Fast vergessenes Alltagsleben – Landladen, Kneipe, Nähladen

Eine unglaubliche Sammlung in Münstermaifeld und in Uersfeld, im Ladenmuseum – Teil 3

Tante-Emma-Laden, Friseurgeschäft, Kino, Tabakladen, Elektrogeschäft – alles schon angesehen. Aber es geht weiter im Ladenmuseum, hinein in einen Raum, der voll mit all dem ist, was man in der Landwirtschaft und auch im heimischen Garten gebrauchen kann. Danach wird es in die Dorfkneipe gehen, und dann in ein Geschäft, das es so kaum mehr geben dürfte – mit all dem, was man für Nähen und Handarbeit benötigt.

Aus der alten Schule sind wir gerade herausgekommen. Weiter geht es mit einer Vielfalt von Dingen aus dem Alltagsleben. Immer wieder ist man erstaunt, was da alles gesammelt wurde, und was man aus eigener Vergangenheit alles wiederentdecken kann, das man längst schon vergessen hatte – Gegenstände und damit verbundene Erinnerungen.

Im Laden für Landwirtschaftsbedarf ist all das zu haben, was auf den Bauernhöfen benötigt wird – wie die „landwirtschaftlichen Betriebe“ damals einfach hießen.

Bauernhöfe waren in der Zeit, aus der der Laden stammt, nicht spezialisiert. In den Ställen standen Kühe und Kälber samt dem Bullen, ebenso die Schweine, in vielen Gegenden noch Schafe oder Ziegen, im kleinen Stall im Garten Hühner, Gänse, vielleicht auch Enten. Auf den Feldern wurde noch die Mischwirtschaft gepflegt; angebaut wurden verschiedene Getreidesorten, Kartoffeln, Rüben, seltener Mais. Als Grünfutter wurde auf vielen Flächen Klee ausgesät. Und auf den Höfen wurde selbstverständlich noch selbst geschlachtet, mit dem Dorfmetzger.

Die Regale in diesem Laden zeigen noch vieles von dem, was für diese vielseitige Landwirtschaft benötigt wurde und aus dieser Zeit übriggeblieben ist – erstaunlich viel, dachte doch früher wohl niemand auf einem Bauernhof daran, alte Schachteln, Verpackungen oder gar Dinge, die man direkt benötigte, für irgendwelche kommenden Zeiten aufzubewahren. Gekauft wurden Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände, die direkt auf dem Hof und auf den Feldern, vielleicht auch im Bauerngarten eingesetzt wurden.

Auf der Ladentheke steht die große Waage, daneben eine wuchtige Kornwaage. Auf der Waage liegen die Tragehenkel, mit denen schwerere Lasten, vor allem verschnürte Pakete getragen wurden – mehrfach verwendbar. Die Regale sind gefüllt mit großen Behältern mit Saatgut, abgewogen in Tüten lose zu kaufen. Im „Giftschrank“ an der Wand liegen Packungen mit allen möglichen Pflanzenschutzmitteln, ebenso die Gifte gegen allerhand Schädlinge, ob Fliegen, Mäuse oder Ratten. Entsprechende Fallen fehlen nicht, auch nicht diejenigen gegen Marder.

Eingekauft wurde in solchen Geschäften nicht nicht nur für den Bauernhof, sondern ebenso für den Privatgebrauch. Beleg sind dafür auch die Kleinpackungen, die in den Regalen stehen. So ein wenig ist ja auch in Vergessenheit geraten, dass vor nicht all zu langer Zeit meist noch im eigenen Garten für den alltäglichen Bedarf angebaut wurde, und kaum mehr jemand erinnert sich daran, dass in den Gärten häufig noch Hühner, Gänse und Kaninchen gehalten wurden, oft sogar ein Schwein im Schuppen – und das noch bis hinein in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Saatgut, Unkrautvernichter, Mäusefallen und mehr wurden von jedermann benötigt, auch das Futter für den Kanarienvogel, der zu ziemlich vielen Haushalten gehörte.

