El Hierro – die kleinste Kanaren-Insel

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Bergstraßen für Entdecker und leckere Quesadillas
Kanaren und Kapverden, Reisebericht 11

Zeit dafür, Zuhause Reiseberichte zu schreiben. Das Coronavirus macht Reisen unmöglich, es bleiben Fotos und Erinnerungen – und so entstehen jetzt „späte“ Reiseberichte, längere Zeit nach den Reisen anhand von Notizen und Fotos geschrieben. Der folgende Bericht führt die kleine Reihe fort, die mit unserer Reise im Dezember gestartet wurde, von den Kanaren und Kapverden.

Frühmorgens legen wir an in Puerto de La Estaca, dem Hafen der kleinsten und jüngsten Insel der Kanaren, El Hierro – ein kleiner Hafenort, in dem gerade mal etwa 130 Menschen leben. Leider ist die Sicht auf die Insel nicht sonderlich gut. Der Himmel ist wolkenverhangen, trübes Wetter, es regnet leicht. Zum Glück haben wir schon vorab ein Auto gebucht, so dass wir etwas weniger vom Wetter abhängig die Insel erkunden gehen können.

Wie auch bei den anderen Kanareninseln zeigt sich vom Schiff aus schon eine zerklüftete, felsige und auch stark bewaldete Vulkanlandschaft. Wir wollen an diesem Tag hoch hinein in die Berge fahren, bis hinüber zur anderen Seite der Insel, wo dann die jüngsten Vulkankegel und Krater zu sehen sind.

El Hierro steht wie die Spitze eines Berges im Meer. Die Straße führt uns schnell über Serpentinen hinauf in die Höhe; einen bemerkenswert breiten Küstenstreifen gibt es nicht. Überall verstreut in der Landschaft sieht man Bergbauernhöfe; man überlegt immer wieder, was in dieser kargen Gegend wohl angebaut werden kann. An den meist sehr steilen Südhängen ist alles offensichtlicher. Hier liegen kleine Weingüter; die niedrig geschnittenen Rebstöcke stehen auf Terrassenfeldern.

Wir fahren die eine oder andere der Nebenstraßen, die meist Richtung Küste führen und in einem kleinen Ort oder bei einem Hofgebäude enden. Die engen Straßen sind oft so schmal, dass man Sorge hat, rechts oder links an einer der Begrenzungsmauern entlang zu streifen, und so steil, dass man das Fahrzeug mit manchmal ziemlich heulendem Motor die Hänge hinaufquält.

In einer Landschaft, die sich entsprechend der Jahreszeit (es ist Dezember) braun und trocken zeigt, fallen trotzdem viele Farbtupfer auf – immer wieder in allen Farben blühende kleine Pflanzen, und noch mehr die bunt blühenden Büsche und Sträucher vor allem entlang der Straßen. Farbtupfer liefern auch die vielen reifen Kaktusfeigen, ebenso die überreifen Zitronen in den Gärten; kaum fallen dagegen die grünen Avocados in den buschig-grünen Bäumen auf.

Im kleinen Ort Valverde entdecken wir eine Bäckerei, in der die lokale Spezialität Quesadillas hergestellt werden, die nichts mit den bekannten mexikanischen Fladenbroten zu tun haben, sondern eine speziell geformte, typische Käsekuchen-Spezialität von El Hierro sind. Ein Hauptbestandteil des Gebäcks ist der für die Insel typische Mischkäse aus Kuh-, Schafs- und Ziegenmilch. Wir beißen gleich direkt vor dem Geschäft in den ersten Kuchen hinein, lecker, schmeckt auch ein wenig nach Anis, ist aber wie alle Süßspeisen in Spanien doch sehr süß – schnell stellt sich Bedarf nach einem Kaffee ein.

Unsere kurze Fahrt durch die engen Gassen des Ortes endet bald schon auf dem Kirchplatz, vor der Iglesia de la Concepción, einer Festungskirche. Der massive, weitgehend fensterlose Kirchenbau diente, so ist irgendwo nachzulesen, auch als Schutzgebäude für die Bevölkerung, und der Turm der Kirche wurde als Piratenausguck genutzt. Drinnen zeigt sich die Kirche in adventlicher Stimmung – und das eine oder andere überraschende Gemälde.

Außerhalb des Ortes geht es weiter über enge Straßen, bergauf und bergab, mit herrlicher Aussicht über Landschaft und Meer. Am Himmel wechseln die Wolkenbilder laufend; man weiß nicht so recht, ob man einen strahlend blauen Himmel vermissen oder sich an diesem Wolkenspiel erfreuen soll.

Oben am Berg liegt ein Aussichtspunkt, der Mirador de La Peña, von dem aus man eine unvergleichliche Aussicht auf das Golfo-Tal und das Meer hat. Vom Aussichtspunkt geht es eineinhalb Kilometer hinunter in die Tiefe in die insgesamt 15 Kilometer breite Senke, die das Tal bildet.

Die Hänge zeigen die typische Lavaformationen – zerklüftete, löcherige, scharfkantige Brocken, dazwischen kleine Terrassen und Höhlenausformungen, dazu spärlicher Bewuchs mit niedrigen Büschen und Agaven, immer mal wieder ein paar Blumen. Die dunklen Lavasteine sind oft mit Flechten überzogen, manche in unscheinbaren Farben, aber viele auch intensiv orange-, gelb- oder ockerfarben.

Der Aussichtspunkt oben auf der Klippe samt dem Aussichtsrestaurant wurde vom kanarischen Künstler César Manrique gestaltet; immer wieder sieht man den kleinen Drachen von Manrique, der als Wahrzeichen des Aussichtspunktes dient. Wir genießen im Restaurant Kaffee und Kuchen und vor allem die herrliche Aussicht.

Bei unserer Fahrt durch die Berge wechseln wir auf der engen Serpentinenstraße ständig die Himmelsrichtung. Fast immer haben wir Aussicht auf Wälder, Berge und Meer.

Je nach Fahrtrichtung zeigt sich beim Blick nach oben mal eine dichte Wolkendecke, mal ein eher wirres Wolkenbild, oder auch mal einfach strahlend blauer Himmel.

Ob wir gerade auf der Nord- oder Südseite, der Ost- oder Westseite der Insel sind, was sich bei der kleinen Insel dauernd ändert, sieht man auch an den Bäumen oder am Waldboden – mal trocken mit trocken-braunen Kiefernadeln, mal feucht mit dicht-grünem Bewuchs, häufig mit Farnen. Und an den Bäumen sind alle möglichen Flechten zu sehen.

Im nächsten Bericht geht es weiter mit El Hierro – unsere Fahrt geht durch Wälder, denen man die vergangenen Waldbrände noch ansieht und hinauf auf einen der Vulkane, bis zum Kraterrand.

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