La Palma – Sonne und Regen

am

Bergdörfer, Maniok und Bananen
Kanaren und Kapverden, Reisebericht 14

Weiter geht es mit unserem Ausflug auf La Palma. Hinter uns liegt der Vulkankegel, auf den man immer wieder Aussicht hat. Dort hatten wir von weit oben einen herrlichen Rundumblick auf die Insel. Vor uns liegt der Küstenstreifen mit Dörfern und Plantagen, danach das dunkelblaue Meer. Der Horizont wirkt etwas abgegrenzt mit einem schmalen Wolkenstreifen, aus dem noch der Vulkan Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa herausblickt. Und darüber zeigt sich ein intensiv tiefblauer Himmel.

In Serpentinen und mit einem enormen Gefälle geht es den Berg hinunter in Richtung Küste, Richtung Llano Grande, einem kleinen Ort. Schon bald wechselt die Landschaft. Nicht mehr der Wald dominiert, sondern für diese Jahreszeit – wir sind im Dezember unterwegs – geradezu üppig grüne Täler mit Terrassenfeldern.

In den Hängen liegen Dörfer und verstreute Gehöfte. In geschützten Tälern sieht man Mandelplantagen oder Terrassen mit Rebstöcken.

Sicherlich ist es nicht ganz einfach, in den steilen, steinigen Lagen zu ernten, zumal die Rebstöcke wie in südlichen Ländern üblich auch sehr niedrig gehalten sind. Noch sehen die oft sehr alten Stöcke nicht nur ziemlich verknorzt, sondern auch wild verzweigt aus – aber das wird sich nach dem ersten Schnitt im Frühjahr schnell ändern.

Irgendwo lesen wir, dass ein bedeutender Anteil der Rebstöcke auf La Palma über 70 Jahre alt ist, und – da die Insel von der Reblausplage verschont geblieben ist – auf sogenannten wurzelechten Stöcken vorwiegend Rebsorten wachsen, die bei uns relativ unbekannt sind, wie zum Beispiel Listán Blanco, Albillo oder Negramoll. Uns überrascht, auf welchen Höhen hier noch Wein produziert wird.

Die meisten Dörfer, durch die man kommt, sind sehr gepflegt, geradezu idyllisch. Die Häuser sind verputzt und in verschiedensten Farbtönen gestrichen; immer wieder sieht man offen liegende Natursteine in den Fassaden, mal eher Schmucksteine, mal Kantensteine, oftmals in intensiveren Farben gehalten. Manches Haus wird überragt von Resten einer Windmühle, wie zum Beispiel in Llano Negro.

In den Orten sind manchmal die Straßen so eng, dass man mit dem Auto regelrecht anpeilen muss, um zwischen den Häusern die wenigen Zentimeter, die für linken und rechten Außenspiegel noch da sind, nicht falsch einzuschätzen.

In den Vorgärten stehen jetzt im Dezember bereits erste Gemüsepflanzen, an geschützteren Plätzchen blühen Frühlingsblumen, Sukkulenten und Kletterpflanzen. In dieser Idylle sieht man dennoch überraschend oft Schilder, die darauf hinweisen, dass das Gebäude verkauft werden soll.

Kurz nach einem der Orte geht es wieder hinein in die Serpentinen, weiter den Vulkan hinunter. Direkt hinter einer der Kurven steht auf einer Lichtung eine Ziegenherde, etwas zurückgezogen in den Schatten – aufgepasst wird auf geruhsame Weise.

Irgendwann ist Zeit für ein spätes Mittagessen. In Roque Faro, einem der Dörfer, durch das wir kommen, entdecken wir ein Dorfgasthaus; es gibt leckeren Ziegenschmorbraten mit kanarischen Kartoffeln.

Noch scheint die Sonne. Vor uns liegen kleinere Vulkankegel, rundherum Dörfer und Felder. Immer mehr Wolken ziehen auf, das Wetter stellt sich weiterhin so launisch dar wie schon den ganzen Tag.

Wir beschließen, etwas abseits der Hauptstraße noch ein wenig auf Erkundung zu gehen – Zeit ist noch dafür. Der erste Abstecher führt uns in Richtung Guelguen, weiter zur Küste hin. Eine ziemlich schmale Straße schlängelt sich durch einen Taleinschnitt, eher schon eine enge Schlucht, in der immer, wenn sie etwas breiter wird, kleine Bauernhöfe mit Feldern drumrum auf den Anhöhen liegen.

