Vulkan-Asche und Trass-Höhlen

Ein Ausflug ins Brohltal

Trasshöhlen soll es im Brohltal geben – Höhlen, entstanden beim Abbau verfestigter vulkanischer Asche. Ohne zu wissen, was Trass ist, oder dass diese Höhlen eine Besonderheit sind, die man so nur im Brohltal findet, starten wir die wenigen Kilometer von Bad Neuenahr aus in Richtung Brohltal, in ein Gebiet der Eifel, das geprägt ist vom Ausbruch des Laacher Vulkans vor etwa 13.000 Jahren.

Wir fahren nicht über die großen Straßen, sondern über die Serpentinen durch den Wald hoch nach Königsfeld, dann durch die kleinen Täler mit ihren idyllischen Bachläufen, teilweise eingerahmt mit Felsen aus der vulkanischen Vergangenheit der Eifel.

Eine lange Strecke folgen wir dem kleinen mäandernden Vinxtbach, das Tal mal schmaler, mal breiter.

Direkt am Bach stehen Gebüsche und mächtige Bäume; an den Hängen Mischwald mit auffallend vielen Eichen, und zwischendurch auf den Wiesen sind mal Obstbäume, dann wieder beeindruckende alte, große Bäume zu sehen.

Eine kleine Strecke unseres Weges führt noch den Rhein entlang. Dann geht es vorbei am gleichnamigen Mineralwasser-Produzenten durch den Ort Brohl, der leider seine Glanzzeit ziemlich hinter sich hat, in der der kleine Hafenort Verladestation für Gesteine aus dem Brohltal war.

Hier kam die Schmalspurbahn an, mit der die im Tal abgebauten Steine und der Trass auf die Schiffe verladen wurden.

Einige Relikte aus dieser Zeit sind im Hafen noch zu sehen – neben einem Schiffsanleger, der schon lange kein Schiff mehr gesehen haben dürfte und einem danebenliegenden Wrack der Ausflugsschifffahrt, das noch versucht, seine Schwimmfähigkeit zu beweisen.

Ähnlich begeisternd zeigt sich das Ortsbild. Hier prägt eine Hauptstraße mit ziemlich vielen vernachlässigten Häusern und eine Vielzahl verklebter und verschmierter Fenster längst aufgegebener Ladengeschäfte die Szenerie – auch hier wurde anscheinend nicht so gerne beim Nachbarn, lieber beim Discounter eingekauft. Gut, dass es an einer Ecke noch einen kleinen Bäckerladen gibt, mit einem minimalistischen „Tante-Emma-Laden“ dabei – das spärliche Warenangebot ist dekorativ und großzügig auf die Regale verteilt. Sehenswert.

Der Pflaumenkuchen in der Bäckerei schmeckt übrigens ausgezeichnet. Über dem Ort thront wie ein Kontrastprogramm weithin sichtbar und schmuck gerichtet die Burg Brohleck.

Am Eingang zum Brohltal ist die kleine Bahnstation der Brohltalbahn zu sehen; die Schmalspurbahn, die heute als Museumsbahn touristischen Zwecken dient. An der Bahnstation stehen die Wagen des Vulkan-Express; etwas abseits auf Abstellgleisen sieht man noch ein paar Güterwagons aus vergangener Zeit. Vor mehr als einem Jahrhundert war die Schmalspurbahn Transportmittel für die Gesteine, die im Brohltal abgebaut und dann von Brohl aus verschifft wurden.

Basalt, Tuffstein und Trass wurden aus dem Brohltal hinunter an den Rhein gebracht, zunächst mit Fuhrwerken, wegen der schweren Last meist mit vier- oder gar sechs Pferden bespannt. Das Tal mit seinem starken Gefälle sorgte nicht nur dafür, dass mit Wasserkraft vor allem die vierzehn Gesteinsmühlen im Tal angetrieben werden konnten, die es hier zu Zeiten des intensivsten Abbaus gab, sondern auch die schwer beladenen Fuhrwerke bergab leichter ihre Last an den Rhein bringen konnten.

Die Straße hinein ins Brohltal folgt dem Fluss und auch den Schienen der Schmalspurbahn, die immer wieder überquert werden. Einige Bahnviadukte sind zu sehen. Als das Tal an einer Stelle etwas breiter wird, steht rechts der Straße eine nicht gerade kleine Burg, die wir bisher immer übersehen hatten – Schloss Schweppenburg. Wir fahren einen Seitenweg hinein in der Hoffnung, dass man mehr von der Burg entdecken könnte. Aber Privatbesitz, alles verschlossen.

