Herbstlaub und Mittelalter

Entdeckungen in der Eifel – ein aufgelassener Steinbruch, die Filmkulisse für Indiana Jones und eine trutzige Kirche

Langsam wird es bunt in der Eifel. Die ersten farbigen Blätter an den Laubbäumen bieten einen herrlichen Kontrast zum strahlend blauen Himmel. Wir sind auf Fahrt nach Münstermaifeld, wollen uns das nur etwa 30 Kilometer entfernt von Zuhause liegende, angeblich noch sehr mittelalterliche Städtchen anschauen.

Quer geht es durch die Eifellandschaft, um uns herum einige Vulkankegel, in den Dörfern die alten Häuser gebaut aus meist ziemlich dunklem Vulkangestein.

Auf halber Strecke kommen wir vorbei an Schloss Bürresheim, eine mittelalterliche Anlage aus dem 12. Jahrhundert, oben auf einem Felssporn im Nettetal – eine der wenigen Burgen der Eifel, die die Zeit ohne Eroberungen und Verwüstungen überstanden hat.

Wer auf der engen Serpentinenstraße unterwegs ist, die sich durch den Wald die Hänge ins Flusstal hinunterschlängelt, ist überrascht, wenn zwischen den Bäumen diese beeindruckende Burg immer wieder auftaucht; man muss tatsächlich aufpassen, dass der Blick nicht all zu oft von der Straße abschweift. Von oben der Blick hinunter auf die Burg, unten angekommen dominiert sie dann das Tal.

Die von außen so schmucke Anlage mit dem barocken Garten zeigt sich ab dem Eingang als trutzige, wehrhafte Burg. Größter Blickfang ist vor allem der große Rundturm, der im 15. Jahrhundert entstand. Nach dem Tor geht es einen steilen, mit groben Steinen ausgelegten Weg hinauf zur Wohnburg, immer wieder durch düstere Tunnel, die durch den Burgberg und durch die Mauern führen.

Oben angekommen zeigt sich, dass es sich einst einmal um eine Doppelburg handelte, die jetzt so prachtvoll dastehende Trierer Burg und daneben die Kölner Burg, von der nur noch Relikte zu sehen sind. Vom zentralen Burgplatz gehen die Wohn- und Wirtschaftsgebäude ab, auffallend ist der zum Platz hin offene Küchenbereich. So ein paar Blicke nach Innen haben wir durch die Fenster, schön die Spiegelungen von Innenhof und Innenräumen.

So ein wenig kommt man sich in dieser Burganlage vor wie in einer Vorzeige-Filmkulisse – aber Schloss Bürresheim ist real, und doch wurden hier Filme gedreht, unter anderem Teile des Films „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ mit Harrison Ford und Sean Connery.

An der Strecke kommen wir noch an einem der aufgelassenen Steinbrüche vorbei, von denen es viele in der Gegend gibt. Hier wurde einer der Vulkankegel ziemlich abgetragen. Von der Straße aus ist noch eine breite Steinrutsche zu sehen. Ansonsten ist ein großes Schotterfeld übrig geblieben.

Die Hänge werden jetzt langsam aber sicher wieder vom Wald erobert, durch den jetzt bis hoch hinein in die Hänge Serpentinen führen, Arbeitsstraßen, die mit ganzen Reihen von Stahlplanken vom Abrutschen gesichert sind.

Ein Spaziergang führt ziemlich weit hinauf ins Geröll. Vor allem viele Eichen sind zu sehen, der Boden unter den Bäumen ist dicht voll mit Eicheln. An denen, die noch am Baum hängen, sind Wassertropfen zu sehen – geregnet hat es nicht, also scheint es Tau zu sein, der sich bis in die Mittagsstunden gehalten hat.

Würde dann in Münstermaifeld nicht die für einen solch kleinen Ort riesige Kirche mit einem sehr ungewöhnlichen Turm neugierig machen, würde man wahrscheinlich einfach mit der Anmerkung „hat schon bessere Zeiten gesehen, das Örtchen“ hindurchfahren. Noch kann man in glänzenden Prospekten ein Loblied auf den mittelalterlich geprägten Ort lesen – aber die beste Zeit, die hat er schon lange hinter sich. Zwischen einzelnen renovierten Häuserfassaden sind im Ortskern vor allem viele ziemlich heruntergekommene Häuser mit abbröckelndem Putz und abblätternder Farbe zu sehen, schon in der Hauptstraße, noch mehr in den verwinkelten Seitengassen.

Zwischendurch steht immer mal wieder ein schmuckes altes Haus oder ein alter Hof, der gerade gerichtet wird – so ein wenig bewegt sich anscheinend etwas, aber nicht all zu viel. Weit mehr dominieren in den Straßen die geschlossenen Geschäfte oder, statt zugeklebter Scheiben, anstelle des Bäckers oder des Metzgers oder des Lebensmittelgeschäftes die Döner-Bude, der Pizza-Service oder die Versicherungswerbung. An der Ortseinfahrt hatten wir bereits die Supermärkte und Discounter gesehen, die dem Ort anscheinend nicht sonderlich gut getan haben.