In unzähligen Kurven geht es in Richtung Küste hinunter zum Dorf Franceses. Die Straße ist oft so unglaublich steil, dass man Sorge hat, mit dem nicht gerade großartig motorisierten Kleinwagen bei Steigungen hinauf zu kommen – und hinunter heult der Motor ziemlich auf, da man bei den langen Abfahrten nicht nur mit den Bremsen rechnen möchte.

Im Dorf werden wir einige Male kurz bestaunt; es verirren sich wohl selten fremde Fahrzeuge hierher. Wir trauen unserem Fahrzeug die weitere Fahrt hinunter zur Küste nicht mehr zu; die Kurven werden so eng, dass man manchmal zurücksetzen muss, so dass man immer mal anfahren muss, auch in der Steigung – und der Motor heult und langsam aber sicher riecht man auch die Bremsen. Es geht dieselbe Strecke zurück. Wir genießen die tolle Landschaft und sind zugleich froh, als wir wieder aus den größten Steillagen draußen sind.

Es wird dunkel. Plötzlich regnet es heftig, die Berge verschwinden schnell in Wolkenschwaden. Obwohl wir schon ziemlich weit unten in Richtung Küste gefahren sind, durchfahren wir Regenwolken, so dicht, dass kaum Sicht ist. Die Autoscheinwerfer sorgen vor allem dafür, dass die Wolken um uns herum reflektieren und glitzern. Nach dem Regenschauer glänzen vor allem die Wiesen in sattem Grün, wie frisch gewaschen.

Wieder ein Abenteuer ist unser Abstecher nach Gallegos. Auch hier geht es steil den Berg hinunter in Richtung Küste.

Wir haben selten so eine schöne, vielfältige Landschaft gesehen. Trotz Regenschauern sind wir begeistert. Sichtlich sind wir in einem äußerst fruchtbaren Gebiet der Insel unterwegs, hier entlang der Küste. Inmitten einer Wildnis aus Gestrüpp, Kakteen, Sukkulenten und zerklüfteten Gesteinsfeldern liegen immer wieder kleinere und größere mehr oder weniger ebene Anbauflächen, oft auf Terrassen.

Wir sehen vor allem Maniokpflanzen, die zum Teil gerade geerntet werden, auch Kohl und Kartoffeln.

Das Dorf, durch das wir hier kommen, liegt wieder in einer der ungewöhnlichsten Steillagen direkt an der Küste, zum Teil auf dem Grat eines Hügels; die Häuser sind wie in den anderen Dörfern eng zusammengepackt.

An Felsabbrüchen, an denen wir später vorbei kommen, sind Höhleneingänge zu sehen, viele davon noch so aussehend, wie sie in der Natur zustande kommen können, andere wie nachbearbeitet, um Ställe oder Lagerstätten im Gestein zu haben.

Eigentlich hätten wir noch viel mehr von der Insel sehen wollen – so wären wir gerne wie bei der letzten Reise noch weiter gefahren bis zur Südspitze, zum Faro de Fuencaliente, dem Leuchtturm, der so ein wenig am Ende der Welt steht – davor nur noch die Weiten des Atlantiks, wenn man nach Westen blickt. Hier gab es 1971 den letzten Vulkanausbruch.

Über weite Strecken sieht man dort, wie sich die Lava hinunter vom Vulkan namens Teneguía ins Meer ergoß – und mittendrin auf der äußersten Spitze noch die Saline arbeitet, vor der sich der Lavastrom teilte. Aber die Zeit reicht nicht mehr, der Weg ist zu weit. Für uns geht es auf der Küstenstraße zurück in Richtung Schiff, mit noch etwas Zeit dafür, uns entlang der Strecke ein wenig umzusehen.

Unser Weg führt bei San Andrès und Puntallana vorbei an riesigen Bananenplantagen. Die Anlagen stehen bis hinunter ans Meer, in den steileren Lagen auf Terrassen, aber die meisten in riesigen Zeltstädten.

Das Wetter spielt immer noch Kapriolen – Sonnenschein und Regen, alles zur selben Zeit. Über dem Meer zeigt sich ein Regenbogen.

Die Küstenstraße führt uns zurück zum Schiff. Unser gemietetes Fahrzeug werden wir direkt am Hafen los – einfach auf dem Parkplatz abstellen und den Schlüssel in einen Briefkasten werfen.

Zum Schiff sind es noch ein paar hundert Meter zu Fuß, und am Abend geht es weiter nach Lanzarote.

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