Etwas bergab liegt eine Mühle – wir wollen ein paar Fotos machen, da Gebäude und umliegende Felsen einen interessanten Eindruck machen. Der kurze Weg hinunter zur Mühle führt an einem kleinen Felshang entlang, dessen Gestein so porös ist, dass es zwischen den Fingern zu Sand zerkrümelt werden kann. Hinter dem Mühlengebäude liegen tief in den Hang eingeschürft zwei Aushöhlungen. In der ersten sind alte landwirtschaftliche Geräte untergestellt.

In der zweiten Aushöhlung sind im weichen Gestein Formen eingeschlagen, die direkt an einen großen Herd mit Kochstellen und einen Backofen erinnern.

Wie sich Zufälle manchmal so ergeben kommt Müller Rainer Mosen aus dem Gebäude, sieht uns, wie wir uns interessiert umsehen, kommt zu uns und erzählt einiges rund um den Abbau des Trass – den er selbst nicht nur aus vielen Dokumenten kennt, sondern auch aus Erzählungen seines Großvaters, der die Arbeit in den Steinbrüchen noch selbst miterlebt hat. Er erzählt uns, dass die Höhlen von Hand in die weichen Felsen geschlagen wurden, die jetzt sichtbaren Aushöhlungen weit tiefere Höhlen gewesen wären, die wegen des weichen Gesteins schon ziemlich verwittert seien. Die obere Aushöhlung, die wir gesehen hätten, sei einmal ein Pferdestall gewesen, die untere ein Backeshaus.

Noch ziemlich intakt und mit Türen versehen liegen vor uns die ehemaligen in den Fels geschlagenen Schweineställe. Darüberliegend im Fels ist eine Höhle zugemauert und hat ein kleines Fenster, ebenerdig ist eine Tür in der Felswand – es scheint ein Felsenzimmer zu sein, das über eine Treppe zu erreichen ist. Rainer Mosen berichtet, dass die Mühle ehemals zur nebenstehenden Burg gehörte; seine Vorfahren wären Bedienstete der Barone von Geyr zu Schweppenburg gewesen.

Die Mühle kann als Getreidemühle und später als Ölmühle auf eine lange Tradition zurückblicken; urkundlich wird sie erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt. Die Wassermühle wird heute noch mit einem Mühlrad aus dem Jahre 1912 mit Wasserkraft angetrieben. Nur bei nicht ausreichendem Wasserstand wird ein Elektromotor zugeschaltet. Am Rad mit einem Durchmesser von etwa sieben Metern hängen 50 Schaufelbecher, von denen jeder 128 Liter fasst.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dann die Ölmühle zur Trassmühle umgebaut – womit wir wieder bei dem Thema angekommen waren, das uns eigentlich ins Brohltal geführt hat, aber nicht erst bei den Trasshöhlen, sondern schon jetzt, an der Mühle. Für uns waren es bis zu diesem Zeitpunkt einfach Höhlen, die wir uns ansehen wollten; wir hatten noch keinen Gedanken daran verschwendet, warum es diese Höhlen im Brohltal gibt.

Jetzt ging es los, mit dem Nachhilfeunterricht für uns. Rainer Mosen erzählt, dass das Brohltal beim Ausbruch des Laacher See Vulkans mit einer Ascheschicht von bis zu 60 Metern bedeckt worden sei. Diese Schicht, vor allem bestehend aus Silicium- und Aluminiumverbindungen hätte sich zum Tuff verfestigt, einem ungewöhnlichen Material, das in Verbindung mit Wasser aushärtet – somit sind die obersten Schichten des Gesteins, in die Regenwasser versickert, und ebenso die untersten Schichten in Nähe des Grundwasser ziemlich verfestigt, die Lagen dazwischen ziemlich und sandig. Dieser Tuff wird in getrocknetem und gemahlenem Zustand dann wichtiges Baumaterial und als Trass bezeichnet. Wir denken uns so nebenbei: Das Brohltal als das Silicon Valley am Rhein, ein wirkliches Silicon Valley, in dem Silizium abgebaut wurde, und nicht nur wie im Kalifornischen Silicon Valley ein Name für einen Ort, an dem es verarbeitet wird.