Auf der höchsten Erhebung des Ortes steht alles überragend die mächtige Kirche mit ihrem massiven, breiten Turm, der dem Bauwerk fast den Charakter einer Festung verleiht.

Kaum zu glauben, aber der kleine Ort spielte bereits eine Rolle in der ganz frühen Phase der Christianisierung der Region. Bereits im 6. Jahrhundert stand hier die erste Kirche. Das erste richtig große Kirchenbauwerk entstand Ende des 11. bis zum Anfang des 12. Jahrhundert – der heute noch stehende Kirchturm stammt zu großen Teilen noch aus dem Jahre 1103. Bereits im 13. Jahrhundert, fertiggestellt Ende des 14. Jahrhunderts, folgte dann der heute noch stehende dritte Kirchenbau.

Das Hauptportal in die Kirche hinein führt durch das rechte Seitenschiff. Im Hauptschiff angekommen und ans Halbdunkel gewöhnt beeindruckt ganz schnell, dass man in einer Kirche angekommen ist, in der noch enorm viel aus den ersten Jahrhunderten zu sehen ist, in denen sie entstand und ausgestattet wurde – vorne im Chor ein goldglänzender Hochaltar, Altäre und Statuen in den Seitenschiffen und insbesondere an den Säulen die mittelalterlichen Fresken.

Der Altar zeigt sich als feinst gearbeitetes, goldglänzendes spätgotisches Meisterstück, ein in Antwerpen entstandener Fügelaltar aus dem Jahre 1518. Detailliert herausgearbeitete Szenen zeigen Szenen aus dem Leben von Jesus und Maria, ein Lebenszyklus. Der genauere Blick in die Szenen hinein zeigt unzählige Figuren, die Gesichtszüge und sichtbaren Körperpartien ebenso wie Bekleidung bis ins kleinste Detail höchst präzise und ausdrucksvoll geschnitzt, ebenso wie die Engel oder auch die Tiere, die zu sehen sind; selbst in der Perspektive zeigen sich hinter den vorderen Reihen noch passend dahinterstehend viele Figuren. Man ist so fasziniert von diesen Schnitzereien, dass die ebenso ausdrucksstarken Malereien auf den Altarflügeln kaum Beachtung finden.

Schon auf dem Weg durch das Kirchenschiff, vor zum Hauptaltar, schweift der Blick ab auf die linke Seite. Eine acht Meter hohe Wandbemalung zeigt den heiligen Christopherus – und nachdem das goldglänzende Schmuckstück der Kirche, der Hauptaltar, genügend lange angesehen ist, werden die Augen eingefangen durch Wandmalereien, die zuvor nur im Halbdunkel der Kirche ein etwas versteckteres Dasein hatten.

An den Wänden sind einige, und auf den Säulen noch viel mehr Malereien aus dem 12. bis 14. Jahrhundert zu sehen, auch diese allesamt sehr detailreich.

Ist er Gesamteindruck erst einmal aufgenommen, ziehen weniger die großen Darstellungen in Bann, sondern die kleinen Ausschmückungen, die mehr die Geschichten und auch Mythen des Alltagslebens zeigen – und auch ein wenig vom Leben vor vielen Jahrhunderten. Hasenjagd, Ausritt, im Dorf schauen Menschen aus Türen und Fenstern, davor im Halbdunkel die Kirche mit dem Priester, durch den Wald stürmt ein Einhorn, in den Bäumen sitzt eine kleine Eule, ein verschlungener Weg führt hoch zur Burg, und ein Kreuzweg mit Kapelle hinauf zur Kirche, die auch auf einer Anhöhe liegt. Kleine Bildergeschichten, eigentlich interessanter als die großen Abbildungen von Heiligen.

Fast würde man die vielen einzelnen großen und kleinen Kunstwerke übersehen, die es überall in den Seitenschiffen, an den Wänden oder gar auf dem Fußboden gibt. Im linken Seitenschiff steht eine überlebensgroße Figurengruppe, die Grablegung, so wie die Ausführung aussieht aus Tuffstein gearbeitet. Einer der Seitenaltäre ist aus Alabaster; an den Wänden sind sehr fein gearbeitete kolorierte Steinmetzarbeiten mit Szenen aus dem Kirchenleben zu sehen.

An den Wänden sind einige Grabplatten angebracht, der Fußboden ist zum Teil mit solchen belegt. Das Orgelgehäuse auf der Empore stammt noch aus dem Jahre 1722, das Instrument wurde 1864 erneuert.

Ein weiterer Rundgang durch diese Kirche würde noch einmal viele neue Eindrücke und auch Fotos bringen. Aber belassen wir es bei der Empfehlung: Hin fahren und anschauen, es lohnt sich.

Ebenso lohnenswert ist ein Besuch in Deutschlands größtem Ladenmuseum, gleich neben der Kirche, in der ehemaligen Probstei – unser nächstes Ziel, über das wir noch berichten werden.

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