-Bahn zur Victoria Station. Dort besorgten wir uns Zugkarten zum Flughafen Gatwick. Der englische Zug hatte eine Eigenheit: jedes Abteil hatte seine eigene Eingangstür.

Der Zug hielt direkt unter dem Flughafen. Es war erst 2 Uhr. Um ¼ 5 hätten wir am Abfertigungsschalter der „Dan-Air“ sein sollen. So hatten wir nun Unmengen Zeit. Zuerst schauten wir uns al im Flughafengebäude um. Es war festzustellen, daß Gatwick ein reiner Charterflughafen ist, aber trotzdem noch weitaus größere Ausmaße wie „München-Riem“ hat. Um die Zeit zu vertreiben, ging ich noch auf die Flughafenterrasse, Dietmar passte solange auf das Gepäck auf. Von dort aus schoß ich auch die ganzen Bilder. Wieder im Wartesaal angekommen, stellten wir uns am Schalter an.

Wir wurden früher bedient als erwartet. Unser Gepäck, das war Maßarbeit. Viel mehr hätten wir nicht mitnehmen dürfen. Sitzplatzkarte und Gepäckkarte erhielten wir, dann konnten wir uns an die Schlange vor der Passkontrolle anstellen. Glücklich durchgekommen, machten wir uns sofort auf den Weg zum „Duty Free Shop“, um unsere letzten Pfunde auszugeben.

In der Abfertigungshalle suchten wir auf der Anzeigetafel vergeblich unseren Flug. An der Auskunft wurde uns mitgeteilt, daß unser Ticket die falsche Zeit trägt, das Flugzeug ginge erst 17.45 Uhr. Also noch mal eine halbe Stunde länger warten. Die Halle war gerammelt voll, da sämtliche Überseeflüge Verspätung hatten, zum Teil schon sechs Stunden. Zum Lesen hatten wir auch nichts mehr, in Englands Büchershops gibt’s nämlich keine Zeitschriften und Bücher, sondern meist Pornographie. Sitzplätze waren sowieso rar, erst nach längerer Zeit konnten wir einen ergattern.

Endlich wurde unser Flug aufgerufen. Gepäckdurchsuche und ab in den Flughafenbus, der uns zu einem älteren Düsenclipper, einer 4-strahligen Comet, brachte. Diesmal saßen wir ungünstig, kein Fensterplatz; Essen wurde uns wieder serviert, Kaffee und Rosinenwecken. In der Dreiersitzreihe neben uns saß ein Engländer, mit dem ich mich noch längere Zeit über London unterhielt. Der Flug kam mir jetzt ziemlich kurz vor, wir flogen jedoch gleich lang wie am Hinflug, 1 ½ Stunden. „München-Riem“ kam mit recht klein vor. Die Passkontrolle ging schnell von statten, und nun warteten wir am Förderband auf unsere Koffer. Dietmar’s kam leicht beschädigt an. Die Zollkontrolle wollte nichts von uns wissen. So konnten wir ungehindert zum Bus, der an den Hauptbahnhof fährt, stürmen. Wie’s so sein soll, ein Doppeldeckerbus.

In München Hbf machten wir schnell den richtigen Zug aus. Aufenthalt hatten wir keinen langen. Weiterfahrt mit dem Zug, dem „Orient-Express“ nach Ulm. Wenn man bedenkt, daß wir für die Strecke Ulm-London alles in allem mit Wartezeiten 8 Stunden gebraucht haben, eine lange Zeit. Auf die Hauptstrecke München nach London entfielen nur 1 ½ Stunden, der Zug München nach Ulm brauchte schon mal die gleiche Zeit. Im Zug waren wir recht froh über den ergatterten Platz. Manche mußten im Gang stehen, so voll war es.

Nach langer Fahrt landeten wir in Ulm, von wo aus wir mit dem Bus, der natürlich, damits länger dauert, über den Tannenplatz fuhr, Richtung Heimat starteten. So gegen 11 Uhr am Abend sind wir dann endlich Zuhause angekommen.

Und damit endet dieser Reisebericht aus London, aus dem Jahr 1976.

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