Der Abbau von Trass im Brohltal hat lange Tradition; schon die Römer begannen damit. Ab dem 17. Jahrhundert, dann intensiv ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis weit hinein ins 20. Jahrhundert wurde intensiv Trass abgebaut, im Sommer, mit Pickel und Schaufel. Das Material wurde aufgrund seiner besonderen Eigenschaften als Baumaterial in der beginnenden Industrialisierung immer wichtiger, da es zusammen mit Kalk zum idealen Bindemittel wird und sich sogar unter Wasser verfestigt. Das abgebaute Material wurde in der Sonne getrocknet und in den Trassmühlen zu feinem sandigen Pulver vermahlen.

Ausgelegt waren die Trassmühlen für ganzjährigen Betrieb; somit wurde im Sommer immer eine größere Menge abgebaut und getrocknet – das überschüssige Material wurde in größeren Trasshöhlen, die beim Abbau entstanden waren, eingelagert und im Winter vermahlen. Mit Fuhrwerken und später mit der Schmalspurbahn wurde alles nach Brohl gebracht und von dort aus verschifft. Viel Material ging nach Holland, wo es wegen der besonderen Eigenschaft des Trasses, dass er sich unter Wasser verfestigt, im Deichbau eingesetzt wurde – und irgendwo lesen wir nach, dass das Wort „Trass“ anscheinend eine kleine Umformung des niederländischen Worts „Tyrass“ ist, das „Kleber“ bedeutet, wodurch sich wieder der Wert dieses Materials erklärt.

Noch mehr als in den Trasshöhlen, die wir uns später ansehen werden, zeigt sich hier an der Mühle die Geschichte des Trassabbaus – in den Stallungen, in Wohnnischen und den sandigen Abbrüchen hinter dem Mühlengebäude, nicht zuletzt durch die Erzählungen von Müller Rainer Mosen. Er schickt uns noch auf einen Wirtschaftsweg, etwas den Hang hinter seiner Mühle hoch. Dies sei der Weg, auf dem die Fuhrwerke den Trass transportiert hätten. Oben am Hang sei die Höhle, in der der Trass eingelagert worden sei – leider schon etwas verfallen.

Noch stellen wir uns eine Höhlung im Berg vor, und sind dann von einem ziemlich großen, ausgehöhlten Bergkegel beeindruckt. Am Eingang sieht man immer noch seitwärts die Aussparungen, in denen die Baumstämme verankert waren, mit denen das Abkippen des Trass von den Fuhrwerken erleichtert wurde.

Hätten wir nicht neugierig an der Burg angehalten und nicht dieses nette Gespräch mit dem Müller gehabt, dann hätten wir sicherlich im Brohltal einige interessante Höhlen gesehen, von denen wir beeindruckt gewesen wären – aber wir hätten wenig Ahnung, welche Geschichte hinter diesen Höhlen steckt.

Von der Mühle aus geht es weiter, dorthin, wo wir als eigentliches Ziel die Trasshöhlen angepeilt hatten. Hinter dem Gasthaus Jägerheim fällt das große Bahnviadukt auf, durch das es hindurchgeht zu den direkt dahinter liegenden Trasshöhlen. Man glaubt es nicht so recht, dass es durch das Loch in der bröckeligen Felswand, gerade mal etwas höher als Stehhöhe, irgendwohin gehen kann; nur wenig Licht scheint vom anderen Ende durch, und sichtbar sind nur sandige Wände.

Vom Tunnel aus kommt man in ein ziemlich verzweigtes Netzwerk größerer und kleinerer Höhlen. Der Boden ist krümelig und staubig. Die Wände rundum sind aus dem mürben Gestein; man wundert sich, dass das alles irgendwie zusammenhält und anscheinend nur weiter verwittert. Aber so zeigt sich auch hier die besondere Eigenschaft des Gesteins – es härtet in Verbindung mit Wasser aus und stabilisierte so auch die Höhlen.

Auf Pfaden geht es von Höhle zu Höhle, dann mal wieder ein wenig in den Wald hinaus und in eine weitere Höhle hinein. Der Berg ist regelrecht durchlöchert. Draußen sieht man einige umgestürzte große Bäume, die sich im brüchigen Untergrund nicht halten konnten, und immer mal wieder eine kleinen Felsabbruch, der weniger nach Fels, mehr nach Sandrutsche ausschaut.

Genug gesehen für einen Tag, und mehr über die Gegend und den Bergbau samt den Trass-Höhlen erfahren, als wir erwartet hätten.

Unser Weg führt uns vorbei am Kloster Maria Laach zurück über die kleinen Flusstäler, dann die Anhöhen, wieder hinunter ins Ahrtal.

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