Die Werbeschilder an den Wänden sprechen deutlich von all dem, was angesagt war – und die Werbung für Fischmehl weckt die Erinnerung, dass es noch nicht so lange her ist, dass man Hühnereier noch mit Fischgeschmack in Verbindung brachte.

In den beiden kleinen Dorfkneipen, die in Münstermaifeld und Uersfeld zusammengestellt sind, steht jeweils die Theke mit all dem alten Sammelsurium an Gläsern und Krügen, viele mit dem Logo der Lieblingsgetränke, die ausgeschenkt wurden – und von denen einige Flaschen in den Regalen stehen. Der Gastraum ist ausgestattet mit den typischen kleinen Tischen samt den nicht sonderlich bequemen Holzstühlen.

Aschenbecher stehen überall herum, schließlich gehörte die Rauchwolke einfach in eine gute Gaststätte hinein. An der Wand hängen natürlich nicht nur Plakate, sondern auch der „moderne“ Geldspielapparat. Auf der Theke gibt es auch den Nüsse-Spender – zehn Pfennig eingeklemmt, den Drehhebel ein mal im Kreis gedreht, und heraus kommt eine „kleine Hand voll“ Erdnüsse oder gebrannte Mandeln.

Bierflaschen haben noch Schnapp-Verschlüsse, ebenso die Sprudelflaschen – Mineralwasser war ein weitgehend unbekannter Begriff, es gab süßen oder sauren Sprudel, eben gezuckertes und ungezuckertes, etwas blubberndes Wasser.

Getränke wie Bluna, Fanta, Sinalco, Cola oder was auch immer, das war etwas besonderes – in dieser kleinen Dorfkneipe sieht man noch viele der Flaschen in ihrem alten Design. In einer Ecke steht ein Korb mit Kegeln und Kugeln, Überreste einer Kegelbahn, bei der noch von Hand neu aufgestellt werden musste.

In der kleinen Kneipe in Uersfeld steht tatsächlich noch eine Musikbox, bei der die Singles per Knopfdruck ausgewählt werden können und die dann irgendwelche Schlagermusik der 50er-Jahre scheppert.

Eine fast schon unübersichtliche Vielfalt bietet der Näh- und Wollwarenladen. Nähgarne und Nähnadeln, Stopfgarn und Gummibänder, Knopfkarten, Wolle und Stricknadeln, allerhand für die Deko, ob Spitzenbändchen oder Fuchsfelle. Modehefte und Schnittmuster mit Informationen und Vorlagen für die Herstellung von Kleidungsstücken liegen in der Auslage. Ein hoher Schubkasten bietet Nähgarne in allen erdenklichen Farbschattierungen.

Etwas befremdlich klingt es schon, wenn die garnbezogenen Knöpfe für die Bettwäsche von der Marke „Frauenglück“ kommen, und eine Knopfkarte beschriftet ist mit „für alle Mädchen“.

In einer der Ecken des Ladens ist noch allerhand Material aus der Hutmacherwerkstatt angesammelt, von Formen über Rohlinge bis hin zum fertigen Produkt, dazu das passende Werkzeug.

In der Dekoration stehen stylische Hüte und Überwürfe, daneben auch die Hutschachteln zum Transport und zur Aufbewahrung. Pelze sind noch nicht verpönt; der Fuchspelz als Schal oder Überwurf sieht noch sehr komplett aus, von Kopf bis Schwanz.

Dieser Fellumhang dürfte heutzutage weniger modische Begeisterung auslösen als damals – als so etwas noch ein „Objekt der Begierde“ war.

Wir starten weiter, zum nächsten Raum, in den Laden, in dem es alte Zeitschriften, vor allem Comics zu sehen gibt. Der ist normalerweise nur durch Glasscheiben zu betrachten. Aber wir dürfen zumindest ein paar Schritte hinein gehen. Darüber mehr im nächsten Bericht.

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